| # taz.de -- Wahlprüfung ist abgeschlossen: Keine Chance für BSW-Wahleinspruch | |
| > Das BSW wollte eine Neuauszählung der Bundestagswahl. Der zuständige | |
| > Bundestags-Ausschuss sieht jedoch keine Wahlfehler. | |
| Bild: Vergeblich: Übergabe des Wahleinspruchs durch die Co-Parteivorsitzende A… | |
| Der Wahlprüfungsausschuss des Bundestags wird nächste Woche voraussichtlich | |
| die Einsprüche des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) gegen das Ergebnis der | |
| Bundestagswahl ablehnen. Das geht aus dem 46-seitigen Entwurf für die | |
| Beschlussempfehlung hervor, den table.media jetzt veröffentlichte. Das BSW | |
| habe keinen Anspruch auf eine Neuauszählung der Bundestagswahl. | |
| Bei der Bundestagswahl im Februar 2025 erzielte das BSW 4,981 Prozent der | |
| Stimmen und scheiterte denkbar knapp an der 5-Prozent-Hürde. Letztlich | |
| fehlten nur 9529 Stimmen für den Einzug in den Bundestag. Ein | |
| folgenschweres Scheitern: Nur weil das BSW nicht in den Bundestag einzog, | |
| haben CDU/CSU und SPD gemeinsam eine Mehrheit. | |
| Seitdem [1][fordert das BSW eine Neuauszählung der Stimmen] und erhebt | |
| Einspruch gegen die Feststellung des Wahlergebnisses. Die Partei hat die | |
| Erwartung, bei einer Neuauszählung doch über die Fünf-Prozent-Hürde zu | |
| kommen. Zum einen gebe es bei Wahlen immer Zählfehler, es sei aber auch | |
| plausibel, dass es besonders viele Zählfehler zulasten des BSW gab. So | |
| hätten Wahlhelfer teilweise BSW-Stimmen der rechten Kleinpartei „Bündnis | |
| Deutschland“ zugeordnet, die auf dem Stimmzettel direkt darüber stand. | |
| Der Wahlprüfungsausschuss will den Einspruch nun aber ablehnen. Die | |
| Abgeordneten erinnern daran, dass ein knappes Wahlergebnis allein noch | |
| keinen Anspruch auf eine Nachzählung gibt. Erforderlich seien vielmehr | |
| konkrete Hinweise auf mandatsrelevante Wahlfehler. Solche substanziellen | |
| Hinweise seien dem BSW nicht gelungen, heißt es im geleakten | |
| Beschluss-Entwurf. | |
| ## Kein konkreter Hinweis auf weitere Fehler | |
| Laut Ausschuss genüge der Hinweis auf bereits korrigierte Wahlfehler nicht. | |
| Zwar zeigte sich in den Tagen nach der Wahl, dass es tatsächlich viele | |
| Zähl- und Übertragungsfehler zulasten des BSW gab, die aber vor Ort gleich | |
| korrigiert wurden, weshalb die Zahl der fehlenden BSW-Stimmen von | |
| ursprünglich über 13.000 auf rund 9.500 sank. Daraus könne aber nicht | |
| zwingend geschlossen, werden, so der Ausschuss, dass es im (korrigierten) | |
| amtlichen Endergebnis ähnliche noch unentdeckte Fehler gebe. | |
| So war in einem Wahlkreis in Chemnitz festgestellt worden, dass ein | |
| Wahlhelfer Stimmzettel-Stapel vertauscht hatte. Das BSW schrieb, es sei | |
| „völlig lebensfremd und extrem unwahrscheinlich“, dass dieser Fehler nur in | |
| Chemnitz passiert sei. Doch der Ausschuss hielt dagegen, das BSW habe | |
| bisher keinen zweiten Fall vorlegen können. Vermutungen „ins Blaue hinein“ | |
| genügten nicht. | |
| Viele vermeintliche Wahlfehler konnten aber auch als Missverständnisse | |
| aufgeklärt werden. So hatten sich in verschiedenen Stimmbezirken BSW-Wähler | |
| beschwert, dass ihre Stimmen offensichtlich nicht gezählt worden waren, | |
| weil für die Partei in diesem Stimmbezirk null Stimmen vermerkt waren. | |
| Allerdings stellte sich dann oft heraus, dass diese BSW-Anhänger per | |
| Briefwahl gewählt hatten und deshalb separat gezählt wurden. | |
| Über den BSW-Einspruch will der Wahlprüfungsausschuss des Bundestags | |
| offiziell nächste Woche am Dienstag entscheiden. Die Empfehlung des | |
| Ausschusses muss dann noch im Plenum des Bundestags bestätigt werden. | |
| Anschließend will das BSW sofort Wahlprüfungsbeschwerde beim | |
| Bundesverfassungsgericht einlegen. Bis zu einer Karlsruher Entscheidung | |
| werden dann weitere Monate vergehen. | |
| Das BSW hat aber auch wenig Anlass für Optimismus, dass das | |
| Bundesverfassungsgericht zu seinen Gunsten intervenieren wird. Schon direkt | |
| nach der Bundestagswahl hatte die Partei einen Eilantrag auf Neuauszählung | |
| der Stimmen gestellt, der aber mit einem Verweis auf das (im Grundgesetz | |
| geregelte) übliche Verfahren abgelehnt wurde: Erst muss der Bundestag das | |
| Wahlergebnis prüfen, dann erst ist das Verfassungsgericht am Zug. | |
| Im Mai lehnte Karlsruhe zwei weitere Klagen des BSW als unzulässig ab. | |
| Unter anderem hatte die Partei ihre Rechte verletzt gesehen, weil es keinen | |
| gesetzlichen Anspruch auf Neuauszählung bei besonders knappen | |
| Wahlergebnissen gibt. Die Richter:innen machten die Partei darauf | |
| aufmerksam, dass der Gesetzgeber im Wahlrecht einen großen | |
| Gestaltungsspielraum hat. | |
| Auch sonst gibt es bisher keinerlei Hinweise, dass das | |
| Bundesverfassungsgericht eine Neuauszählung der Bundestagswahl anordnen | |
| könnte. An dieser Front muss sich die Bundesregierung wohl wenig Sorgen | |
| machen. | |
| 28 Nov 2025 | |
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| ## AUTOREN | |
| Christian Rath | |
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