| # taz.de -- Ise Bosch über Vermögen und Spenden: „Ich gebe Macht weiter“ | |
| > Im Wort „erreichen“ steckt „reich“. Ise Bosch, die Enkelin von Robert | |
| > Bosch, möchte mit ihren Stiftungen erreichen, dass ihr Erbe sozialen | |
| > Wandel befördert. | |
| Bild: Ise Bosch (links) wollte das Interview nicht ohne Claudia Bollwinkel (rec… | |
| Ise Bosch gibt Interviews nicht mehr allein. Sie bittet Claudia Bollwinkel | |
| mit zum Gespräch. Bollwinkel ist seit 15 Jahren Programmmanagerin bei | |
| filia, der frauenstiftung, die Ise Bosch mitgegründet hat und finanziell | |
| unterstützt. Dass Ise Bosch, Enkelin des Gründers der Firma Bosch, in der | |
| Öffentlichkeit präsent ist, ist nicht überraschend. Radikal anders ist, | |
| dass sie diese öffentliche Plattform teilt. | |
| taz am wochenende: Frau Bosch, Frau Bollwinkel, kennen Sie die Situation, | |
| etwa an Weihnachten oder Geburtstagen, dass Ihnen jemand einen Umschlag mit | |
| Geld zusteckt und sich das komisch anfühlt? | |
| Claudia Bollwinkel: Ich kenne das, aber ich habe kein komisches Gefühl | |
| dabei. | |
| Ise Bosch: Mir ist das noch nie passiert. Also nicht zu Anlässen. Wohl | |
| wurde uns Geld geschenkt. Zur Geburt haben meine Geschwister und ich | |
| jeweils eine Million überwiesen bekommen. | |
| Ist der Umgang mit Geld also möglicherweise ein Klassending? Für die einen | |
| eine Selbstverständlichkeit, für die anderen ein zelebriertes Geschenk, bei | |
| dem die Beschenkten nicht wissen, wie sie sich dafür bedanken sollen? | |
| Bosch: Meine Mutter hat eine lange Liste von Überweisungen an Weihnachten, | |
| nicht Familie, aber Leute, denen sie etwas zukommen lassen will. | |
| Die einen stecken es in einen Umschlag, die anderen überweisen. Das | |
| Geschenk findet versteckt statt, so oder so. | |
| Bollwinkel: Ja. Obwohl Geld doch viele Möglichkeiten öffnet. Ich habe zwei | |
| Söhne, Teenager, und man kann denen eigentlich nichts mehr schenken außer | |
| Geld. Dadurch hat sich das Schenken total verändert. | |
| Wie geben Sie ihnen das Geld? | |
| Bollwinkel: Ich überweise es. | |
| Sie machen das Geld unsichtbar. Vermutlich existierte das Geld, das Sie, | |
| Frau Bosch, zur Geburt bekamen, auch lange nur auf dem Papier. | |
| Bosch: Wir hatten darauf erst Zugriff ab 18, und bis 21 mussten wir bei | |
| größeren Ausgaben noch fragen. | |
| Taschengeld kam extra? | |
| Bosch: Ja, das ist was anderes. Es gibt ganz unterschiedliche Arten von | |
| Geld. Das, mit dem man am einfachsten umgehen kann, ist das selbstverdiente | |
| Geld oder das Taschengeld. Ich habe lange das geerbte Geld auf einem | |
| anderen Konto gehabt und nur ganz selten was davon genommen, fürs College, | |
| für größere Reisen, weil es sich so anders angefühlt hat als das Geld, das | |
| ich selbst verdient habe. | |
| Wie anders? | |
| Bosch: Ich musste mir innerlich einen Grund nennen, warum ich darauf | |
| zurückgreife. | |
| Und nun, Frau Bosch, verschenken Sie Ihr Erbe. | |
| Bosch: Nein, ich verschenke es nicht. Ich arbeite mit Geld, das ich | |
| weitergebe. | |
| Nehmen Sie das Erbe als Ihr Geld wahr? | |
| Bosch: Es ist mein Geld zur Verfügung. Und es ist wichtig, an bestimmter | |
| Stelle das Geld auch loszulassen. | |
| Darf man wissen, wie viel es ist? | |
| Bosch: Nein. Ich fühle mich ganz wohl mit der Summe. Aber wenn die Zahl | |
| öffentlich ist, geht es nur noch um die Zahl und nicht mehr um das Wie. | |
| Wie mit dem Geld umgegangen wird? | |
| Bosch: Ja. Die Firma gehört einer Stiftung. Die Familie hat nur ein paar | |
