| # taz.de -- Verhandlungen über Atomabkommen: Iran setzt der EU ein Ultimatum | |
| > Innerhalb von 60 Tagen soll die EU garantieren, dass die Umsetzung des | |
| > Atomabkommens auch ohne die USA gelingt. Die Europäer verlangen 90 Tage. | |
| Bild: Anti-amerikanische Proteste am Freitag in Teheran | |
| Teheran/Washington/Berlin dpa | Der Iran hat der Europäischen Union eine | |
| Frist von 60 Tagen gesetzt, um die Umsetzung des Atomabkommens auch nach | |
| dem Ausstieg der USA zu garantieren. Das sei bei einem Treffen am Sonntag | |
| festgelegt worden, an dem der iranische Vizeaußenminister Abbas Araghchi | |
| teilnahm, berichtete das Internetportal des Parlaments in Teheran. Nach | |
| Informationen aus Teheran verlangt das EU-Trio Deutschland, Frankreich und | |
| Großbritannien aber 90 Tage. Das Thema solle deshalb beim Treffen der | |
| Außenminister am Dienstag in Brüssel erörtert werden. | |
| Der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier sagte am Sonntagabend in | |
| der ZDF-Sendung „Berlin direkt“, es werde eine Frist von 60 beziehungsweise | |
| 90 Tagen geben. „In dieser Zeit werden wir alle Möglichkeiten nutzen, um | |
| die amerikanische Regierung zu einer Änderung ihres Verhaltens zu bewegen“, | |
| sagte Altmaier. Am Ende würden alle verlieren, „wenn wir weltweit in eine | |
| Eskalation von einseitigen Maßnahmen hineinlaufen“. Außenminister Heiko | |
| Maas sagte in derselben Sendung, dass auch der Iran ein Interesse daran | |
| habe, das Abkommen aufrechtzuerhalten – auch weil das Land eine | |
| wirtschaftliche Perspektive brauche. | |
| Irans Präsident Hassan Ruhani hatte nach dem von US-Präsident Donald Trump | |
| am vorigen Dienstag verkündeten [1][Ausstieg aus dem Atomabkommen] für | |
| einen Verbleib seines Landes plädiert. Bedingung sei jedoch, dass die drei | |
| europäischen Vertragsstaaten „binnen Wochen“ die vertragsgerechte Umsetzung | |
| des Vertrages garantierten, besonders von dessen wirtschaftlichem Teil. Das | |
| könnte sich aber angesichts angekündigter US-Sanktionen als äußerst | |
| schwierig erweisen. | |
| Die britische Premierministerin Theresa May telefonierte am Sonntag mit | |
| Ruhani. „Wir und unsere europäischen Partner wollen weiterhin unbedingt | |
| sicherstellen, dass das Iran-Abkommen aufrecht erhalten wird“, versicherte | |
| May Ruhani nach Angaben eines Sprechers ihres Büros. Sie habe Ruhanis | |
| Willen gelobt, am Atomdeal festzuhalten, meldete die Nachrichtagentur PA. | |
| Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian sagte, er gehe davon aus, dass | |
| die Vereinbarung die Regierung in Teheran davon abhalten könne, Atomwaffen | |
| zu erlangen. | |
| ## Kein Machtwechsel angestrebt | |
| Trump hatte bekannt gegeben, dass sich die USA aus dem Atomdeal | |
| zurückziehen. Das Atomabkommen gilt als eines der wichtigsten, wenngleich | |
| auch als eines der umstrittensten internationalen Abkommen. Darin | |
| verpflichtet sich die internationale Gemeinschaft, auf Sanktionen gegen die | |
| Islamische Republik zu verzichten. Im Gegenzug soll der Iran unter anderem | |
| weitgehend die Anreicherung von Uran unterlassen, so dass die Herstellung | |
| von waffenfähigem Nuklearmaterial ausgeschlossen ist. Zu den Unterzeichnern | |
| zählen auch Russland und China. | |
| Die USA streben nach Darstellung des Nationalen Sicherheitsberaters John | |
| Bolton nach dem Ausstieg aus dem Abkommen keinen Machtwechsel im Iran an. | |
| „Das ist nicht die Politik der Regierung“, sagte Bolton am Sonntag in einem | |
| Interview des Senders ABC. Vielmehr solle sichergestellt werden, dass der | |
| Iran niemals Atomwaffen einsetzen könne. | |
| Auf frühere, anderslautende Aussagen angesprochen, entgegnete Bolton: „Ich | |
| habe früher viele Dinge geschrieben und gesagt, als ich komplett | |
| freischwebend war.“ Dabei habe es sich um seine persönliche Meinung | |
| gehandelt, betonte Bolton, der als außenpolitischer Falke gilt. | |
| US-Außenminister Mike Pompeo sagte dem Sender CBS, die USA hätten versucht, | |
| eine Einigung mit den Europäern herbeizuführen, um das Atomabkommen zu | |
| erweitern. Dies sei nicht gelungen. „Die Europäer wollten einfach nicht so | |
| weit gehen, den Deal zu erweitern“, sagte Pompeo. Er kritisierte, dass die | |
| Europäer keinerlei Sanktionen gegen den Iran wegen dessen Raketenprogramms | |
| verhängt hätten. Jetzt zu sagen, der US-Ausstieg aus dem Atomabkommen habe | |
| die Spannungen in Nahost vergrößert, sei albern, sagte Pompeo bei FoxNews. | |
| 14 May 2018 | |
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