| # taz.de -- Kleiner SPD-Parteitag: Das Ende der Binnenpolitik | |
| > Der SPD-Konvent soll die Partei hinter ihrem designierten | |
| > Kanzlerkandidaten einen. Mit dem Rentenkompromiss wurde ein Streitgrund | |
| > bereits beseitigt. | |
| Bild: Wir müssen reden, SPD | |
| BERLIN taz | Auch Genossinnen und Genossen wollen sich mal ohne die übliche | |
| Medienaufmerksamkeit austauschen. Zum zweiten Mal veranstaltet die SPD an | |
| diesem Samstag in Berlin ihren so genannten Parteikonvent, eine Art kleinen | |
| Parteitag ohne öffentliche Beteiligung. Zu dem Treffen werden 200 | |
| Delegierte und 35 Mitglieder des Parteivorstands im Willy-Brandt-Haus | |
| erwartet. | |
| Heftiger inhaltlicher Streit, der vor der Öffentlichkeit verborgen werden | |
| müsste, ist jedoch kaum zu erwarten. Nachdem vor zwei Wochen der | |
| innerparteiliche Zoff um das Rentenkonzept beigelegt wurde, ist der größte | |
| Konflikt schon vorab beigelegt. | |
| Der Parteivorstand hatte sich fast geschlossen für einen Kompromiss der | |
| mächtigen NRW-SPD ausgesprochen. Einzig die Vorsitzende der SPD-Frauen, | |
| Elke Ferner, hatte sich enthalten – ihr kommen die Frauen beim | |
| abschlagsfreien Zugang zur Rente nach 45 Versicherungsjahren zu kurz. | |
| Vizefraktionschef Hubertus Heil wiederum gehen die Vorschläge zu weit, auch | |
| er hatte sich enthalten. | |
| Das SPD-Konzept sieht einen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro vor | |
| sowie „gleichen Lohn für gleiche Arbeit“ – sowohl zwischen Leih- und | |
| Zeitarbeitnehmern und fest Angestellten, als auch zwischen Männern und | |
| Frauen. Es soll eine monatliche Mindestrente von 850 Euro für langjährig | |
| Versicherte geben sowie Verbesserungen für den Übergang aus dem | |
| Berufsleben. Außerdem will die SPD laut Parteichef Sigmar Gabriel dafür | |
| sorgen, dass auch künftig das Rentenniveau bei „etwa 50 Prozent“ gehalten | |
| werden kann. Selbst die SPD-Linke zeigt sich äußerst zufrieden mit dem | |
| gefundenen Kompromiss. | |
| Das Antragsbuch umfasst 53 Anträge. Neben dem Rentenantrag unter dem Titel | |
| „Arbeit muss sich lohnen!“ wird es um das Thema Wissenschaftspolitik gehen. | |
| Die SPD will sich im Bundestagswahlkampf der Spitzenforschung und dem Bafög | |
| widmen, aber auch das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern und den | |
| Bologna-Prozess hinterfragen. | |
| ## Jusos wollen über Asylfragen reden | |
| Die Jusos wollen mit Hilfe eines Initiativantrags erreichen, dass sich der | |
| Konvent aktiv mit dem Thema Asylpolitik befasst. Die Antragskommission | |
| hatte einen entsprechenden Antrag aus Schleswig-Holstein an die Partei- und | |
| Frakrionsgremien verwiesen. | |
| Neben der Abschaffung des Asylbewerberleistungsgesetzes zugunsten eines | |
| „soziokulturellen Existenzminimums“ fordern die Jusos das Ende der | |
| Residenzpflicht und die Abschaffung des sogenannten Flughafenverfahrens, | |
| bei dem binnen zwei Tagen über Asylanträge entschieden wird. Außerdem | |
| wollen sie die Anerkennung von sexueller Orientierung oder | |
| Geschlechtsidentität als Asylgrund sowie einen „sofortigen | |
| Winterabschiebestopp in allen Bundesländern“ erreichen. | |
| Und natürlich wird es beim Konvent auch um die Binnenpolitik gehen. Zwei | |
| Wochen vor dem „Krönungsparteitag“ für den designierten | |
| SPD-Kanzlerkandidaten in Hannover wird sich Peer Steinbrück wohl einiges an | |
| Kritik gefallen lassen müssen. Statt sich im Ringen mit der Union | |
| inhaltlich positionieren zu können, werden die Sozialdemokraten mit immer | |
| neuen Fehltritten des Kandidaten konfrontiert. Statt Angriff gilt bislang | |
| nur: Verteidigung! Dem selbstgerechten Steinbrück fehlt es am Gespür für | |
| die Nöte potentieller SPD-Wähler. | |
| Zwar ist der Kandidat dieser Tage unterwegs, um Parteiorganisationen wie | |
| die Jusos oder die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen | |
| einzuhegen. Gleichwohl kann von erlangter Glaubwürdigkeit noch keine Rede | |
| sein. Beim Konvent bekommt er nun Gelegenheit, sich als Genosse unter | |
| Genossen zu präsentieren sowie die inhaltlichen Felder seines Wahlkampfes | |
| abzustecken. | |
| 24 Nov 2012 | |
| ## AUTOREN | |
| Anja Maier | |
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