| Prozent daran und von diesen paar Prozent habe ich mir meinen Anteil | |
| auszahlen lassen und selber davon Stiftungen gemacht. Gerade für Leute mit | |
| großem Vermögen finde ich das eine logische Lebensaufgabe zu gucken, wie | |
| das Geld gut unter die Leute kommt. Vor allem wenn man wie ich keine Kinder | |
| hat. Denn so große Vermögen sind für die Demokratie schädlich. | |
| Warum sind sie schädlich? | |
| Bosch: Weil Einkommensungleichheit zu Vermögensungleichheit führt, und die | |
| führt zu ungleichen Ausgangsbedingungen, und das schadet der Demokratie. | |
| Demokratie zählt auf gleiche Mitwirkungsmöglichkeiten für alle. Große | |
| Vermögen laufen dem entgegen. Ich versuche, die Macht des Geldes in Macht | |
| für viele zu wandeln, sodass wirkliche Transformation stattfinden kann. | |
| Wie machen Sie das? | |
| Bosch: Ich versuche das Machtgefälle zwischen Gebenden und geförderten | |
| Projekten dadurch zu verringern, dass ich partizipatorische Methoden | |
| entwickele. | |
| Sind Sie unter den Reichen eine Tabubrecherin, weil Sie das Machtgefälle, | |
| das am Geld hängt, thematisieren? | |
| Bosch: Nicht die einzige. | |
| Wann haben Sie als Kind wahrgenommen, dass es dieses Gefälle gibt? | |
| Bosch: Auf der Waldorfschule wusste ich von ein paar Kindern, die auf | |
| Stipendium in der Schule waren. Irgendwann habe ich anderen bei den | |
| Schulaufgaben geholfen, nicht für Geld, sondern um etwas auszugleichen. Ich | |
| hab auch mal unter meinen Geschwistern Geld gesammelt für Wolldecken für | |
| das Rote Kreuz. Die haben nicht groß drauf reagiert. Kinder wollen normal | |
| sein. | |
| Bollwinkel: Wichtig ist doch, dass man sich der eigenen Privilegien bewusst | |
| ist und sie reflektiert. Und da bist du schon Pionierin. | |
| Heute sind Sie, Frau Bosch, so steht es in dem Buch „Geben mit Vertrauen“, | |
| das Sie beide geschrieben haben: Spenderin, Aktivistin, Stifterin, | |
| Fürsprecherin. Was genau zeichnet eine Spenderin aus? | |
| Bosch: Es ist ein breiter Begriff. Wenn man Spenden googelt, kommt man als | |
| Erstes auf Blutspende. Aber was ist eine Spenderin? Eine, die sich im | |
| Klaren ist, was sie geben kann. Sei es Blut oder Geld. | |
| Bollwinkel: Spenden ist ein natürlicher Impuls. | |
| Einer wie Geben? | |
| Bosch: Wie Weitergeben. | |
| Eine Spende ist also ein durchlaufender Posten? | |
| Bosch: Wenn etwas akkumuliert ist, dann gibt man es weiter. Die ganze | |
| Dankbarkeitsgeschichte, die mit dem Spenden kommt, fühlt sich deshalb für | |
| mich häufig eher seltsam an. Ich sehe das Geld, das ich hergebe, eher als | |
| Arbeitsmaterial. | |
| Bollwinkel: Wer spendet, denkt über sich hinaus auf ein Wir hin. Geld wird | |
| oft als trennend erlebt, die Dankbarkeit will die Trennung aufheben. | |
| Verfestigt die Dankbarkeit nicht eher die Trennung? | |
| Bosch: Ja, das macht mein Unbehagen damit aus. Man bedankt sich für | |
| Dienstleistungen doch auch nicht, man sagt: Dafür kriegt die Geld. Ich | |
| kriege auch Geld, ich bin schon bezahlt. Es ist aber auch toll, wie die | |
| ganzen Ungereimtheiten in dem Gefüge offengelegt werden. Und es führt zu | |
| vielen Unsicherheiten. | |
| Was zeichnet eine Spenderin aus, die Aktivistin ist? | |
| Bosch: Es gibt viele, die die feministische Bewegung oder die | |
| Umweltbewegung vorantreiben oder die Zukunft des Planeten gesichert sehen | |
| wollen. Und jeder, der sich für solche Ziele einsetzt, bringt sich im | |
| Rahmen seiner Möglichkeiten ein. Ich, indem ich Fundraising betreibe und | |
| mein Geld einbringe. Damit bin ich Geberin und Aktivistin. Für mich stehen | |
