| # taz.de -- Parteitag der CDU in Essen: Ab jetzt wieder kämpfen | |
| > Bei der Wahl zur Parteichefin wird Angela Merkel nicht erneut 96,72 | |
| > Prozent holen können. Streit gibt es vor allem um die | |
| > Flüchtlings-Obergrenze. | |
| Bild: Angela Merkel, hier bei ihrer ersten Wahl zur Vorsitzenden im Jahr 2000 | |
| Berlin taz/afp | Die Überraschung hat die CDU vorweggenommen: Bei ihrem | |
| Parteitag in Essen, der am Dienstag beginnt, weiß jeder schon, dass Angela | |
| Merkel Spitzenkandidatin wird. Schon Mitte November hat sie alle | |
| Spekulationen beendet. Die Aufmerksamkeit wird sich nun auf ihr | |
| Wahlergebnis zur Parteivorsitzenden richten müssen. | |
| 96,72 Prozent waren es vor zwei Jahren in Köln. Dieses Ergebnis wird sie | |
| nicht noch einmal holen können. Die Flüchtlingsdebatte der jüngsten Zeit | |
| hat in vielen CDUlern Zweifel an ihrer Vorsitzenden hervorgerufen. Merkel, | |
| so ist anzunehmen, wird ein Minus aushalten können: Die Führungsfrage gilt | |
| – vorerst – als geklärt. | |
| Für ihren Generalsekretär Peter Tauber werden in Essen die Weichen fürs | |
| Wahljahr gestellt. Dass „Wahlkampf von Kämpfen“ komme, werde die CDU 2017 | |
| unter Beweis stellen. Nicht nur die Sozialdemokraten werden dann die | |
| Konkurrenz stellen, sondern auch die Alternative für Deutschland. Von Essen | |
| aus ein starkes Zeichen gegen Parteienverdruss zu senden, wird daher nahezu | |
| unmöglich sein. Zu zerstritten ist die CDU in der Flüchtlingsfrage. Vom | |
| Dauerzoff mit der CSU, mit der sie gemeinsam Wahlkampf machen soll, ganz zu | |
| schweigen. | |
| Und der ist wieder entfacht. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) | |
| wies die Forderung nach einer Obergrenze als unnötige „Symboldebatte“ | |
| zurück. Das Grundrecht auf Asyl kenne keine Obergrenze. Bayerns | |
| Finanzminister Markus Söder (CSU) verteidigte diese wiederum als wichtig | |
| für „das mentale Gewissen des Volkes“. 200.000 Flüchtlinge pro Jahr soll | |
| die Obergrenze nach CSU-Willen betragen. | |
| ## „Leitkultur“ als einigendes Band in pluraler Gesellschaft | |
| Merkel hat diese wiederholt abgelehnt. Im Leitantrag für den Parteitag | |
| steht lediglich: „Die Ereignisse des vergangenen Jahres dürfen sich nicht | |
| wiederholen.“ Wenn nötig, sollten „weitere Maßnahmen, wie etwa | |
| Transitzonen“, beschlossen werden. Nach dem Vorbild des Flüchtlingsdeals | |
| mit der Türkei sollen mit afrikanischen Staaten Vereinbarungen geschlossen | |
| werden, um auf See gerettete Flüchtlinge direkt nach Nordafrika | |
| zurückbringen zu können. | |
| „Orientierung in schwierigen Zeiten – für ein erfolgreiches Deutschland und | |
| Europa“ lautet der Titel des Leitantrags. In der Sicherheitspolitik will | |
| die CDU mehr Geld im Kampf gegen Terrorismus und Einbrüche ausgeben. | |
| Daneben postuliert sie eine „Leitkultur“ als einigendes Band in einer | |
| pluralen Gesellschaft. Dazu soll auch ein Verbot von Vollverschleierung | |
| „unter Ausschöpfung des rechtlich Möglichen“ gehören. | |
| Und bei der Wirtschaft macht sich die CDU bereit für Schwarz-Grün. Anders | |
| ist kaum zu verstehen, dass im Leitantrag statt des Wortes Steuererhöhungen | |
| nun „Steuerquote“ steht. Insider vermuten, dass damit Spielraum für eine | |
| Erhöhung des Spitzensteuersatzes bei Koalitionsverhandlungen geschaffen | |
| werden soll. | |
| 5 Dec 2016 | |
| ## AUTOREN | |
| Anja Maier | |
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