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# taz.de -- Podcast „Irma“: Das Kind aus Srebrenica
> Irma wird als Baby weggegeben, ihr Vater im Genozid von Srebrenica
> getötet. Ein „Zeit“-Podcast spricht mit Tätern und Überlebenden.
Bild: Fotografien vermisster Personen in der Srebenica Widow's Association, Okt…
Christine Schmitz ist im Juli 1995 in [1][Srebrenica] – als eine der
letzten Krankenschwestern vor Ort. Inmitten des Chaos drückt ihr ein Mann
ein kleines Baby in den Arm. Auf einen Zettel schreibt er den Namen des
Mädchens: Irma. Wenig später wird er von den Truppen der Armee der
Republika Srpska verschleppt und erschossen – als eines von über 8.000
Opfern des Völkermords an den Bosniaken in Srebrenica. Der Doku-Podcast
„Irma. Das Kind aus Srebrenica“ der Zeit widmet sich in fünf Folgen diesen
Ereignissen.
Im Mittelpunkt der ersten Folge steht Christine Schmitz. Für
deutschsprachige Hörer:innen ohne Bezug zur Region bietet ihr Blick
einen niedrigschwelligen Einstieg. Sie erzählt, wie sie als einfache
Krankenschwester den verantwortlichen [2][General Ratko Mladić] bittet,
ihre Patienten bei sich behalten zu dürfen – und wie dieser sie behandelt
wie eine lästige Schmeißfliege.
Die zweite Folge begleitet Irma Hasanović, die als erwachsene Frau nach der
Krankenschwester sucht, die sie einst in den Armen hielt. Per E-Mail nimmt
sie Kontakt auf und sucht Antworten auf die Frage, warum sie ohne ihren
Vater, Nusret Hasanović, aufwachsen musste.
Diese Frage wird im dritten Teil dem ehemaligen niederländischen
Blauhelmsoldaten Gerry Kremer gestellt, der nur danebenstand, als Irma von
ihrem Vater getrennt wurde. Es geht um Schuld: Wie konnte dieser Genozid
vor den Augen der Welt geschehen – und hätten die UN-Soldaten eingreifen
müssen?
Folge vier dreht sich um die systematischen Erschießungen und das
Vergraben der Leichen in sekundären Massengräbern, die das Ausmaß des
Genozids vertuschen sollten. Wir hören den Kronzeugen Dražen Erdemović,
selbst Teil eines Erschießungskommandos – womöglich jenes, das Nusret
Hasanović tötete. Zudem wird Serbiens Mitverantwortung und der politische
Kontext des Genozids beleuchtet. Der letzte Teil widmet sich dem Menschen
Nusret Hasanović: Seinem Leben und – gestützt auf die Erinnerungen des
Überlebenden Ahmo Hasić – seinen letzten Tagen.
„Irma. Das Kind aus Srebrenica“ ist ein eindrucksvoll produzierter Podcast
mit starken Protagonist:innen. Anhand einzelner Schicksale vermittelt er
eindringlich und ausführlich das Ausmaß des größten Verbrechens in Europa
seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
## Wichtige Ergänzung vom Deutschlandfunk
Schwäche zeigt der Podcast, wenn Reporter Bastian Berbner seiner
Co-Reporterin Simone Gaul, Eindrücke von einem Ort der Massenerschießungen
mit Sätzen wie „Es war so ein Auschwitz-Gefühl, ohne Scheiß“ schildert.
Diesen Vergleich und die ständige Betonung darauf, wie „krass“ alles sei,
hätte man besser weggelassen.
Eine wichtige Ergänzung zum Thema bietet der Deutschlandfunk mit
„Srebrenica“ aus dem Format „Hörspiel“. Auch hier geht es um den
Überlebenden Ahmo Hasić und den geständigen Täter Dražen Erdemović sowie
den Blauhelmsoldaten Rob Zomer.
Über knapp eine Stunde kommen die drei selbst zu Wort. Bedeutend ist hier
der Raum, den man dem Schmerz des Überlebenden Ahmo Hasić lässt, um in
seinen eigenen Worten das Unvorstellbare und seinen Umgang damit zu
beschreiben.
Die Ö1-Sendung „30 Jahre Genozid von Srebrenica“ aus der Reihe „Journal
Panorama“ befasst sich mit der Leugnung des Genozids in Serbien und unter
bosnischen Serben. Die Stärke der Produktion liegt darin, diese Narrative
und ihre Hintergründe realistisch darzustellen – ohne Zweifel daran zu
lassen, dass es sich um Genozidleugnung handelt, die Täter zu Opfern und
verurteilte Völkermörder zu Helden verklärt. Die Sendung „Die Rolle der
Kirchen bei Genoziden vom Deutschlandfunk Kultur“ legt den Fokus auf die
Rolle der serbisch-orthodoxen Kirche bei der Leugnung des Genozids.
In der Deutschlandfunk-Kultur-Reihe „Die Reportage“ erschien eine
halbstündige Sendung über die Korida – den bosnischen Stierkampf – die mit
dem Genozid von Srebrenica verknüpft wird – obwohl weder die Korida noch
die Protagonist:innen einen engen Bezug dazu haben. Die Reportage ist
gut erzählt, behandelt Srebrenica aber nicht ausführlich. Leider wurde hier
der Genozid zum Anlass genommen, um Aufmerksamkeit für ein völlig anderes
Thema zu schaffen.
10 Jul 2025
## LINKS
[1] /Srebrenica/!t5013468
[2] /Urteil-gegen-Ratko-Mladic/!5773317
## AUTOREN
Krsto Lazarević
## TAGS
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