| # taz.de -- Volksentscheid in Bayern: 50.000 wollen einen Mietendeckel | |
| > Die Initative für einen Mietenstopp sammelt mehr als doppelt so viele | |
| > Unterschriften wie nötig. Der Innenminister muss nun handeln. | |
| Bild: Die Initative für einen Mietenstopp in München | |
| München taz | „Es ist Zeit, dass die Mieter in Bayern eine Verschnaufpause | |
| bekommen“, sagt Beatrix Zurek, Vorsitzende des Mietervereins München. „Für | |
| viele sind die Preise nicht mehr tragbar.“ Den Weg zu einem | |
| [1][bayernweiten Volksentscheid] über einen sechsjährigen Stopp von | |
| Mieterhöhungen hat der Verein nun geschafft: Am Freitag verkündete das | |
| Bündnis, dass es 51.983 Unterschriften für ein solches Gesetz gesammelt | |
| hat. Nur 25.000 wären nötig gewesen, um beim Innenministerium die Zulassung | |
| zu beantragen und so den Prozess der Volksgesetzgebung in Gang zu bringen. | |
| Der Gesetzentwurf sieht vor, dass es bei bestehenden Mietverhältnissen | |
| sechs Jahre lang keine Mieterhöhungen gibt. Bei Wiedervermietung oder nach | |
| Renovierung darf höchstens die ortsübliche Vergleichsmiete verlangt werden. | |
| „Faire“ Vermieter sollen auf bis zu 80 Prozent der Vergleichsmiete erhöhen | |
| können. Ausgenommen sind Wohnungen in neuen Häusern, um Investoren nicht zu | |
| vergraulen. Verstöße werden mit Geldbußen von bis zu 500.000 Euro geahndet. | |
| Der Mietenstopp soll für 162 Städte und Gemeinden in Bayern gelten, in | |
| denen ein „angespannter Wohnungsmarkt“ vorliegt. Unterstützer des | |
| Bündnisses sind unter anderem DGB, VdK, SPD, Linke, Grüne und ÖDP. | |
| Bei der Pressekonferenz wiesen die Organisatoren auf die Dringlichkeit des | |
| Problems hin. „Das Thema brennt die Menschen aus“, sagte der evangelische | |
| Pfarrer Felix Leibrock. Die 75-jährige Rentnerin Ute Armanski zahlt für 96 | |
| Quadratmeter in München- Haidhausen 1.000 Euro Miete. Nach Renovierungen | |
| und mehreren Erhöhungen sollen es 2.300 Euro sein. „Ich kann mein Zuhause | |
| in meinem geliebten Viertel nicht mehr halten“, klagt sie. | |
| Der Weg führt übers Verfassungsgericht | |
| Der Zeitplan ist sportlich: Bis zum Sommer soll der Volksentscheid | |
| stattfinden und der Mietenstopp dann zum Gesetz werden. Aber auch wenn die | |
| Initiatoren optimistisch sind, dürfte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) | |
| das Volksbegehren zurückweisen; nach seiner Argumentation verstieße es | |
| gegen die Verfassung. | |
| Dann müsste das Bündnis vor dem Verfassungsgerichtshof klagen. Und wenn | |
| dieser grünes Licht geben sollte, müssten sich eine Million Menschen binnen | |
| zwei Wochen in den Rathäusern für den Gesetzentwurf eintragen. Erst dann | |
| käme es zum Volksentscheid. | |
| Die bayerische Initiative ähnelt dem [2][Berliner Mietendeckel]. Allerdings | |
| sei das Berliner Gesetz „viel ausführlicher“, so die SPD- Politikerin | |
| Zurek. In Bayern habe man sich „nicht in Einzelheiten verlieren wollen“. | |
| Der Bielefelder Jura-Professor Franz Mayer meint, dass ein Mietenstopp | |
| nicht ausschließlich Bundesrecht ist. Vielmehr könnten Länder solche Regeln | |
| als öffentliches Recht selbst festschreiben. | |
| Die Position der Staatsregierung stellte Justizminister Georg Eisenreich | |
| (CSU) sofort per Mitteilung klar: „Ein Landesgesetz, das die Mieten auf dem | |
| freien Markt für sechs Jahre einfriert, ist verfassungswidrig.“ | |
| 7 Feb 2020 | |
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| ## AUTOREN | |
| Patrick Guyton | |
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