| # taz.de -- Mall of Berlin vor Bundesarbeitsgericht: Bauarbeiter bekommen nichts | |
| > Entscheidung am Bundesarbeitsgericht: Der Investor des Konsumtempels Mall | |
| > of Berlin muss Bauarbeiter nicht bezahlen. | |
| Bild: Baustelle of shame | |
| Erfurt taz | Die Enttäuschung war Ovidiu Mindrila am Mittwochmittag | |
| anzusehen. Gerade hatte das Bundesarbeitsgericht in Erfurt seine Klage | |
| gegen den Investor der [1][Mall of Berlin] abgewiesen. Gemeinsam mit seinem | |
| Kollegen Niculae Hurmuz klagte er darauf, dass der Bauherr als letztes | |
| Glied in der Kette haften muss, wenn die von ihm beauftragten | |
| Subunternehmen zahlungsunfähig sind. | |
| Die nämlich hatten beim Bau der Mall of Berlin Mindrila und weitere | |
| BauarbeiterInnen um ihren [2][Lohn geprellt]. Der Richter in Erfurt | |
| erklärte zur Begründung für die Abweisung der Klage, dass das Gericht keine | |
| Veranlassung gesehen hat, von der bisherigen Rechtspraxis abzuweichen – | |
| laut der muss der Bauherr nicht für die Löhne von Beschäftigten bei | |
| Subunternehmen haften. | |
| Mindrila hatte sich für den Tag der Urteilsverkündung freigenommen und war | |
| mit einer kleinen Gruppe von UnterstützerInnen von der Basisgewerkschaft | |
| Freie Arbeiter Union (FAU) nach Erfurt gefahren. Den beiden rumänischen | |
| Bauarbeitern ging es nicht nur um den entgangenen Lohn. „Es geht mir um | |
| Gerechtigkeit, dass die Firmenbesitzer verstehen, dass sie Leute nicht so | |
| verarschen können“, begründete Mindrila seinen 5 Jahre dauernden Klageweg | |
| durch alle Instanzen. | |
| Ein Erfolg in Erfurt hätte auch über den Fall hinaus Bedeutung gehabt. | |
| Lohn- und Sozialbetrug ist auf Baustellen keine Seltenheit – oftmals sind | |
| Beschäftigte, die um ihren Lohn geprellt werden, nicht aus Deutschland, | |
| kennen sich mit der Sprache und ihren Arbeitsrechten nicht aus. Die | |
| ursprünglich sieben Bauarbeiter der Mall of Berlin, die seit Herbst 2014 | |
| auf den entgangenen Lohn klagten, wurden von Anfang an von der FAU | |
| unterstützt. Dazu gehört auch der Rechtsschutz. Schließlich müssen die | |
| Kosten für das Verfahren in Erfurt die Kläger tragen. | |
| ## Rechtsweg ausgereizt | |
| Der Rechtsweg ist aus Sicht des Berliner Rechtsanwalts Klaus Stähle, der | |
| die Kläger vertrat, jetzt wohl ausgereizt. Man werde sich die | |
| Urteilsbegründung genau ansehen und dann entscheiden, ob es sinnvoll ist, | |
| auf europäischer Ebene weiter zu klagen. Doch Stähle dämpfte die | |
| Erwartungen: Die Wahrscheinlichkeit sei nicht besonders hoch. | |
| Trotzdem bedauerte er nicht, den Rechtsweg beschritten zu haben. Dadurch | |
| sei der Fall einer großen Öffentlichkeit bekannt geworden. Nun müsse für | |
| die Rechte der Arbeiter wieder mehr gesellschaftlicher Druck erzeugt | |
| werden, betonte Stähle. | |
| Tatsächlich gab es zu Beginn des Konflikts fast wöchentlich Demos vor der | |
| Mall of Berlin, an der sich linke Gruppen beteiligt hatten. Doch je länger | |
| sich die Auseinandersetzung hinzog, desto mehr verlagerte sie sich auf die | |
| Gerichte – der Druck auf der Straße ging zurück. | |
| „Wäre der gesellschaftliche Druck größer gewesen, hätte das Urteil anders | |
| ausgesehen“, kommentierte ein FAU-Mitglied, das den Prozess begleitete, die | |
| Entscheidung. Stähle sieht nun auch PolitikerInnen in der Pflicht, als | |
| Gesetzgeber dafür zu sorgen, dass ein auf Lohnbetrug und Überausbeutung | |
| basierendes Geschäftsmodell ausgetrocknet wird. | |
| 16 Oct 2019 | |
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| Peter Nowak | |
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