| # taz.de -- Prozess um Anwaltshonorar in Hannover: „Ein unzumutbares Verhält… | |
| > Eine Mandantin wirft ihrem Anwalt vor, sie sexuell belästigt zu haben. | |
| > Der hingegen erwartet ein Honorar für seine Arbeit und klagt. | |
| Bild: „Heißes Bild! Dein Freund hat Glück“: Kompliment per Whatsapp oder … | |
| Translator | |
| Hannover taz | Ihr Anwalt habe ihr wiederholt geschrieben, sie viel | |
| häufiger angerufen, als es notwendig gewesen wäre, und wenn sie nicht | |
| reagierte, kamen noch E-Mails dazu. Die Avancen ihres Anwalts Mustafa A. | |
| habe Jeanne D. als so unangenehm empfunden, dass sie das Mandatsverhältnis | |
| fristlos beendete. Er stellte trotzdem eine Rechnung für seine anwaltlichen | |
| Leistungen. Sie weigerte sich, die 1.052,18 Euro zu zahlen, mit der | |
| Begründung: Er habe sie unter anderem über Whatsapp belästigt. | |
| Etwa ein Jahr später treffen die beiden vor dem Amtsgericht Hannover wieder | |
| aufeinander. Mustafa A., der sich selbst vertritt, besteht auf seinem | |
| Honorar. Das eine habe mit dem anderen nämlich nichts zu tun, skizziert die | |
| Vorsitzende Richterin den Standpunkt des Klägers. Er hatte sie wegen eines | |
| Verkehrsunfalls vertreten, konkret kam es zu einem | |
| Ordnungswidrigkeitsverfahren und einem Zivilverfahren. | |
| Der taz berichtet Jeanne D. nach der Verhandlung, dass ihr Anwalt Fotos von | |
| ihr kommentiert und Termine angesetzt habe, „obwohl es nicht wirklich was | |
| zu besprechen gab“. Die 35-Jährige wirkt betroffen, sie spricht leise, | |
| erzählt, dass der Anwalt gewusst habe, dass sie sich unwohl fühle. Sie habe | |
| sich bemüht, ruhig und freundlich zu bleiben. Das Gefühl der Hilflosigkeit | |
| und gleichzeitig das Wissen darum, ihn als Anwalt zu brauchen, hätten sie | |
| belastet. Irgendwann habe es gereicht, sagt sie. „Enough is enough – ich | |
| will nichts mit ihm zu tun haben.“ | |
| Gerichtlich sollte am Dienstag vor dem Amtsgericht geklärt werden, ob die | |
| fristlose Kündigung der Mandantin rechtmäßig war. Hier ließ die Richterin | |
| keinen Zweifel: Das Verhältnis sei unzumutbar gewesen. Aus Sicht von | |
| Mustafa A. sei man sich während des Mandats bloß „freundschaftlich | |
| nähergekommen“. So paraphrasiert die Richterin die Sichtweise des Anwalts. | |
| Sie kommt auf einen ihr vorliegenden Screenshot eines Chats zu sprechen: | |
| Auf ein Foto seiner Mandantin habe Mustafa A. mit den Worten „heißes Bild“, | |
| zwei Flammen und einem lächelnden Emoji reagiert. Jeanne D. habe sich | |
| bedankt, der Anwalt soll nachgelegt haben mit den Worten „Dein Freund hat | |
| Glück“. Äußerungen, die laut der Richterin ausdrücklich „nichts in einem | |
| anwaltlichen Verhältnis zu suchen haben und selbst freundschaftlich | |
| schwierig“ seien. Mustafa A. lässt sich auf die Bewertungen seines | |
| Verhaltens nicht ein. Als habe er nicht hingehört, erklärt er, auf dem | |
| Honorar zu bestehen. | |
| „Ich habe jeden Tag Angst, ihm zu begegnen“, sagt Jeanne D. zur taz. Er | |
| habe ihr mit den Worten „Du wirst die Konsequenzen sehen“ gedroht, falls | |
| sie die [1][Whatsapp]-Nachrichten, die er ihr geschrieben hat, jemandem | |
| zeige. | |
| Das Verfahren sollte nun klären, inwiefern die erbrachte juristische | |
| Leistung überhaupt noch einen Wert hat. Da Jeanne D. einen neuen Anwalt | |
| beauftragt hat, der sich, wie die Richterin sagt, „richtig der Sache | |
| angenommen“ habe, könnten die Zahlungsansprüche aus dem vorherigen | |
| Mandatsverhältnis verfallen. Tatsächlich habe der neue Anwalt das | |
| Ordnungswidrigkeitsverfahren übernommen. Dass das auch für das | |
| Zivilverfahren gelte, habe die Beklagte versäumt, anzugeben. Daher müsse | |
| Jeanne D. ihren vorherigen Anwalt Mustafa A. dafür bezahlen. | |
| Ihr neuer Anwalt habe sich eines „anwaltlichen Tricks“ bedient, wie Simon | |
| Künnen, Richter am Amtsgericht und Ansprechperson für den Fall, im | |
| Anschluss des Prozesses erklärt. Es seien keine Anträge vorgetragen und ein | |
| „Versäumnisurteil“ in Kauf genommen worden. Die Beklagte habe zwei Wochen | |
| Zeit, Einspruch [2][]einzulegen. | |
| Auf Anfrage heißt es, dass das geplant sei. In einem zweiten Verfahren | |
| wolle die Verteidigung darlegen, dass beide Bestandteile des Falls von | |
| einem neuen Anwalt übernommen wurden – wodurch die Leistung von Mustafa A. | |
| vollständig wertlos werden könnte. Eine Beschwerde wegen [3][Belästigung] | |
| und Drohung habe der neue Anwalt von Jeanne D. außerdem eingelegt. | |
| 15 Oct 2025 | |
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| ## AUTOREN | |
| Katja Spigiel | |
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