| # taz.de -- Kommentar Vorratsdatenspeicherung: Die Polizei braucht sie nicht | |
| > Die meisten Menschen sind heute gläserner als früher. Wer hier zusätzlich | |
| > polizeiliche Vorratsdatenspeicherungen fordert, hat den Blick fürs Ganze | |
| > verloren. | |
| Ausgerechnet eine BKA-Untersuchung zeigt nun, dass die Vorratsspeicherung | |
| von Telefondaten völlig überflüssig ist. Nur zwei Prozent aller | |
| unerfüllbaren BKA-Anfragen betrafen Verbindungsdaten von Mobil- und | |
| Festnetztelefonen. Die Polizei ist vor allem an der Zuordnung von | |
| IP-Adressen zu realen Menschen interessiert. Und nur dort gibt es ohne | |
| Vorratsdatenspeicherung größere Lücken. Ein deutlicher Befund. | |
| Derzeit wird auf EU-Ebene über eine Änderung der EU-Richtlinie zur | |
| Vorratsdatenspeicherung verhandelt. Dabei geht es auch um die polizeiliche | |
| Notwendigkeit dieses extrem breit angelegten Grundrechtseingriffs. Nach der | |
| BKA-Studie lässt sich eine sechsmonatige Zwangsspeicherung aller | |
| Telefonverbindungsdaten selbst aus polizeilicher Sicht nicht mehr | |
| rechtfertigen. | |
| Doch der BKA-Befund ist nur ein Splitter in einer größeren Entwicklung. | |
| Nicht nur im Telefongeschäft sind so viele Daten vorhanden, dass sich eine | |
| Vorratsspeicherung erübrigt. Auch sonst produzieren wir heute im Alltag | |
| ungleich mehr Daten als vor zehn, zwanzig Jahren. Beim Einkaufen, beim | |
| Entertainment, bei der Kommunikation - ständig ist Datenverarbeitung im | |
| Spiel und oft werden die Daten für irgendwelche Zwecke weiter gespeichert | |
| und stehen damit auch der Polizei im Verdachtsfall für Ermittlungen zur | |
| Verfügung. | |
| Die meisten Menschen sind heute also gläserner als früher - und die | |
| Ermittlungsbedingungen für die Polizei damit besser als je zuvor. Dass es | |
| noch Räume gibt, in denen man sich unerkannt bewegen kann, etwa im | |
| Internet, ist da kein Grund zum Alarmismus, sondern ein notwendiger | |
| Ausgleich. Wer hier zusätzlich polizeiliche Vorratsdatenspeicherungen | |
| fordert, hat den Blick fürs Ganze verloren. | |
| 5 Feb 2012 | |
| ## AUTOREN | |
| Christian Rath | |
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