| die inhaltlichen Ziele im Vordergrund. Es geht mir nicht darum, meine | |
| Bedeutung zu vergrößern. Das ist ja oft der Fall, dass ein Geldgeber im | |
| Gegenzug vielleicht will, dass ein Gebäude nach ihm benannt wird. Das gibt | |
| ihm einen Zuwachs an sozialem Kapital. Als Aktivistin will ich das nicht; | |
| ich stelle mich in das Kollektiv der Leute, die diese Veränderungen | |
| erreichen wollen. Das ist die Basis feministischer Philanthropie. Die | |
| Grundlage meines Handelns ist: Ich bin ein politisch aktiver Mensch. | |
| Was meinen Sie mit „Fürsprecherin“? | |
| Bosch: Steht das wirklich so im Buch? Was ich meinte: Ich will den Kreis | |
| derer, die sprechen, vergrößern. Als Ise Bosch, als Enkelin von Robert | |
| Bosch, als Stiftungspreisträgerin nutze ich meine Möglichkeiten, um nicht | |
| Ise Bosch zu feiern, sondern die Themen, die mir wichtig sind, im Gespräch | |
| zu halten und andere Leute in das Narrativ hineinzubringen. Ich setze | |
| darauf, dass wirkliche Expertise an der Basis sitzt, die Basis ist aber bei | |
| Entscheidungen oft nicht eingebunden. | |
| Bollwinkel: Deshalb nimmst du etwa bei Einladungen ins Auswärtige Amt, wenn | |
| es um Fragen von LGBTIQ geht, jemanden mit, der da gelebte Erfahrung hat. | |
| Also Mitsprechen, nicht Fürsprechen? | |
| Bosch: Viele Menschen mit Geld haben kein sehr starkes Selbstbewusstsein. | |
| Gerade jene mit geerbtem oder leicht verdientem Geld. Die fragen sich: Bin | |
| ich nicht Schmarotzerin der Gesellschaft? Dann sucht man sich etwas, wo man | |
| Fürsprecherin wird. | |
| Wie Rotary. | |
| Bosch: „Ach, sie ist ja so sozial“, wird dann gesagt. Und wenn das im | |
| Vordergrund steht, dann ist man aus dem Käfig des Reichtums noch nicht | |
| raus. Ich will mich aber nicht einschränken lassen vom Reichtum, auch | |
| innerlich nicht. Ich gucke deshalb immer, was ermöglicht der Reichtum | |
| gesamtgesellschaftlich oder zumindest in dem Bereich der Gesellschaft, in | |
| dem ich mich gut auskenne, Frauendiskriminierung, | |
| Geschlechterdiskriminierung. Und dann ist ein Stück weit Bescheidenheit | |
| gefragt, indem ich die, die wissen, wie sich Frauendiskriminierung, | |
| Geschlechterdiskriminierung anfühlt, mit ins Boot hole. Junge Frauen können | |
| junge Frauen besser vertreten, Transmenschen können Transmenschen besser | |
| vertreten – ich will nicht, obwohl ich das Geld habe, für sie sprechen, | |
| aber ich spreche dafür, dass sie selbst sprechen. | |
| So greifen Sie mit Ihrem Geld aktiv in die Gestaltung der Gesellschaft ein? | |
| Bosch: Ja, indem ich Macht weitergebe. Denn Geld verleiht Macht und Status. | |
| Ich gebe Geld etwa an filia, die Frauenstiftung. Bei filia gibt es einen | |
| Mädchenbeirat. Die Mädchen entscheiden über die Mädchenförderung. Sie | |
| lernen also, wie Stiftungsarbeit geht, wie man öffentlich spricht und wie | |
| es ist, wenn man Geld hat, das man weitergeben kann. | |
| Bollwinkel: Das Stichwort ist doch „Ermöglichung“. Macht abgeben und Dinge | |
| ermöglichen. Das ist die Aufgabe derer, die über eigene Ressourcen verfügen | |
| oder fremde Ressourcen verteilen. | |
| Bosch: Ich mache das mit filia und ich mache das konkret mit größeren | |
| Summen auch bei Astraea, der Lesbenstiftung in New York, und bei zwei | |
| Stiftungen im südlichen Afrika, die partizipativ arbeiten. | |
| Sie fördern feministische Projekte und solche im LGBTIQ-Bereich. Warum | |
| diese Themen? | |
| Bosch: Das ist Lebensgeschichte. Ich war schon immer auf der Seite der | |
| Feministinnen, die in Richtung sexuelle und identitäre Vielfalt gegangen | |
