| # taz.de -- Bundesbank-Bericht zu Griechenland: Von der Pleite bedroht | |
| > Seit Monaten verhandelt Griechenland über neue Hilfen – bisher | |
| > ergebnislos. Damit steige die Gefahr, dass Athen in die Pleite rutscht, | |
| > so die Einschätzung der Bundesbank. | |
| Bild: Die Zentrale der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main. | |
| FRANKFURT/MAIN dpa | Griechenland ist aus Sicht der Deutschen Bundesbank | |
| massiv von einer Staatspleite bedroht. „Die Lage in Griechenland ist weiter | |
| besorgniserregend“, [1][betonte die Notenbank] in ihrem am Montag in | |
| Frankfurt veröffentlichten [2][Monatsbericht]. | |
| Aktuell seien Athen und griechische Banken nur deshalb zahlungsfähig, weil | |
| die Banken mit ELA-Notkrediten („Emergency Liquidity Assistance“) der | |
| griechischen Zentralbank versorgt werden. Griechenland müsse deshalb rasch | |
| durch wirtschafts- und finanzpolitische Reformen die Basis für tragfähige | |
| Staatsfinanzen schaffen und brauche zumindest vorübergehend weitere | |
| Hilfszahlungen, warnt die Bundesbank. | |
| Die Regierung des linken Ministerpräsidenten Alexis Tsipras ringt seit drei | |
| Monaten um die Auszahlung weiterer Finanzhilfen. Die europäischen Geldgeber | |
| und der Internationale Währungsfonds (IWF) koppeln die Freigabe von 7,2 | |
| Milliarden Euro aus dem aktuellen Hilfsprogramm an ein umfassendes | |
| Reformpaket. | |
| Griechische Banken bekommen auf normalem Weg kein frisches Geld mehr von | |
| der Europäischen Zentralbank (EZB) und sind daher auf teurere | |
| Ela-Notkredite angewiesen. Finanzkreisen zufolge wurde der ELA-Rahmen | |
| zuletzt auf 80 Milliarden Euro ausgeweitet. Damit stopft die Notenbank die | |
| Löcher, die Finanzinstituten durch Mittelabflüsse in Milliardenhöhe | |
| entstehen. Denn Bürger und Unternehmen räumen wegen der ungewissen Zukunft | |
| ihre Konten leer. | |
| Mit den Notkrediten kaufen die griechischen Banken immer wieder neue | |
| kurzfristige Staatstitel ([3][T-Bills]) nach, wenn die Vorgängerpapiere | |
| fällig werden. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sieht diese Praxis | |
| kritisch: „Dass Banken ohne Marktzugang Kredite gewährt werden, die damit | |
| Anleihen des eigenen Staates finanzieren, der selbst ohne Marktzugang ist, | |
| finde ich mit Blick auf das Verbot der monetären Staatsfinanzierung nicht | |
| in Ordnung.“ Aus Sicht der Bundesbank muss die Entscheidung über die | |
| Bereitstellung weiterer Finanzmittel aber von nationalen Regierungen und | |
| Parlamenten getroffen werden – und nicht von den Notenbanken. | |
| ## Der abrupten Kurswechsel unter Tsipras | |
| Die Regierung in Athen hat sich nach Überzeugung der Bundesbank selbst in | |
| die heikle Lage manövriert: „Die Aussichten hatten sich bis Ende 2014 | |
| merklich aufgehellt, denn nach einer harten Anpassungsphase hatte das | |
| Wachstum wieder Fuß gefasst.“ Die Lage der Staatsfinanzen hätte ohne | |
| „übermäßige zusätzliche fiskalische Maßnahmen“ stabilisiert werden kö… | |
| Zumal die Finanzierungskosten des Staates wegen der im Rahmen der | |
| Hilfsprogramme stark vergünstigten Zinskonditionen trotz der sehr hohen | |
| Schuldenquote keineswegs unzumutbar gewesen seien: „So lagen die | |
| Zinsausgaben im Jahr 2014 in Relation zum BIP unterhalb jener in Portugal, | |
| Italien und Irland.“ | |
| Doch durch den [4][abrupten Kurswechsel unter Tsipras] sei der Reform- und | |
| Stabilisierungskurs unterbrochen und teilweise umgekehrt worden. „Die so | |
| erzeugte Unsicherheit beeinträchtigt die öffentlichen Finanzen indirekt | |
| durch den Rückschlag bei der wirtschaftlichen Aktivität, aber auch direkt | |
| durch die offenbar rückläufige Bereitschaft, Steuern zu zahlen“, betonte | |
| die Bundesbank. Darüber hinaus seien zusätzliche Ausgaben beschlossen | |
| worden. | |
| Dadurch seien die Risikoprämien für griechische Staatsanleihen stark | |
| gestiegen und der 2014 ansatzweise wieder hergestellte Zugang zum | |
| Kapitalmarkt erneut verloren gegangen, betonte die Bundesbank: „Da aber das | |
| – zwischenzeitlich bis Ende Juni verlängerte – Hilfsprogramm unter den | |
| aktuellen Bedingungen nicht fortgesetzt werden kann, das heißt, keine | |
| Hilfskredite und Transfers mehr gezahlt werden, ist die Zahlungsfähigkeit | |
| Griechenlands akut bedroht.“ Ohne substanzielle Reformen in Griechenland | |
| sei eine nachhaltige Lösung nicht möglich. | |
| 18 May 2015 | |
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