| # taz.de -- Weihnachten für umme (3): „Gedichte sind sehr ökonomisch“ | |
| > taz-Adventskalender: Gedichte schreiben und verschenken ist eine gute | |
| > Idee in mageren Zeiten. Der Lyriker Björn Kuhligk erklärt, wie es geht. | |
| Bild: So geht das Dichten auch, wenn mal kein Gänsekiel zur Hand ist | |
| Die taz Berlin sucht in Zeiten von Inflation und Energiekrise Türchen für | |
| Türchen nach Wegen, wie es ganz ohne Geld etwas werden kann mit dem ach so | |
| besinnlichen Fest. | |
| taz: Herr Kuhligk, dieses Jahr herrscht Weihnachten Ebbe in vielen | |
| Geldbeuteln. Würden Sie Laien dazu raten, Gedichte zu schreiben und zu | |
| verschenken? | |
| Auf jeden Fall! Das ist ein sehr persönliches Geschenk. | |
| Zu welchen Themengebieten würden Sie zum Einstieg raten? | |
| Erstmal ist es vielleicht am Einfachsten, damit anzufangen, was man direkt | |
| vor der Nase hat. Also mit einem Schneegedicht oder einem Großstadtgedicht | |
| vielleicht. | |
| Also lieber nicht mit einer Ode an die oder den Beschenkte*n? | |
| Nein, da kann man sich leicht im Ton vergreifen. Man kann aber ins | |
| Innenleben gehen und gucken, was da gerade so los ist. Oder man versucht, | |
| mit etwas ganz Großem einzusteigen, mit riesigem Zusammenhängen, dem | |
| Weltall vielleicht – und von da aus zu etwas ganz Kleinem zu kommen. | |
| Und was kommt als Nächstes? | |
| Ein Brainstorming ist gut, bei dem alles erlaubt ist, jeglicher Quatsch, | |
| Gedanken, die einem auf den ersten Blick ruhig auch bescheuert vorkommen | |
| dürfen. | |
| Und dann? | |
| Dann kann man überlegen, was zusammenpasst. Wo gibt es Verbindungen. Das | |
| fällt einem meist auf, wenn man die Sachen nach dem Aufschreiben eine Woche | |
| liegen lässt und gar nicht anguckt und dann ganz, ganz viel streicht. | |
| Gibt es Tricks, wie Sie zu besonderen Worten kommen? | |
| Besondere Worte fallen mir oft beim Spielen ein. Wenn ich die Worte zum | |
| Beispiel hin und her bewege und gucke, was passiert. | |
| Und wie bekommt das Gedicht einen guten Klang? | |
| Ich lese es mir selbst vor, meist ab dem Moment, wo ich das Gefühl habe, | |
| dass das es so langsam auf die Zielgerade zugeht. | |
| Wie halten Sie es mit Gesellschaftskritik im Gedicht? | |
| Politische Themen sind auf jeden Fall gut, aber sie dürfen natürlich nicht | |
| wie in einem Pamphlet behandelt werden. Es muss subtiler sein. | |
| Aber bedienen Sie sich manchmal auch an Überschriften aus der Zeitung? | |
| Dafür bin ich immer offen, alles kann Material werden, das gesprochene | |
| Wort, die Werbung, die einen anbrüllt, einfach alles. | |
| Letzte Frage: Es kommen ja vielleicht auch wieder bessere Zeiten. Warum | |
| sollen Menschen dann wieder Geld für Gedichtbände ausgeben? | |
| Ich glaube, Lyrik ist die schönste und direkteste und ökonomischste | |
| literarische Form, weil sie mit so wenigen Produktionsmitteln wie möglich | |
| etwas Maximales erstellt. Es kann das Unsagbare benennen. Das kann keine | |
| andere literarische Form. | |
| 3 Dec 2022 | |
| ## AUTOREN | |
| Susanne Messmer | |
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