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# taz.de -- Israelisch-iranische Kriegsszenarien: Angriff auf den großen Unbek…
> US-Experten zeigen sich skeptisch über die Aussichten eines israelischen
> Militärschlags. Die Verteidigungskapazitäten des Iran sind ein Risiko.
Bild: Der israelische Premier Netanyahu (re.) und Verteidigungsminister Barak v…
GENF taz | Die gescheiterte Mission der IAEO im Iran könnte den Kräften in
Israel weiteren Auftrieb geben, die für Luftangriffe gegen iranische
Atomanlagen plädieren. Damit dürften sich auch die Differenzen zwischen Tel
Aviv und Washington über ein militärisches Vorgehen gegen den Iran weiter
verschärfen.
Am Sonntag hatte US-Generalstabschef Martin Dempsey Israel in einem
Interview mit dem Fernsehsender CNN zur Zurückhaltung aufgerufen: "Es wäre
zu diesem Zeitpunkt nicht weise, den Iran anzugreifen", warnte der oberste
US-Militär. Eine Attacke auf den Iran wäre "destabilisierend" und würde
"keinem langfristigen Ziel Israels dienen".
Seither veröffentlichten die New York Times und andere US-Medien die
Einschätzung führender Militär- und Geheimdienstexperten des Landes, wonach
Israels Luftstreitkräfte zumindest allein nicht in der Lage seien, die
Atomanlagen des Iran zu zerstören oder sein Nuklearprogramm auch nur
ernsthaft zurückzuwerfen. Zu den Skeptikern gehören Exgeneral David
Deptula, der die US-Luftangriffe gegen Afghanistan 2001 und gegen den Irak
im ersten Golfkrieg 1991 plante, sowie Michael Hayden, CIA-Direktor bis
2009.
Wichtigste Ziele israelischer Luftangriffe auf Iran wären die beiden
Urananreicherungsanlagen in Natans und Fordo, die Einrichtung zur
Herstellung von nuklearen Brennelementen in Isfahan sowie die
Schwerwasseranlage in Arak.
Israel besitzt zwar 125 US-Kampfflugzeuge der Typen F-15I und F-16I. Doch
selbst die kürzeste Flugroute über Jordanien und Irak betrüge hin und
zurück mindestens 2.000 Kilometer. Die Kampfflugzeuge müssten in der Luft
aufgetankt werden. Dazu reichen die acht US-Tankflugzeuge der israelischen
Luftwaffe aber nicht aus.
## Iranische Luftabwehr ein schwer kalkulierbares Risiko
Die iranische Luftabwehr ist zwar - abgesehen von 30 russischen
Boden-Luft-Raketen jüngeren Datums - nicht auf dem modernsten Stand.
Dennoch wäre sie ein schwer kalkulierbares Risiko für israelische
Kampfflugzeuge.
Die von den USA gelieferten 5.000-Pfünder vom Typ GBU-28 - sogenannte
Bunker Buster - können zwar auch extrem verstärkte Betonwände
durchschlagen. Aber unsicher ist, ob sie die zehn Meter unter der
Erdoberfläche gelegene Bunkeranlage von Natans oder gar die innerhalb eines
Berges errichtete Anlage von Fordo beschädigen oder zerstören könnten.
Zumal dann, wenn die Bombe von Israel nicht mit einem atomaren, sondern nur
mit einem konventionellen Sprengkopf bestückt würde.
Schwer kalkulierbar für die US-Militärs sind auch die Gegenschlagpotenziale
Irans und seiner möglichen Verbündeten. Zu den rund 600 - auf einer
nordkoreanischen Entwicklung basierenden - iranischen Kurzstreckenraketen
der Typen Schahab 1 und 2 mit einer Reichweite von mehreren hundert
Kilometern kommen inzwischen bis zu 50 Schahab-3-Raketen, die mit ihrer
angeblichen Reichweite von 2.000 Kilometer Israel erreichen könnten.
## Raketen aus Gaza und dem Libanon
Teherans Luftwaffe verfügt über 330 Kampfjets, davon 70 russischer Herkunft
und 180 aus US-Lieferungen aus der Zeit des Schah-Regimes bis 1979. Hinzu
kommen die Raketen, die die Hisbollah und die Hamas aus dem Südlibanon und
dem Gazastreifen gegen israelisches Territorium verschießen könnten.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud
Barak beschwerten sich beim nationalen Sicherheitsberater im Weißen Haus,
Tom Donilon, über die kritischen und Äußerungen aus Washington. Wer Israels
Angriffsfähigkeit infrage stelle, verringere den Druck auf den Iran und
erhöhe damit letztlich die Gefahr, dass es tatsächlich zu einem Krieg in
der Region kommen könne.
23 Feb 2012
## AUTOREN
Andreas Zumach
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