| # taz.de -- Staatshaushalt in Frankreich: Leider wieder nackt | |
| > Einen Etat für 2026 gibt es in Frankreich noch nicht. Das war Ende 2024 | |
| > ebenfalls der Fall. Premier Sébastien Lecornu sucht händeringend nach | |
| > einem Kompromiss. | |
| Bild: Mit dem Staatshaushalt im Parlament gescheitert: der französische Premie… | |
| Ist es eine Katastrophe, dass Frankreich zum Jahresende keinen vom | |
| Parlament gebilligten und verabschiedeten Staatshaushalt für 2026 hat? So | |
| jedenfalls stellt die Regierung die Situation dar, weil die beiden Kammern | |
| der Volksvertretung, der Senat und die Nationalversammlung, ihrer Vorlage | |
| für die Jahresrechnung nicht ohne wesentliche und vor allem | |
| widersprüchliche Änderungen zustimmen wollten. | |
| Am Ende der mehrwöchigen Debatte konnte sich am Freitag die gemeinsame | |
| Kommission, in der sieben Senatoren und sieben Abgeordnete sitzen, allein | |
| schon aus Zeitgründen so knapp vor Toresschluss nicht auf eine gemeinsame | |
| Version einigen. Das stellt eine geteilte Niederlage für das Parlament und | |
| für die Regierung dar. | |
| Beruhigend mag es sein, dass Frankreich auch das Jahr 2024 ohne | |
| verabschiedeten Staatshaushalt für 2025 beendet und danach zu Beginn des | |
| neuen Jahres einen Kompromiss für die Einnahmen und Ausgaben gefunden | |
| hatte. Wahrscheinlich also haben die Pessimisten, die vor einem Bankrott | |
| der Republik oder einem Weltuntergang warnen, ein weitere Mal Unrecht. | |
| [1][Premierminister Sébastien Lecornu] gibt sich jedenfalls noch nicht | |
| geschlagen. Am Montag will er erneut mit den Vertretern der Parteien | |
| diskutieren. | |
| Lecornu hat in den vergangenen Wochen alle Hebel in Bewegung gesetzt, um | |
| mit den diversen Fraktionen der Opposition von links und rechts ins | |
| Gespräch über Zugeständnisse und Kompromisse zu kommen. Aber auch murrende | |
| Abgeordneten seines eigenen Lagers musste er mehrfach mit Entgegenkommen | |
| versöhnlich stimmen. | |
| ## Ran an die Milliardäre | |
| Das Angebot von Konzessionen wiederum hat dazu geführt, dass sich die | |
| Konservativen (Les Républicains) nicht mehr für eine allzu aufgeweichte | |
| Regierungsvorlage einsetzen wollten. Ihnen ging jede zusätzliche | |
| Steuerbelastung der Reichen und Unternehmen zu weit. Den linken Fraktionen | |
| dagegen meinen, die Regierung hole das für den Schuldenabbau notwendige | |
| Geld nicht dort, wo es haufenweise vorhanden sei: bei Frankreichs | |
| Milliardären. | |
| Für die Übergangszeit und bis zur Annahme eines regulären Staatshaushalts | |
| muss die Regierung jetzt ein Sondergesetz (Loi spéciale) verabschieden. | |
| Dieses Gesetz macht es ihr grundsätzlich möglich, ab dem 1. Januar 2026 | |
| auch ohne Staatshaushalt weiterhin Steuern ein- und neue Kredite | |
| aufzunehmen, um so die Staatsgeschäfte am Laufen zu halten. | |
| Die Krise ist damit nicht beendet, die Suche nach einer Lösung wird | |
| lediglich verschoben. [2][Lecornu hat keine Mehrheit hinter sich]. Dennoch | |
| hofft er, durch seine Dramatisierung der Lage in der Öffentlichkeit die | |
| zerstrittenen Fraktionen „im Interesse des Allgemeinwohls“ doch noch | |
| konziliant zu stimmen. | |
| 19 Dec 2025 | |
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| [1] /Regierungskrise-in-Frankreich/!6116865 | |
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| ## AUTOREN | |
| Rudolf Balmer | |
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