| # taz.de -- Nach Berichten über Oppositionsführer: Kenia schaltet TV-Sender ab | |
| > Nach der Wahl in Kenia vereidigt sich der Oppositionschef selbst. Mit | |
| > TV-Blackouts versucht die Regierung, die Zeremonie zu verbergen. | |
| Bild: Zwar war ein Richter anwesend, aber Odinga vereidigte sich selbst | |
| Nairobi taz | Der Wirbel rund um Kenias [1][umstrittene | |
| Präsidentschaftswahl] ist nicht vorbei. Am Dienstag vereidigte sich | |
| Wahlverlierer Raila Odinga, der seine Niederlage gegen Amtsinhaber Uhuru | |
| Kenyatta nicht anerkennt, zum „Volkspräsidenten“. Jetzt hat Kenia zwei | |
| Staatsoberhäupter. | |
| Tausende Anhänger der Opposition warteten stundenlang unter der heißen | |
| Sonne in einem Park im Zentrum der Hauptstadt Nairobi. Zwar war ein Richter | |
| anwesend, aber Odinga vereidigte sich selbst, mit einer großen Bibel in der | |
| Hand. Trotz Drohungen der Behörden hielt die Polizei sich zurück und Odinga | |
| wurde nicht verhaftet. Nach der kurzen chaotischen Zeremonie sagte Odinga: | |
| „Wir müssen jetzt der Diktatur ein Ende machen und es muss Schluss sein mit | |
| Wahlbetrug.“ Wie es weitergeht, versprach er ein anderes Mal zu erklären. | |
| Die vom 73-jährigen Odinga geführte Oppositionskoalition NASA (Nationale | |
| Superallianz) akzeptiert die Resultate der Wahlen von 2017 nicht. In der | |
| ersten Runde im August machte die Wahlkommission so viele Fehler, dass das | |
| Oberste Gericht die Wahl neu ansetzte. Odinga hatte mit 45 Prozent gegen | |
| Präsident Kenyatta mit 54 Prozent verloren – das zeigte, wie polarisiert | |
| die kenianische Bevölkerung ist. | |
| NASA glaubte nicht nur an Fehler der Wahlkommission, sondern auch an | |
| Schummeln mit den Daten in den Computerservern und boykottierte die | |
| Wiederholung der Wahl am 26. Oktober. Daraufhin gewann Kenyatta problemlos | |
| mit 98 Prozent. | |
| ## Die Opposition droht mit Abspaltung | |
| Die Wahlkommission verneint die Anschuldigungen der Opposition, aber | |
| gewährt bis heute niemandem, auch nicht der Justiz, Zugang zu ihren | |
| Servern. Trotz ausländischer Versuche, beide Seiten an den | |
| Verhandlungstisch zu bringen, hat Kenyatta seine neue Regierung im | |
| Alleingang gebildet. Im neuen Kabinett sitzen ausschließlich Politiker der | |
| Jubilee-Regierungskoalition. Die Opposition hat aber jetzt ihren eigenen | |
| „Volkspräsidenten“ und droht auch mit Abspaltung der Oppositionshochburgen | |
| im Westen, Osten und Süden von Kenia. | |
| Die Regierung versuchte, Odingas Selbstvereidigung vor der Bevölkerung zu | |
| verbergen. Sie ließ drei Fernsehsender abschalten, die die Zeremonie | |
| übertragen wollten. Obwohl die Kenianer verwundert waren, dass die | |
| beliebten Sender NTV, KTN und Citizen plötzlich einen Blackout hatten, | |
| waren sie nicht erstaunt. Seit Kenyatta 2013 zum ersten Mal als Präsident | |
| gewählt wurde, ist die Pressefreiheit im Land immer mehr beschränkt worden. | |
| Kenyatta und sein Vizepräsident William Ruto sind schließlich die | |
| politischen Ziehsöhne des ehemaligen autokratischen Präsidenten Daniel arap | |
| Moi. Unter ihm wurden Journalisten, geschlagen, verhaftet und sogar | |
| getötet. Aber die Zeiten haben sich geändert: Die Regierung konnte jetzt | |
| nicht verhindern, dass die Kenianer Odingas Feier trotzdem verfolgten – im | |
| Internet, auf Handys und Computern. | |
| 30 Jan 2018 | |
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| ## AUTOREN | |
| Ilona Eveleens | |
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