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# taz.de -- Krieg in Gaza: Israel tötet Al-Jazeera-Korrespondenten in Gaza
> Ein israelischer Luftangriff hat fünf Journalisten in Gaza getötet. Unter
> ihnen ist der bekannte palästinensische Journalist Anas al-Scharif.
Bild: Ein Screenshot aus einem Video von Al Jazeera zeigt Anas al-Sharif
Jerusalem taz | Der weithin bekannte palästinensische Al-Jazeera-Journalist
Anas al-Scharif ist zusammen mit vier Kollegen bei einem Luftangriff in
Gaza-Stadt getötet worden. Insgesamt kamen bei dem Angriff auf ein
Pressezelt neben dem Al-Schifa-Krankenhaus am späten Sonntagabend sieben
Menschen ums Leben, berichtet Al Jazeera. Al-Scharif galt zuletzt als das
bekannteste Gesicht des katarischen Senders im Gazastreifen.
Journalistenorganisationen und die Vereinten Nationen hatten im Juli
gewarnt, Israel bereite mit einer [1][Rufmord-Kampagne] dessen Ermordung
vor.
Der 28-jährige Reporter veröffentlichte noch Minuten vor seinem Tod beim
Kurznachrichtendienst X ein Video und berichtete von schweren
Bombardierungen in Gaza-Stadt. Mit Bezug auf die israelischen Pläne, den
gesamten Norden des Küstenstreifens einzunehmen, schrieb er: „Wenn dieser
Wahnsinn nicht aufhört, werden von Gaza nur Ruinen bleiben, seine Stimmen
zum Schweigen gebracht, seine Gesichter ausgelöscht – und die Geschichte
wird euch erinnern als stille Zeugen eines Genozids, den ihr nicht
aufhalten wolltet.“
Die israelische Armee bestätigte den Angriff. Sie veröffentlichte
Ausschnitte aus nicht überprüfbaren Dokumenten, die belegen sollen, dass
al-Scharif „Kopf einer Hamas-Zelle“ und für Raketenangriffe auf Israel
verantwortlich gewesen sei. Ähnliche Anschuldigungen hatte Armeesprecher
Avichai Adraee bereits in den Wochen zuvor gemacht. Am 20. Juli warf er
al-Scharif vor, eine „Hamas-Kampagne“ mit Falschbehauptungen über
Hungerleiden zu betreiben, weil der Reporter während einer Live-Schalte zur
[2][humanitären Lage in Tränen ausgebrochen war.]
## CPJ warnt vor unbegründeten Behauptungen
Das [3][internationale Komitee zum Schutz von Journalisten] (CPJ) und die
UN-Sonderberichterstatterin für Meinungsfreiheit, Irene Khan, hatten die
Anschuldigungen im Juli als „gegenstandslos“ bezeichnet und vor einer
Schmutzkampagne und einer Bedrohung des Lebens von al-Scharif gewarnt. Es
gebe zunehmend Hinweise, dass Journalisten „in Gaza von der israelischen
Armee auf der Grundlage unbegründeter Behauptungen, sie seien
Hamas-Terroristen, gezielt angegriffen und getötet wurden“, schrieb Khan.
Getötet wurde bei dem Luftangriff laut Al Jazeera auch deren Korrespondent
Mohammed Kreikeh sowie die Kameraleute Ibrahim Saher, Mohammed Nufal und
Moamen Aliwa. Dem Leiter des Al-Schifa-Krankenhauses zufolge starb auch der
freie Journalist Mohammed al-Chaldi.
Seit dem 7. Oktober wurden im Gazastreifen laut CPJ 186 Journalisten
getötet. Das von der Hamas kontrollierte Medienbüro in Gaza zählt 237
getötete Mitarbeiter von Medien. Der Sender Al Jazeera, den Israel auf
seinem Staatsgebiet und im besetzten Westjordanland verboten hat, hatte
seit Kriegsbeginn bei israelischen Angriffen mindestens sechs Mitarbeiter,
acht freie Mitarbeiter sowie zahlreiche ihrer Familienmitglieder verloren,
darunter Hamsa al-Dahdouh, Ismail al-Ghoul, Rami al-Refee und Hossam
Schabat.
CPJ-Regionaldirektorin Sara Qudah zeigte sich „entsetzt“ über den Angriff
auf al-Scharif und sagte: „Die Praxis, Journalisten ohne glaubwürdige
Beweise als Militante zu bezeichnen, wirft ernsthafte Fragen hinsichtlich
seiner Absichten und seiner Achtung der Pressefreiheit auf.“
## Israel verweigert internationalen Reportern Zugang
Kritik kam auch seitens der Bundesregierung. „Die Tötung von Journalisten
verurteilen wir“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts. Zudem sei „die
Frage zu beantworten, warum dabei fünf Kollegen getötet wurden“, wenn der
Angriff al-Scharif gegolten habe. Israel müsse darlegen, weshalb der
Verlust des Schutzstatus des Journalisten „überhaupt zu rechtfertigen“ sei.
Al-Scharif, der im Flüchtlingslager Dschabalia im Norden des Gazastreifens
geboren wurde, hatte CPJ im Juli in einem Interview gesagt, er lebe mit dem
Gefühl, „dass ich jeden Augenblick bombardiert und getötet werden könnte�…
Am Montag versammelten sich im Hof des von Bomben zerstörten
Al-Schifa-Krankenhauses Hunderte Menschen, um al-Scharif und seine Kollegen
zu beerdigen und Abschied von ihnen zu nehmen.
Er hinterlässt eine Frau und zwei kleine Kinder. Sein 90-jähriger Vater war
bereits im Dezember 2023 bei einem israelischen Luftangriff auf Gaza-Stadt
getötet worden. Al-Scharif soll laut CPJ zuvor mehrfach von der
israelischen Armee aufgefordert worden sein, seine Berichterstattung
einzustellen. Israel verweigert internationalen Reportern seit 22 Monaten
den unabhängigen Zugang nach Gaza. Anders als viele andere Sender verfügt
Al Jazeera über ein großes Netz von lokalen Reportern vor Ort.
Bewohner von Gaza-Stadt berichteten am Montag laut der Nachrichtenagentur
Reuters von schweren Bombardements im Osten der Stadt. Panzer und Flugzeuge
beschossen demnach unter anderem die Viertel Sabra und Seitun. Viele
fürchten den Beginn der jüngst von Israels Regierungschef Benjamin
Netanjahu angekündigten Eroberung von Gaza-Stadt, wo sich derzeit rund eine
Million Menschen aufhalten. Bisher gibt es jedoch keine Anzeichen für den
Beginn einer Bodenoffensive.
11 Aug 2025
## LINKS
[1] https://cpj.org/2025/07/cpj-calls-for-anas-al-sharifs-protection-in-face-of…
[2] /Journalisten-hungern-in-Gaza/!6098859
[3] https://cpj.org/2025/07/cpj-calls-for-anas-al-sharifs-protection-in-face-of…
## AUTOREN
Felix Wellisch
## TAGS
Israel
Schwerpunkt Pressefreiheit
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