| # taz.de -- Kommentar Urteil Ausländerwahlrecht: Bremen liebt nur das deutsche… | |
| > Die Bremer Richter schützen Stadtteilgremien davor, dass Anwohner aus | |
| > Zürich oder Ankara mitentscheiden. Sie haben sich gegen die | |
| > Modernisierung entschieden. | |
| Bild: Der Staatsgerichtshof von Bremen lehnte das Vorhaben der Bürgerschaft ab… | |
| Nichts, keine Einzelnorm soll Bestand haben, ja noch nicht mal dem | |
| Bundesverfassungsgericht vorgelegt werden. [1][Die vom Staatsgerichtshof | |
| verfügte restlose Zurückweisung des Bremischen Gesetzesentwurfs für eine | |
| Ausweitung des Landeswahlrechts auf EU-Ausländer] ist enttäuschend. Wie | |
| kann ein Gericht sich gesellschaftlicher Veränderung so vollkommen | |
| verschließen – und ein gravierendes Gerechtigkeitsdefizit einfach so in | |
| Kauf nehmen? | |
| Denn genau das tut der Staatsgerichtshof, sogar explizit. Das Urteil räumt | |
| es selbst ein: „Zu erwägen ist, ob die Menschenwürde dazu verpflichtet, | |
| eine Kongruenz zwischen dem Wahlvolk und den dauerhaft von deutscher | |
| Staatsgewalt Betroffenen herzustellen.“ Im Klarteext: Dass etliche | |
| BürgerInnen ständig in Bremen leben, arbeiten, Steuern zahlen, aber nicht | |
| mal darüber mitbestimmen dürfen, wie die Straße heißen soll, in der sie | |
| wohnen, verletzt sehr wahrscheinlich das ehernste aller Rechte – nämlich | |
| die Unantastbarkeit der Würde des Menschen. | |
| Und das wäre schon mal eine Erwägung wert, befinden also die Bremer | |
| RichterInnen. Aber keine, die sie anstellen wollen und werden. | |
| So hat der Bremer Staatsgerichtshof beschieden, statt der Menschenwürde | |
| lieber die Stadtteilgremien davor zu schützen, dass Anwohner, die in Zürich | |
| oder Ankara geboren sind, über die Bepflanzung öffentlicher Rabatten | |
| mitentscheiden. Er schützt lieber den Volksbegriff, der, wie es im Urteil | |
| so schön heißt, aus dem frühen 19. Jahrhundert stammt, der Wiegenzeit des | |
| Nationalismus, und nichts von seiner Herkunft verloren hat. | |
| 25 Mar 2014 | |
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| ## AUTOREN | |
| Benno Schirrmeister | |
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| Bremen | |
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