# taz.de -- Eurogruppe gewährt Griechenland Kredit: 12 Milliarden gegen die Pl… | |
> Griechenland erhält einen Milliardenkredit der Europäer und des IWF. Die | |
> Staatspleite ist zunächst abgewendet. Nun wird weiter am zweiten Notpaket | |
> gearbeitet - bei dem die Banken wichtig werden. | |
Bild: Verbeugung Richtung EU? Giorgos Papandreou kann erst einmal aufatmen. | |
BRÜSSEL/ATHEN dpa/afp | Die drohende Staatspleite in Griechenland ist | |
vorerst abgewendet. Die Euro-Finanzminister gaben am Samstag einen neuen | |
Milliardenkredit an das krisengeschüttelte Land frei. Das teilte die | |
Eurogruppe in einer Erklärung mit. | |
Aus dem Hilfsprogramm der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) | |
sollen insgesamt 12 Milliarden Euro fließen. 8,7 Milliarden Euro entfallen | |
auf die Europäer, 3,3 Milliarden Euro auf den IWF. Ohne das Geld wäre Athen | |
Mitte des Monats zahlungsunfähig. Insgesamt summieren sich die bisherigen | |
Hilfen damit auf 65 Milliarden Euro. Der Rettungsplan von Europäern und IWF | |
läuft seit Mai 2010. | |
Mit dem neuen Kredit dürfte Griechenland bis zum Herbst über die Runden | |
kommen, hieß es in Brüssel. Das Parlament in Athen hatte am Donnerstag den | |
innenpolitisch umstrittenen Sparplan der Regierung von Ministerpräsident | |
Giorgos Papandreou angenommen und damit den Weg für die Auszahlung der | |
Tranche freigemacht. | |
Nach Ansicht der Athener Regierung ist die internationale Glaubwürdigkeit | |
des krisengeschüttelten Landes gestärkt worden. "Nun kommt es darauf an, | |
dass die Sparbeschlüsse des griechischen Parlaments rechtzeitig und | |
wirkungsvoll in die Tat umgesetzt werden", betonte der Athener | |
Finanzminister Evangelos Venizelos in der Nacht zum Sonntag. | |
## Privatisierung muss beginnen | |
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) rief die Athener Regierung | |
auf, die beschlossenen Maßnahmen zügig umzusetzen. Nach Auszahlung der | |
fünften Tranche müsse der nächste Schritt entschlossen gegangen werden. So | |
müsse die Privatisierung umgehend beginnen. | |
Die Arbeiten an einem neuen Hilfsprogramm gingen mit Hochdruck weiter. Dazu | |
gehöre die Einbeziehung des Privatsektors, der einen freiwilligen und | |
substanziellen Beitrag leisten werde. Schäuble: "Die Verabschiedung des | |
neuen Programms kann dann vor der Auszahlung der nächsten Tranche im Herbst | |
erfolgen - immer vorausgesetzt, die Programmumsetzung in Griechenland | |
erfolgt wie geplant." | |
Die Minister verhandelten in einer Telefonkonferenz. Das neue Hilfspaket | |
für Griechenland soll bis zu 120 Milliarden Euro betragen. Der Umfang und | |
die Bedingungen zur Einbeziehung von Banken und Versicherungen in das neue | |
Paket sollten in den "kommenden Wochen" festgelegt werden, hieß es in der | |
Erklärung. Eine europaweite Lösung für die freiwillige Laufzeitverlängerung | |
ist kompliziert. | |
Die 17 obersten Kassenhüter begrüßten die Annahme von Papandreous Sparplan | |
von 78 Milliarden Euro im Athener Parlament. "Die Minister rufen alle | |
politischen Parteien auf, die Grundlinien des Sparplans zu unterstützen | |
(...)", heißt es in der Erklärung. Bisher sperrt sich die konservative | |
Opposition in Athen. Die Minister forderten die Regierung auf, die | |
Sparmaßnahmen und die Privatisierungsvorhaben umzusetzen. Sie kündigten | |
eine "technische Hilfe" für Athener Behörden an. | |
## Europäischer Marshallplan für Athen | |
Die privaten Banken und Versicherer aus Deutschland wollen sich mit 2 | |
Milliarden Euro an weiteren Hilfen beteiligen. Bis 2014 fällige Anleihen | |
sollen erneut in Griechenland investiert werden. Die staatlichen | |
Abwicklungsbanken der HRE und WestLB sollen nach Schäubles Angaben weitere | |
1,2 Milliarden Euro beisteuern. Der Beitrag anderer europäischer Banken und | |
Versicherer ist dagegen noch offen. | |
Schäuble forderte zur Stärkung der griechischen Wirtschaft eine Art | |
europäischen Marshallplan. "Entscheidend ist, dass Europa stärker als | |
bisher bereit sein muss, Griechenland dabei zu unterstützen, Wachstum zu | |
generieren." Hier lägen auch "beträchtliche Aufgaben und Chancen für die | |
deutsche Wirtschaft." Nach Überzeugung der deutschen Industrie benötigt das | |
Land ein langfristiges Investitionsprogramm. | |
Durch die europäischen Hilfsmaßnahmen verlieren das hochverschuldete | |
Griechenland nach Ansicht von Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker | |
vorübergehend einen Teil seiner Souveränität. "Die Souveränität der | |
Griechen wird massiv eingeschränkt", sagte der luxemburgische | |
Ministerpräsident dem Nachrichtenmagazin Focus. | |
## "Man darf die Griechen nicht beleidigen" | |
Für die anstehenden Privatisierungen benötige Athen eine Lösung nach dem | |
Vorbild der deutschen Treuhandanstalt. Auch das griechische | |
Steuererhebungssystem funktioniere "nicht in vollem Umfang". Juncker | |
kündigte die Entsendung von Fachleuten aus den Euro-Ländern an. "Man darf | |
die Griechen nicht beleidigen. Aber man muss ihnen helfen. Sie haben sich | |
bereit erklärt, eine Expertise-Zufuhr aus der Euro-Zone anzunehmen." | |
Griechenland habe jahrelang vom Euro profitiert und "durch eigenes | |
Verschulden" die Krise ausgelöst. "Und wenn man die jetzt wieder mit | |
vereinten Kräften in Ordnung bringt, müssen die Griechen auch verstehen, | |
dass eine kollektive Antwort nötig ist", sagte Juncker. Er zeigte sich | |
zugleich überzeugt davon, dass die Anstrengungen Erfolg haben. | |
3 Jul 2011 | |
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