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# taz.de -- Partykultur: Die Verworkshoppung des Feierns
> Neuerdings werden vor Partys mitunter Exceltabellen mit dem minutiös
> geplanten Programm herumgeschickt. Pünktlich sein ist Pflicht.
Bild: Textile Verrenkungen bei der Waschmaschinen-party
Auf das Risiko hin, wie ein alter Mensch mit problematischem
Konsumverhalten zu klingen – Feiern sah zu meinen Studienzeiten ungefähr
wie folgt aus: Gegen 23 Uhr bei irgendwem treffen, wo dann (ja, so hieß das
leider) vorgeglüht wurde. Stunden später [1][Aufbruch zum Club], wo wir
weiterglühten. Meist gab es irgendwas mit Aperol oder Red Bull, aber
Hauptsache, es war viel.
Wenn das Geld gerade mal wieder extraknapp war, klauten wir anderen Gästen
die leergetrunkenen Gläser und reinvestierten das Pfandgeld in neue
Getränke. Oder am Montag in ein neues Sony-Ericsson-Handy, weil das alte
schon wieder verloren gegangen war, vielleicht hatte es aber auch irgendwer
geklaut, was weiß ich.
Am Sonntag erschien ich meistens noch betrunken zu meiner
Nachmittagsschicht in einem italienischen Restaurant. Jedes Wochenende war
lustiger, chaotischer Stumpfsinn.
## Kostümparty mit Sexy-Vampir-Motto
Nahezu zwanzig Jahre später [2][gestaltet sich Ausgehen oft so] wie am
vergangenen Wochenende: Eine Bekannte feiert ihren Geburtstag bei sich zu
Hause. Mit einer, Achtung: Kostümparty mit Sexy-Vampir-Motto. Oha. Die
Wohnung hat palastartige Dimensionen und eine Sauna. Beginn ist um 11 Uhr
am Samstagvormittag, terminiertes Ende zwölf Stunden später. Eintritt gibt
es gegen eine Spende an einen Fledermaus-Verein. Geht es noch süßer?
Eine Person bittet darum, dass das von ihr gespendete Geld nur für
FLINTAmäuse verwendet wird. In der Whatsapp-Gruppe zur Feier wird eine
Exceltabelle (!) mit dem Partyprogramm (!!) herumgeschickt.
Darin steht, wann welche Band spielt, wann in der Sauna der
Knoblauch-Aufguss stattfindet und wo welcher Workshop („Breathwork“,
„Beißen und Consent“) gegeben wird. Weil, richtig: Nicht nur haben Partys
mittlerweile einen Ablaufplan, der Trend geht zur Verworkshoppung.
## Kalkige Foundation und blutroter Lippenstift
Wir treffen uns also kurz nach dem Frühstück/Fitti bei S., der im
Drogeriemarkt sehr gewissenhaft kalkige Foundation und blutroten
Lippenstift eingekauft hat, und schminken uns untot, kleben Vampirzähne an
und setzen weiße Zombie-Kontaktlinsen ein.
Aufbruch nach Kreuzberg. Viele der anderen Gäste haben [3][das
Vampir-Thema] eher großzügig ausgelegt. Da läuft ein Papst rum und ein
Priester, eine Frau trägt eine schwarze Ledermaske mit Hundeohren, eine
andere hat sich aus Knoblauchzehen und durchsichtigem Klebeband einen
Haarkranz gebastelt und bekommt von mir in Gedanken den Preis für die beste
Kostümidee.
S. bestellt sich einen Wodka, N. und ich halten uns an Wasser. Die Sexyness
der Veranstaltung will sich noch nicht so richtig einstellen, das Heißeste
weit und breit ist die Sauna. N. friert, also setzen wir uns in die Kabine,
mit Kleidern und allem. Weil meine beiden Begleiter*innen auf jeder
Party grundsätzlich nur zwei Stunden bleiben, stehlen wir uns bald davon
und sind zum Mittagessen wieder zu Hause.
## Waschmaschinenparty ohne Nacheinlass
Am Abend veranstaltet R. in seinem Atelier eine seiner
Waschmaschinenpartys. Die Gäste sind gehalten, zwischen 20 und 21 Uhr
aufzutauchen, Nacheinlass ist nicht (minutiöse Planung!). Zu Beginn gibt es
einen Workshop (see?), damit sich alle ein bisschen locker machen und
kennenlernen.
Die Aufgaben lauten etwa so: Mach der Person neben dir nur mit deinen Augen
Komplimente, denk dir einen neuen Namen für sie aus, umarme die Person vor
dir und brumme leise. Dann wird das Licht auf ein Minimum gedimmt, und der
namensgebende Abschnitt der Waschmaschinenparty beginnt. Details kann ich
hier nicht nennen, aber alles mündet in einer Verkleidungsparty mit den
Klamotten der anderen Gäste.
Es ist das lustigste Spiel, das ich kenne und würde sich gut dazu eignen,
einer Firmenfeier oder dem Heiligabend mit der eigenen Familie eine
interessante neue Dynamik zu verleihen. Details teile ich gern auf Anfrage
mit.
19 Nov 2025
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## AUTOREN
Anne Waak
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