| # taz.de -- Reaktionen auf Trumps Jerusalem-Vorstoß: Ablehnung des Alleingangs | |
| > Die Entscheidung des US-Präsidenten, Jerusalem als Hauptstadt Israels | |
| > anzuerkennen, wird kritisiert. In den Palästinensergebieten kam es zu | |
| > Demonstrationen. | |
| Bild: Blick auf den Felsendom in Jerusalem | |
| Washington afp/rtr | Die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, als | |
| einziges Land weltweit Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, stößt | |
| fast einhellig auf Ablehnung. Mit Ausnahme Israels kritisierten am Mittwoch | |
| Politiker in aller Welt den beispiellosen Schritt. Vor allem in den | |
| Palästinensergebieten wurde mit schweren Ausschreitungen gerechnet. Am | |
| Freitag will sich der UN-Sicherheitsrat in einer Dringlichkeitssitzung mit | |
| der Frage beschäftigen. | |
| Trump wies das US-Außenministerium an, sofort mit den Vorbereitungen für | |
| den Umzug der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu beginnen, wie er | |
| in einer Ansprache im Weißen Haus mitteilte. Der US-Präsident sprach von | |
| einem „lange überfälligen“ Beschluss. Er betonte, dass er mit seiner | |
| Entscheidung das Engagement seines Landes für einen „dauerhaften Frieden“ | |
| in Nahost nicht in Frage stelle. | |
| [1][Trumps Entscheidung] hatte bereits im Vorfeld Ängste vor einem neuen | |
| Flächenbrand in Nahost ausgelöst. Der endgültige Status von Jerusalem ist | |
| einer der größten Streitpunkte im Nahost-Konflikt. Die Palästinenser | |
| beanspruchen den 1967 von Israel besetzten und dann 1980 annektieren | |
| Ostteil Jerusalems als künftige Hauptstadt ihres angestrebten eigenen | |
| Staates. In der internationalen Gemeinschaft herrschte bislang Konsens | |
| darüber, dass der Status der Stadt in Friedensgesprächen zwischen Israelis | |
| und Palästinensern geklärt werden muss. | |
| Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach von einer „mutigen und | |
| gerechten Entscheidung“ und einem „historischen Tag“. Im Gazastreifen | |
| protestierten dagegen am Abend mehrere tausend Menschen gegen die | |
| US-Entscheidung. Sie verbrannten Flaggen der USA und Israels und | |
| skandierten Parolen wie „Tod für Amerika“ oder „Tod für Israel“. Im v… | |
| Israel besetzten Westjordanland waren für Donnerstag Demonstrationen | |
| angekündigt. | |
| Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sagte im palästinensischen Fernsehen, | |
| „diese beklagenswerten und unannehmbaren Maßnahmen“ würden „bewusst alle | |
| Friedensbemühungen“ untergraben. Damit gebe Washington seine „Rolle als | |
| Förderer des Friedensprozesses“ auf, den es im vergangenen Jahrzehnt | |
| innegehabt habe. | |
| Auch die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) kritisierte, dass | |
| die USA sich nun für jede vermittelnde Rolle im Nahost-Konflikt | |
| „disqualifiziert“ hätten. Trump habe „die Zwei-Staaten-Lösung zerstört… | |
| sagte PLO-Generalsekretär Sajeb Erakat. Damit ist die friedliche Koexistenz | |
| eines Palästinenserstaats mit Israel am Ende eines Friedensprozesses | |
| gemeint. | |
| ## Europäische Union „zutiefst besorgt“ | |
| Die radikale Palästinenserorganisation Hamas erklärte, Trump habe auch den | |
| US-Interessen geschadet und für sein Land „das Tor zur Hölle“ aufgestoße… | |
| Die Hamas hatte bereits vor der Rede des US-Präsidenten mit einem neuen | |
| Palästinenseraufstand, der dritten Intifada, gedroht. | |
| Saudi-Arabien nannte die Entscheidung „ungerechtfertigt und | |
| unverantwortlich“. Sie verstoße gegen die „historischen und permanenten | |
| Rechte des palästinensischen Volkes“, erklärte der Palast in Riad. | |
| Indonesien, das Land mit der weltweit größten muslimischen Bevölkerung, hat | |
| die USA aufgefordert, die Entscheidung zu überdenken. Präsident Joko Widodo | |
| verurteilte das Vorgehen Trumps: „Das kann die globale Sicherheit und | |
| Stabilität erschüttern.“ | |
| Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ging auf Distanz zu der | |
| US-Entscheidung. „Die Bundesregierung unterstützt diese Haltung nicht, weil | |
| der Status von Jerusalem im Rahmen einer Zwei-Staaten-Lösung auszuhandeln | |
| ist“, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert [2][auf Twitter]. | |
| Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte in der ARD, mit der | |
| US-Entscheidung werde „Öl ins Feuer“ gegossen. Die Interessen der | |
| Palästinenser würden ignoriert. | |
| Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini erklärte in Brüssel, die | |
| Europäische Union sei „zutiefst besorgt“ über die Ankündigung des | |
| US-Präsidenten und „die Auswirkungen, die diese auf die | |
| Friedensperspektiven haben kann“. | |
| Der UN-Sicherheitsrat befasst sich am Freitag in einer | |
| Dringlichkeitssitzung mit der Entscheidung Washingtons. Die Tagung des | |
| obersten UN-Gremiums war von acht Ländern beantragt worden. Dabei solle | |
| UN-Generalsekretär Antonio Guterres Bericht erstatten, teilte die | |
| schwedische Vertretung bei der UNO mit. | |
| 7 Dec 2017 | |
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