# taz.de -- Bankdaten-Abkommen: Swift abermals auf der Kippe | |
> Der zweite Anlauf für das Swift-Abkommen droht zu einer Niederlage für | |
> die Amerikaner zu werden. Die USA seien ihnen nicht genug entgegen | |
> gekommen, sagen EU-Parlamentarier aus relevanten Fraktionen. | |
Bild: Auch beim zweiten Anlauf könnte das EU-Parlament "Nein" sagen. | |
BRÜSSEL dpa | Das umstrittene Bankdaten-Abkommen zwischen der EU und den | |
USA droht auch im zweiten Anlauf im Europaparlament zu scheitern. Der | |
Entwurf des neuen Vertrages, den die EU-Kommission mit den USA in den | |
vergangenen Wochen ausgehandelt hat, sorgt bei den Abgeordneten in Brüssel | |
für Unmut. Führende Parlamentarier aus mehreren Fraktionen drohen nach der | |
Lektüre des Textes damit, den Vertrag wie bereits im Februar scheitern zu | |
lassen. Das Europaparlament muss dem Swift-Abkommen, das US-Fahndern im | |
Kampf gegen den Terrorismus Zugriff auf die Daten europäischer Bankkunden | |
geben soll, zustimmen. | |
"Die Gefahr besteht, dass das EU-Parlament ein zweites Mal 'Nein' sagen | |
wird", sagte der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Alexander | |
Alvaro, am Dienstag auf Anfrage. Die USA müssten verbindliche Zusagen zum | |
Datenschutz machen. "In der Substanz des Abkommens hat sich nur wenig | |
geändert", kritisierte auch der Grünen-Abgeordnete Jan Philipp Albrecht. | |
Das Abkommen soll amerikanischen Geheimdiensten im Kampf gegen Terroristen | |
erlauben, Daten von europäischen Bankkunden zu prüfen. Dabei geht es um | |
Name, Adresse, Empfänger und Höhe der Überweisung. Das gilt aber nur für | |
den Fall, dass ein Kunde Geld in Länder außerhalb der EU überweist. Die | |
Amerikaner wollen auf diese Weise Geldtransfers von Terroristen aufdecken. | |
Auch aus den großen Fraktionen des Parlaments, von Sozialisten und | |
Christdemokraten, kam Kritik. Sie richtet sich vor allem gegen die lange | |
Speicherfrist der Daten von fünf Jahren sowie dagegen, größere Pakete von | |
Daten ohne Einzelfallprüfung weiterzugeben. Auch das geforderte Klagerecht | |
für betroffene Bürger geht den Parlamentariern nicht weit genug. | |
Die Abgeordneten fühlen sich unter Zeitdruck: Das EU-Parlament soll nach | |
dem Zeitplan der EU-Kommission bereits im Juli seine Zustimmung geben. "Das | |
ist das größte Problem, weil das Parlament seine Kritik nicht in die neue | |
Verhandlungsrunde einbringen könnte", sagte Albrecht. Bis Ende Juni soll | |
nach Angaben der EU-Kommission ein Vertragstext vorliegen, dem das | |
Parlament und die EU-Minister zustimmen müssen. Das erste fertig | |
ausgehandelte Abkommen war im Februar am Nein des Europaparlaments | |
gescheitert. | |
9 Jun 2010 | |
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