| # taz.de -- Kommentar Missbrauch bei Domspatzen: Schluss mit Filz und Schweigen | |
| > Noch immer wollen viele in der katholischen Kirche den Missbrauchsskandal | |
| > beim Knabenchor vertuschen. Damit dürfen sie nicht durchkommen. | |
| Bild: Von 1981 bis 2013 war in dem Kloster die Vorschule der Regensburger Domsp… | |
| Dass der Missbrauchsskandal bei den Domspatzen in früheren Jahrzehnten noch | |
| viel schlimmer war als zunächst ermittelt, überrascht nicht. Mehr als lau | |
| war der Einsatz zur Aufarbeitung des Skandals in den Anfangsjahren ab 2010, | |
| als noch Gerhard Ludwig Müller Bischof von Regensburg war – ehe er 2012 | |
| nach Rom weggelobt wurde. Dort ist Müller nun ausgerechnet Präfekt der | |
| Glaubenskongregation im Vatikan, also der oberste Glaubenshüter der | |
| Weltkirche. | |
| Wer damals in der ersten Welle der Aufarbeitung als Journalist nach Fakten | |
| zum vertuschten Skandal suchte, vor dem schlossen sich die Türen des | |
| Bistums. Die schöne heile, reaktionäre und verlogene Welt des bayerischen | |
| Katholizismus, umkränzt von den himmlischen Stimmen der Knaben aus | |
| Regensburg, sie sollte keine Risse kriegen. | |
| Denn Regensburg ist ein Symbol im katholischen Deutschland: Unter dem | |
| Einfluss nicht zuletzt der reichen Super-Katholikin Gloria von Thurn und | |
| Taxis sammeln sich dort bis heute alle, die mit den Veränderungen in der | |
| Kirche seit der Wahl von Papst Franziskus im Jahr 2013 nichts anfangen | |
| können und wollen. | |
| Mag in Rom der Wind für ein Ende der Selbstverherrlichung der Hierarchie | |
| und der Priesterkaste in der katholischen Kirche wehen, für einen Abschied | |
| von der elenden Verfilzung auch von Macht und Geld im Vatikan – in | |
| Regensburg will man am liebsten weiter so tun, als gehe einen das alles | |
| nichts an. | |
| In der Donaustadt wird weiterhin das Erbe des emeritierten Papst Benedikt | |
| XVI. gepflegt, dessen Bruder Georg Ratzinger Domkapellmeister des | |
| weltberühmten Knabenchors war. Ganz zufällig genau in den Jahrzehnten, in | |
| denen die meisten Missbrauchstaten verübt wurden. Noch immer wollen viel zu | |
| viele Würdenträger (und auch einige Laien) in der katholischen Kirche den | |
| Missbrauchsskandal vertuschen und die oft zögerliche Aufarbeitung möglichst | |
| schnell beenden. Sie dürfen damit nicht durchkommen. | |
| 12 Jan 2016 | |
| ## AUTOREN | |
| Philipp Gessler | |
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