| sind. In der Zeit, als ich anfing, gab es da wenig Förderung. | |
| Früher waren Sie, Frau Bosch, mit einer Frau liiert. | |
| Bosch: Ja, und ich habe in einer schwul-lesbischen Radioredaktion | |
| mitgearbeitet, und aus alldem hat sich die Nähe zu LGBTIQ ergeben. | |
| Welchen nachhaltigen Wandel haben Sie im Bereich LGBTIQ bewirken können? | |
| Bollwinkel: Wir fördern Themen und Gruppen, die noch nie gefördert wurden. | |
| Sind solche Themen einmal gefördert, werden sie aus dem privaten Rahmen in | |
| den öffentlichen geholt. Dafür braucht es Risikotoleranz. Risiko wird | |
| klassisch eher so gesehen: Oh, das Geld ist weg und es ist nichts bei raus | |
| gekommen. Ise stellt das auf den Kopf und sagt: Gerade wenn ich nicht | |
| investieren würde, bekäme ich, bezogen auf die Inhalte, die ich | |
| thematisiert haben will, überhaupt nichts zurück. | |
| Mehr als drei Milliarden Menschen leben in Ländern, in denen man für nicht | |
| heterosexuelle Orientierung bestraft werden kann bis hin zu Todesstrafe. | |
| Bosch: Ich unterstütze weniger die Aktionen, die daran arbeiten, Gesetze zu | |
| ändern, sondern ich fördere die Basisgruppen. Die Entwicklungen, die davon | |
| ausgehen, halte ich für am nachhaltigsten. Das hat sich übrigens auch | |
| erwiesen. Frauenrechte haben sich dort am stärksten verändert, wo starke | |
| Frauenorganisationen sind. | |
| Ein Beispiel: Von Ihrem Geld wurde eine kirchliche Gruppe in Südafrika | |
| gefördert, weil sie bei Homosexualität auf Toleranz setzt. In Südafrika | |
| werden Schwule und Lesben unterdrückt, Lesben sind von sogenannten | |
| korrektiven Vergewaltigungen bedroht. Und da kommt eine Gruppe von | |
| Kirchenfrauen und predigt, dass man die Leute sein lassen soll, wie sie | |
| sind, und wird zum Multiplikator für das Menschenrechtsthema. | |
| Bosch: Und die scheinen damit sehr erfolgreich. Ich habe der | |
| Community-Foundation Geld gegeben und die haben dieses Projekt | |
| herausgesucht. | |
| Sie fördern auf zwei Wegen. Einmal, indem Sie Stiftungen Geld geben und | |
| dann haben Sie auch eine Organisation entwickelt, die „Dreilinden“ heißt, | |
| wo Sie sich nicht an die strengen Stiftungskriterien halten müssen, sondern | |
| freier über das Geld verfügen können. Wofür steht eigentlich der Name | |
| „Dreilinden“? | |
| Bosch: Das bezieht sich auf ein größeres Boschwerk aus der Nazizeit in | |
| Dreilinden bei Berlin. Ich habe ja immer auch antirassistische Arbeit in | |
| Deutschland gemacht und habe die Forschung zu Zwangsarbeit bei Bosch | |
| mitinitiiert. | |
| Bollwinkel: Wenn man Reichtum und Geld dekolonialisieren will, dann muss | |
| man gucken, wo kommt das Geld her. Ob da Machtmissbräuche in der Kette | |
| waren und auf wessen Kosten das Geld akkumuliert wurde. | |
| Sie arbeiten viel mit dem Wort „Philanthropie“. Auch „feministische | |
| Philanthropie“. Was ist das genau? | |
| Bosch: Der Begriff ist schwierig, ich verwende ihn nur, weil ich keinen | |
| besseren weiß. Man meint damit den ganzen Komplex, der Spenden, Stiften und | |
| Fundraising betrifft. Und „feministische Philantrophie“ ist ein Diskurs, | |
| für den die Ermächtigung der sogenannten Basis oberste Priorität hat. Das | |
| unterscheidet sich von der traditionellen Philantrophie, wo der Firmenchef | |
| am Ende seines Lebens überlegt, was er noch mit dem Geld machen kann, außer | |
| alles seiner Familie zu vermachen. | |
| Und was ist transformative Philanthropie? | |
| Bosch: Angesichts wachsender gesellschaftlicher Kritik an sozialer | |
