# taz.de -- Die Wahrheit: Die Blutwurstrache Albaniens | |
> Das Land ist federführend bei der Reptilienküche, nirgendwo mundet der | |
> Kosovowaran besser. Wann erfolgt der EU-Beitritt der Skipetaren? | |
Bild: Schwarzgeld verwahrt Rumänien in repräsentativen Töpfen – so auch im… | |
Anscheinend herrscht in der EU noch immer Mangel an Mitgliedsländern, | |
anders lassen sich die Beitrittsverhandlungen mit Albanien nicht erklären. | |
Es gibt aber auch Vorteile: Mit Albanien könnte man endlich den europaweit | |
starken Abwärtstrend in Sachen Korruption aufhalten. Der EU brächte ein | |
Beitritt Albaniens eine Professionalisierung des Zigarettenhandels und eine | |
flächendeckende Ausweitung der Blutrache. | |
Probleme gibt es bei der Energieversorgung: Albanien hat immer weniger | |
Kohle, zudem gibt es im Land einfach zu wenig Steckdosen. Mit gezielten | |
Sonnenscheinlieferungen könnte es der EU gelingen, zumindest etwas Licht | |
und Wärme in die Schattenwirtschaft zu bringen. | |
Vor allem würde ein Beitritt endlich barrierefreien Zugang zur albanischen | |
Kunst ermöglichen, zu den Werken von Al Bano oder Jessica Alba, und – weit | |
wichtiger – zur albanischen Küche, die ja als fester Bestandteil der | |
Balkonküche auf dem Balkan vor allem dem Kampfgriller neue Dimensionen | |
erschließt. Obwohl sich die Albaner nur ungern in die Karten gucken lassen | |
– was auch für Speisekarten gilt. | |
Dabei verblüffen die Skipetaren mit einer außergewöhnlichen Küche, die | |
nicht allzu fern der griechischen angesiedelt ist. Die albanische Küche | |
tendiert zu einer gewissen Rigorosität, die auf orientalische Einflüsse | |
zurückzuführen ist, man denke nur an Datteln und Ohrfeigen, geschlagene | |
Butter oder grobe Leberwürste. | |
Gern vertilgen die Albaner auch Nutztiere, die ja nicht zufällig so heißen: | |
Brathendl, Suppenschildkröte, Räucherlachs, Mastochse, Grille – allesamt | |
gern gesehene Gäste in den Küchen von Durrës bis Vlora. Längst ist | |
Blutwurst beliebter als Blutrache, und Fischgerichte sind gängiger als | |
Standgerichte. | |
Albanien ist zudem federführend bei der Reptilienküche, nirgendwo auf der | |
Welt mundet der Kosovowaran besser als im Spezialitätenrestaurant in der | |
Hauptstadt Piranha. Für manche Speisen bedarf es jedoch Einbildungskraft, | |
zum Beispiel „Patëllxhane te mbushura“, das sind gefühlte Auberginen oder | |
gefüllte Schafsdärme, die vorher glücklicherweise entleert werden. Als | |
Füllung verwendet man Crystal Mett. | |
Leider werden die Garzeiten wie bei den Griechen überstrapaziert, weshalb | |
manche Zutaten ausgelaugt wirken. Exzellent kennen sich die Albaner dafür | |
mit Kräutern aus, so wird die traditionelle Bohnensuppe „Fasula“ mit | |
Basilikum und Origami aufgepeppt. | |
Trotz eines geradezu dramatischen Sparzwangs weiß man sich zu helfen: Beim | |
Löffelstör isst man das Besteck gleich mit. Aus nichts etwas zu zaubern, | |
ist für die Sterneköche Albaniens eine leichte Übung, beispielsweise beim | |
beliebten Dessert „Revani me Niseshte“ – aus Stärke, Wasser, Butter und | |
Zucker wird eine leckere Süßspeise gezaubert. Wer keine Schwäche zeigen | |
will, nimmt eben Stärke. | |
Auf den Ausgang der Beitrittsgespräche mit Albanien darf man gespannt sein, | |
ebenso wie auf die Fußtrittgespräche mit der Türkei. | |
24 Apr 2018 | |
## AUTOREN | |
Thomas C. Breuer | |
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