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# taz.de -- Alte Gasleitung repariert: Syrien steht wieder unter Strom
> Eine Gaspipeline zwischen Türkei und Syrien geht wieder in Betrieb. Das
> soll den SyrerInnen helfen – aber auch Türkeis Präsident könnte
> profitieren.
Bild: Wieder aufgedreht: Leitung an einer Gasübertragungsstation nahe der tür…
Istanbul taz | Kilis ist eine türkische Kleinstadt an der syrischen Grenze,
die in den letzten Jahren dadurch bekannt wurde, dass die Anzahl der
syrischen Flüchtlinge die der türkischen BewohnerInnen weit überstieg. An
diesem Wochenende kam Kilis mit einer Nachricht in die Schlagzeilen, die
dazu führen könnte, dass die autochthone Bevölkerung bald wieder unter sich
ist.
Der türkische Energieminister Alparslan Bayraktar eröffnete im Beisein des
syrischen Energieministers Mohammed al-Baschir, dem aserbaidschanischen
Wirtschaftsminister und dem Chef des katarischen Entwicklungsfonds eine im
Krieg zerstörte und nun wiederhergestellte Gaspipeline von der Türkei nach
Aleppo.
Durch diese Gaspipeline soll nun Gas aus Aserbaidschan über die Türkei nach
Aleppo fließen, um dort reparierte Kraftwerke in Betrieb nehmen zu können.
Die sollen insgesamt 1.200 Megawatt Strom erzeugen. Finanziert wird das
gesamte Projekt von Katar.
Laufen die Kraftwerke wieder, könnten damit rund 5 Millionen Haushalte plus
kleinerer Industriebetriebe versorgt und damit die zweitgrößte Stadt
Syriens wieder zum Leben erweckt werden. Außerdem soll Gas weiter nach Homs
geleitet werden, um auch dort ein Kraftwerk wieder in Betrieb nehmen zu
können.
## Syrische Infrastruktur im Krieg zerstört
Die 1.200 Megawatt aus den reparierten Kraftwerken in Aleppo und Homs
würden die derzeitig in Syrien erzeugte Strommenge fast verdoppeln. „Wir
können zurzeit nur 1.700 Megawatt garantieren“, sagte al-Baschir kürzlich
der Nachrichtenagentur AP, „das sind noch nicht einmal 20 Prozent der
Strommenge, die Syrien benötigt“. Die durch den Krieg zerstörte
Energieinfrastruktur des Landes ist eines der größten Probleme Syriens beim
Wiederaufbau.
2010, vor [1][Beginn des Bürgerkrieges], erzeugte Syrien hauptsächlich aus
Öl und Gas rund 9.000 Megawatt Strom. Die im Krieg zerstörte Infrastruktur
konnte, auch bedingt durch die Sanktionen gegen das Assad-Regime, kaum
ersetzt werden. Es gab kein Geld und keine Ersatzteile.
Die Wende kommt jetzt mit der Aufhebung der Sanktionen. Im Juli verkündete
US-Präsident Trump während eines Besuchs in Saudi-Arabien das Ende der
US-Sanktionen, kurz danach folgte die EU. Schon vorher hatten türkische
Ingenieure die Gaspipeline nach Aleppo repariert. Mit der Zeremonie in
Kilis am letzten Samstag wurde nun der Gashahn aufgedreht. Schon bald soll
eine weitere Pipeline von Urfa nach Aleppo fertiggestellt sein, die Gas für
weitere 400 Megawatt Stromerzeugung liefern soll.
Für die Türkei ist ganz besonders der Wiederaufbau von Aleppo von größter
Dringlichkeit. Mindestens 80 Prozent der fast vier Millionen syrischen
Flüchtlinge in der Türkei kommen aus dem Großraum Aleppo, knapp 100
Kilometer von der türkischen Grenze entfernt. Viele Geflüchtete haben in
den sechs Monaten seit dem Sturz des Assad-Regimes ihre Heimatstadt Aleppo
besucht, die meisten sind wieder zurückgekommen, andere pendeln nun. Doch
je mehr der Wiederaufbau Aleppos vorangeht, umso mehr SyrerInnen werden
nach Hause gehen. Passend dazu hat die staatliche Fluglinie Turkish
Airlines vor wenigen Tagen wieder Direktflüge nach Aleppo ins Programm
genommen.
## Erdoğan könnte Erfolg feiern
Geht die Anzahl syrischer Flüchtlinge in der Türkei in relevantem Umfang
zurück, wäre das ein großer Erfolg für die Regierung Erdoğan. Nicht zuletzt
deshalb ist die Türkei auch über die jetzt fertiggestellten Gasleitungen
hinaus stark im Wiederaufbau Syriens engagiert.
Unmittelbar [2][nach Aufhebung der Sanktionen] hat ein Konsortium von
Firmen aus der Türkei, den USA und Katar mit dem syrischen
Energieministerium einen Vertrag über ein Volumen von 7 Milliarden Dollar
zum Ausbau des syrischen Energiesystems unterschrieben, wie türkische
Zeitungen verkündeten. Mit dem Geld wollen die Firmen vier neue
Gaskraftwerke, die insgesamt 4.000 Megawatt liefern sollen, und einen
großen Solarpark bauen, der 1.000 Megawatt Strom erzeugen soll.
Außerdem sind türkische Firmen bei der Reparatur bestehender Kraftwerke,
Transformatoren und Stromleitungen dabei. Für die Reparaturen hat die
Weltbank erst einmal 124 Millionen Dollar bewilligt. Werden diese Pläne
tatsächlich realisiert, könnte Syrien in vier bis fünf Jahren wieder bis zu
10.000 Megawatt Strom produzieren.
Bis auf einzelne Solarpanels, die sich Privatleute selbst aufs Dach gesetzt
haben, gibt es in Syrien bislang keinen Strom aus Sonnenenergie, obwohl das
Land bis auf die drei Wintermonate mehr Sonne als genug hat. Windenergie
gibt es in Syrien bislang noch gar nicht. Nur die beiden Wasserkraftwerke
am Euphrat liefern etwas erneuerbare Energie.
Dabei wäre es sinnvoll, schon jetzt die Weichen für mehr erneuerbare
Energie zu stellen. Doch der Hauptsponsor für den Wiederaufbau ist nun
einmal Katar, und [3][Katar lebt vom Verkauf seiner ergiebigen Gasfelder].
Da die syrische Regierung hofft, in absehbarer Zeit auch die eigenen
Ölfelder, die jetzt noch von den Kurden kontrolliert werden, wieder nutzen
zu können, werden erneuerbare Energien wohl weiter ein Randphänomen
bleiben.
4 Aug 2025
## LINKS
[1] /Landwirtschaft-in-Syrien-/!6101527
[2] /USA-heben-Sanktionen-gegen-Damaskus-auf/!6094605
[3] /UN-Versammlung-in-New-York/!6099594
## AUTOREN
Jürgen Gottschlich
## TAGS
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