| Ungleichheit kann die Philanthropie – selbst ein Produkt von sozialer | |
| Ungleichheit – durch enge Zusammenarbeit mit marginalisierten Gruppen | |
| transformativ wirken. Es ist ein Modell von Philanthropie, das auf | |
| Vertrauen beruht und sich die Frage stellt: Wie können Geld und die damit | |
| verbundenen Privilegien so eingesetzt werden, dass ein tiefgehender | |
| sozialer Wandel möglich wird, der die Gebenden genauso verändert wie die | |
| Geförderten? | |
| Darf man das Stiftungswesen eigentlich kritisieren? | |
| Bollwinkel: Man muss es. | |
| Stiftungen sind steuerbegünstigt, entziehen dem Gemeinwesen so finanzielle | |
| Mittel, und dann geben die Stiftenden Geld zurück, dirigieren aber mit | |
| ihren Stiftungszwecken als Privatpersonen, was in der Gesellschaft | |
| gefördert wird. Ist das eine schlimme Umverteilung? | |
| Bosch: Wenn man an die großen Stiftungen in den USA denkt, deren Budget das | |
| von ganzen Volkswirtschaften übersteigt, da ist das Wort „schlimm“ | |
| vielleicht angebracht. Aber sonst können Stiftungen schon Sachen machen, | |
| die gewählten Politikern schwerfallen, etwa über eine Legislaturperiode | |
| hinaus Geld geben wie auch unpopuläre Themen fördern. Trotzdem: Die | |
| Widersprüche sind da. | |
| Philanthropie, das klingt so human, so den Menschen zugewandt. Mit | |
| Stiftungsgeldern können indes auch umweltzerstörende, frauenfeindliche | |
| Zusammenhänge gefördert werden. | |
| Bosch: Ja, man muss jetzt mal sehen, wie die AfD-Stiftungen wirken. | |
| Wo ist Ihr philanthropischer Ansatz radikal anders, als der von anderen | |
| Philanthropen? | |
| Bosch: Ich denke vom Ziel her. Wenn das Ziel die Ermächtigung der Basis | |
| ist, dann gucke ich, dass ich es der Basis möglichst leichtmache, an das | |
| Geld zu kommen. Alles andere leitet sich davon ab. Ich stelle mein | |
| Sicherheitsbedürfnis dahinter zurück. | |
| Ihr Beruf ist „Geldgebende“, steht in dem Buch, „öffentliche und | |
| hauptberufliche Geldgebende“. Sie nennen es eine Herzensangelegenheit, | |
| einen Herzensaspekt, etwas, das Herzensfreude hervorruft. Wie sind Sie in | |
| diesen Beruf hineingewachsen? | |
| Bosch: Durch Übung. Ich bin auch reingeschubst worden von Freundinnen, die | |
| sagten: Steh dazu. Und wenn du schon für Frauenrechte bist, dann nutze | |
| deine Möglichkeiten und setze sie dafür ein. Das hat mir geholfen. | |
| Vielleicht haben am Anfang die Ängste überwogen, aber heute fühlt es sich | |
| an wie ein echtes Privileg. | |
| Wollten Sie nicht lieber Musikerin werden? | |
| Bosch: Das sind halt verschlungene Wege. Ich hatte davor auch Geschichte | |
| studiert. Bin ich auch froh drum. Ich mache Musik weiterhin nebenher. Ich | |
| spiele Kontrabass. | |
| Früher waren Sie eher scheu, zu scheu, um als Musikerin aufzutreten. Jetzt | |
| sind Sie eine öffentliche Person. | |
| Bosch: Das sind gelebte Widersprüche, zu denen stehe ich. | |
| 4 Mar 2019 | |
| ## AUTOREN | |
| Waltraud Schwab | |
| ## TAGS | |
| Bosch | |
| Vermögen | |
| Umverteilung | |
| Soziale Bewegungen | |
| Spenden | |
| Lesestück Interview | |
| Schwerpunkt Gender und Sexualitäten | |
| Lesestück Interview | |
| ## ARTIKEL ZUM THEMA | |
| Streit der Woche: „Ein Generalstreik ist notwendig!“ | |
| Braucht Europa den Generalstreik? Oskar Lafontaine von der Linkspartei | |
| fordert ihn ein. Die Stifterin Ise Bosch kritisiert „Reichen-Hetze“. | |
| Kaum Stiftungen für Homothemen: Ein beschränkter Horizont | |
| Von 16.500 Stiftungen in Deutschland unterstützen gerade mal 11 | |
| schwullesbische Themen. Das belegt eine erste deutsche Studie dieser Art. |