| # taz.de -- Sicherheitsmann in Österreichs Parlament: Neonazi hörte mit | |
| > In einem Untersuchungsausschuss in Wien ging es um den Einsatz von | |
| > V-Männern in der rechtsextremen Szene. Bewacht wurde er von einem | |
| > Neonazi. | |
| Bild: Wird auch gerne mal von Nazis bewacht: das österreichische Parlament in … | |
| Wien taz | Wie kommt ein Neonazi ins österreichische Parlament? Das fragen | |
| sich derzeit nicht nur Abgeordnete und Medien. Wie Recherchen der | |
| Tageszeitung Der Standard und des Wochenmagazins profil aufdeckten, hat ein | |
| Mann aus der Neonazi-Szene [1][mehrere Wochen als Security im Parlament | |
| Dienst getan]. Dabei war er auch im Untersuchungsausschuss eingesetzt, der | |
| einen Skandal um eine Razzia im Bundesamt für Verfassungsschutz und | |
| Terrorismusbekämpfung (BVT) aufklären soll. Dort wurden unter anderem so | |
| heikle Themen wie der Einsatz von V-Männern in der rechtsextremen Szene | |
| behandelt. | |
| Wie die Parlamentsdirektion bekannt gab, handle es sich nicht um einen | |
| Angestellten des Hohen Hauses, sondern einen Mitarbeiter der privaten | |
| Sicherheitsagentur G4S, die vom Innenministerium gerne beschäftigt wird. So | |
| obliegt ihr auch die Sicherheit und Versorgung von Flüchtlingen im | |
| Vorarlberger Abschiebehaftzentrum Vordernberg. | |
| Der Mann, Anfang 20 und Mitglied in einer deutschnationalen Burschenschaft, | |
| steht offenbar in enger Beziehung zum mehrmals verurteilten Neonazi | |
| Gottfried Küssel, der einmal angedroht hat, er werde „diesen Staat“, also | |
| Österreich, „zertrümmern“. Das Tagebuch der Anne Frank hat er als | |
| „Fälschung gegen das deutsche Volk“ verdammt. Auf einem Foto sieht man den | |
| G4S-Mitarbeiter mit Küssel beim Biertrinken. | |
| Nach der Verhaftung des Neonazis hat er dessen Frau auf Demonstrationen | |
| begleitet. Dass es sich keinesfalls um einen geläuterten Rechten handelt, | |
| der mit seiner Vergangenheit abgeschlossen hat, beweist seine Reise ins | |
| sächsische Ostritz, wo er am vergangenen 13. Oktober am | |
| Neonazi-Kampfsportevent „Kampf der Nibelungen“ teilnahm. Sein T-Shirt trug | |
| die Aufschrift „Alpen-Donau.info“, das ist die inzwischen eingestellte | |
| neonazistische Website, für deren Betrieb Küssel zuletzt zu sieben Jahren | |
| Haft verurteilt wurde. | |
| Bei seiner Tätigkeit im Parlament durfte der Mann auch Journalisten | |
| kontrollieren und konnte auf deren Presseausweisen ihre Privatadresse | |
| sehen. Ob er sich für diesen Dienst gemeldet hat oder routinemäßig | |
| eingeteilt wurde, ist noch unklar. | |
| Der grüne Abgeordnete Peter Pilz sprach von einem „Sicherheits-GAU“ und | |
| will den verantwortlichen Abteilungsleiter des BVT in den U-Ausschuss | |
| laden. Parlament und Innenministerium schieben einander die Verantwortung | |
| zu. Innenminister Herbert Kickl (FPÖ), der in seinem Kabinett Leute der | |
| extremen Rechten beschäftigt, hat jedenfalls die „sofortige Klärung“ | |
| versprochen. Der Mitarbeiter wurde freigestellt. | |
| 18 Nov 2018 | |
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| [1] https://derstandard.at/2000091540264/Vertrauter-von-Neonazi-Kuessel-als-Sec… | |
| ## AUTOREN | |
| Ralf Leonhard | |
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