| # taz.de -- Wahlsystem in Hessen: Keine Besserung in Sicht | |
| > Auch wenn die abgewiesen Klage von der AfD kommt – das Wahlsystem in | |
| > Hessen ist reformbedürftig, die Parteien sind auf ihren Vorteil bedacht. | |
| Bild: Plenarsaal des Hessischen Landtags in Wiesbaden im Juli 2020 | |
| CDU und Grüne in Hessen machen es sich zu einfach, wenn sie die Klage der | |
| AfD gegen die Berechnung der Sitzverteilung im Hessischen Landtag als | |
| Klamauk und Populismus brandmarken. Immerhin hat das Verfassungsgericht des | |
| Landes einen [1][„Fehler im Wahlverfahren“] festgestellt, weil eine | |
| eigentlich nötige alternative Berechnung unterblieben war. Dass auch diese | |
| Rechnung zu keinem anderen Ergebnis gekommen wäre, macht die Sache halbwegs | |
| erträglich. | |
| Doch das eigentliche Problem bleibt ein Wahlsystem, das übermäßig viele | |
| Überhang- und Ausgleichsmandate produziert. Deren Verteilung ergibt sich | |
| aus komplizierten Rechenoperationen. Dass dabei je nach dem angewandten | |
| Berechnungssystem unterschiedliche Ergebnisse herauskommen können, stärkt | |
| nicht das Vertrauen in demokratische Institutionen. Wenn | |
| Regierungsparteien, wie zuletzt in Hessen, aus einem hauchdünnen Vorsprung | |
| bei den Wählerstimmen durch eine solche Rechnung eine solide Mehrheit bei | |
| der Sitzverteilung gewinnen können, muss das nicht jeden überzeugen. | |
| Die Parteien im Bund und in den Ländern sollten aus dem Urteil des | |
| Hessischen Staatsgerichtshof die Lehre ziehen, dass sie die Aufblähung der | |
| Parlamente durch immer mehr Überhangs- und Ausgleichsmandate beenden und | |
| für klare gesetzliche Vorgaben bei deren Berechnung sorgen müssen. Im Bund | |
| sind alle geeigneten [2][Vorschläge dafür erst einmal gescheitert], vor | |
| allem weil die CSU ihre Vorteile im geltenden Systems nicht aufgeben | |
| wollte. Auch in Hessen ist bislang keine Besserung in Sicht. Die | |
| schwarz-grüne Mehrheit ist nicht einmal in der Lage, die Zuschnitte der | |
| Landtagswahlkreise so neu zu ordnen, dass die Gewichtung jeder einzelnen | |
| Erststimme im ganzen Land etwa gleich ist. | |
| Beim Wahlsystem und dem Zuschnitt der Wahlkreise schielen die Parteien | |
| stattdessen auf mögliche Vorteile und zusätzliche Mandate. Sicher: Die AfD | |
| macht Stimmung gegen demokratische Institutionen. Aber das Tricksen und | |
| Lavieren der etablierten Parteien beim Wahlrecht liefert dafür Argumente. | |
| 11 Jan 2021 | |
| ## LINKS | |
| [1] /AfD-Klage-in-Hessen/!5738883 | |
| [2] /Bundestag-bleibt-gross/!5719161 | |
| ## AUTOREN | |
| Christoph Schmidt-Lunau | |
| ## TAGS | |
| Schwerpunkt Landtagswahlen | |
| Wahlrecht | |
| Wiesbaden | |
| Schwerpunkt Wahlen in Berlin | |
| Schwerpunkt Bundestagswahl 2025 | |
| ## ARTIKEL ZUM THEMA | |
| AfD-Klage in Hessen: Schwarz-grüne Mehrheit bleibt | |
| Die Mandate im aktuellen Hessischen Landtag wurden korrekt berechnet, | |
| urteilt das hessische Verfassungsgericht. Geklagt hatte die AfD. | |
| Ausblick auf das Wahljahr 2021: Schwarz-Grün kommt | |
| Mit Union und Grünen würden sich altes und neues Bürgertum verbünden. Alles | |
| deutet darauf hin – fast alles. | |
| Bundestag bleibt groß: GroKo setzt Wahlrechtsreform durch | |
| Nach jahrelangem Streit hat der Bundestag eine Reform des Wahlrechts | |
| beschlossen. Untauglich, so die Opposition. Auch Teile der CDU enthielten | |
| sich. |