| # taz.de -- EU-Gipfel zum Brexit: May verspricht EU-Bürgern fairen Deal | |
| > Die britische Premierministerin will keine Familien auseinanderreißen. | |
| > Die Rechte von Bürgern sollen früh geklärt werden. Trotzdem sind viele | |
| > Fragen offen. | |
| Bild: May im Gespräch mit dem belgischen Premier Charles Michel | |
| Brüssel rtr | Die britische Premierministerin Theresa May will EU-Bürger | |
| wegen des Brexits nicht zum Wegzug aus dem Königreich zwingen oder deren | |
| Familien auseinanderreißen. Zudem habe sie den anderen 27 Staats- und | |
| Regierungschefs am Donnerstagabend in Brüssel zugesagt, dass alle | |
| Betroffene ihren Status klären dürften, die am Tag des EU-Austritts | |
| Großbritanniens dort lebten, sagten hochrangige britische | |
| Regierungsvertreter. Kanzlerin Angela Merkel bezeichnete nach dem Ende des | |
| ersten EU-Gipfeltages die Ausführungen Mays als guten Anfang. | |
| May legte den Angaben zufolge ihren EU-Kollegen insgesamt fünf Leitlinien | |
| für den Umgang mit den Rechten von britischen und EU-Bürgern im jeweils | |
| anderen Hoheitsgebiet dar. Demnach schlug sie vor, dass EU-Bürger alle | |
| Rechte wie ihre britischen Nachbarn erhalten, wenn sie mindestens fünf | |
| Jahre im Königreich leben. | |
| Ein Datum, ab wann die fünf Jahre gelten, müsse aber noch festgelegt | |
| werden. Dieses Datum soll zwischen dem Tag der offiziellen Bekanntgabe des | |
| EU-Austritts am 30. März diesen Jahres und dem Brexit-Datum am 29. März | |
| 2019 liegen. Die Rechte würden Bildung, den Zugang zum Gesundheitssystem | |
| oder das Rentensystem umfassen. Auch diejenigen, die weniger als fünf Jahre | |
| in Großbritannien lebten, hätten die Möglichkeit, diesen neuen Status zu | |
| erreichen. May mahnte den Regierungsvertretern zufolge die gleichen Rechte | |
| für die rund eine Million in der EU lebenden Briten an. | |
| ## Zurückhaltung bei EU-Regierungschefs | |
| Merkel erklärte, dass sich noch viele andere Fragen stellten. Dazu zählte | |
| sie die finanziellen Verpflichtungen Großbritanniens gegenüber der EU | |
| infolge des Brexits und das Verhältnis zum britischen Nachbarn Irland. Die | |
| Staats- und Regierungschefs seien weiter fest entschlossen, die Einigkeit | |
| der 27 Länder zu bewahren. Auch Merkels österreichischer Kollege Christian | |
| Kern erklärte, es seien noch viele Details offen. | |
| Nach dem Willen Mays sollen sich betroffene EU-Bürger in Streitfragen nicht | |
| an den Europäischen Gerichtshof wenden können. Stattdessen könnten sie sich | |
| auf die hoch angesehenen Gerichte in Großbritannien verlassen, sagte sie. | |
| Das nach dem Brexit-Referendum eingeführte 85-seitige Antragsformular, das | |
| EU-Bürger als zu kompliziert kritisiert haben, soll durch ein Online-System | |
| ersetzt werden. Weitere Details will May am Montag im britischen Parlament | |
| präsentieren. Damit sollen auch Fragen nach den Rechten von Ehepartnern | |
| geklärt werden, wenn einer von ihnen kein EU-Bürger ist. | |
| ## Konflikte mit der EU | |
| Die Vorschläge laufen den EU-Plänen in einigen Punkten entgegen. So soll | |
| nach dem Willen der anderen Staaten der EuGH sehr wohl für Streitfälle auch | |
| nach dem Brexit zuständig sein. Auch sollen die Rechte von möglichst allen | |
| EU-Bürgern in Großbritannien gesichert werden, die bis zum Brexit-Tag | |
| dorthin übersiedeln. | |
| Seit der Schlappe Mays bei der von ihr angesetzten Parlamentswahl herrschen | |
| in der EU zudem Zweifel, ob die Konservative ihre Pläne in ihrer Partei und | |
| dem Parlament durchsetzen kann. Nach der Vorlage ihrer Vorschläge verließ | |
| May den EU-Gipfel ohne einen weiteren Kommentar und mit ernster Miene. Die | |
| Verhandlungen zwischen der EU und der britischen Regierung begannen am | |
| Montag. Der Umgang mit den Rechten von britischen und EU-Bürgern soll dabei | |
| spätestens bis Jahresende geklärt werden. | |
| 23 Jun 2017 | |
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