| # taz.de -- Die Wahrheit: Herr Klawuttke sucht den Wald | |
| > Donnerstag ist Gedichtetag auf der Wahrheit. Heute darf sich die geneigte | |
| > Leserschaft an einem Poem erfreuen, das sich recht spielerisch dem Grüne | |
| > nähert. | |
| Herr Klawuttke ist recht alt, | |
| Zweiundsiebzig Jahre bald. | |
| Man sieht ihn hier um kurz nach zehn | |
| in Richtung Wald spazieren gehn. | |
| Er geht die Strecke jeden Tag, | |
| weil er Veränderung nicht mag, | |
| und sitzt um elf dann, Gott sei Dank, | |
| immer auf derselben Bank. | |
| Dort isst er eine Käsestulle | |
| aus seiner Käsebrotschatulle | |
| und schaut dem Wald beim Wachsen zu. | |
| „Herrlich!“, denkt er. „Diese Ruh!“ | |
| Er zählt die Vögel und die Käfer | |
| und die Schafe von dem Schäfer, | |
| die friedlich grasen drunt’ im Tal: | |
| Hundert Schafe, jedes Mal! | |
| Eine Stunde sitzt er so | |
| friedlich, schweigend, satt und froh. | |
| Dann schaut er auf seine Uhr | |
| und geht exakt um zwölf retour. | |
| Was will uns diese Dichtung sagen? | |
| Wollen Sie jetzt sicher fragen. | |
| Ist sie ein Loblied auf die Alten, | |
| die sich durchs Wandern rüstig halten? | |
| Und auf den Wald, durch den sie gehen? | |
| Sowie die Bänke, die dort stehen? | |
| Will sie die Käsestullen preisen? | |
| Und die, die sie im Forst verspeisen? | |
| Bricht sie für Pünktlichkeit ne Lanze? | |
| Man fragt sich echt: Was soll das Ganze? | |
| Und kommt am Ende zu dem Schluss, | |
| dass es nichts bedeuten muss. | |
| 12 Jul 2018 | |
| ## AUTOREN | |
| Jan Kaiser | |
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