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# taz.de -- Laura Dahlmeier: Der natürliche Antrieb
> Laura Dahlmeier hat gewusst, wie gefährlich die Berge sein können. Und
> doch konnte sie nicht ohne sie.
Bild: Wollte Grenzen austesten, aber nie darüber hinaus: Laura Dahlmeier
Warum nur? Eine große Sinnfrage liegt über [1][der Trauer um Laura
Dahlmeier]. Keine 32 Jahre alt ist die zweifache Olympiasiegerin im
Biathlon geworden. Da ist so viel, was sie noch hätte erleben können. Sie,
die immer gesagt hat, die Berge seien ihr Leben, hat ihr Leben am Berg
verloren. Beim Abstieg vom Leila Peak im pakistanischen Karakorum-Gebirge
ist sie auf einer Höhe von 5.700 Metern [2][von einem Steinschlag erfasst
worden]. Ein Unglück in einem extremen Gelände. Sie wusste, dass so etwas
passieren kann.
Sie wusste auch, dass ihre Entscheidung für eine zweite sportliche Karriere
als Bergsteigerin mit einer großen Sinnfrage einhergeht. Ihr hinterlegter
Wunsch, nach dem sie sich im Todesfall nicht bergen lassen wollte, um keine
Menschen in Gefahr zu bringen, zeugt davon, dass sie genau wusste, dass
passieren kann, was nun geschehen ist. Und doch war sie keine
Risikosportlerin, die von sich behauptet hätte, ihr seien Flügel gewachsen,
[3][nur weil ein Sponsor das von ihr verlangt hätte].
Wenn es in einer Wand besonders schwierig wurde, wenn die Wetterbedingungen
in der Höhe sich geändert haben, wenn sie sich körperlich unwohl gefühlt
hat, da habe sie sich schon gefragt: „Ja, was mache ich hier eigentlich?“
So hat sie es mal in einem Podcast gesagt.
Aber der Lohn für die Schinderei, für all ihr extremes Tun sei immer groß
genug gewesen. Sie brauche den Sport, sie brauche die Berge, hat sie
gesagt. In große Worte fassen, warum die Berge eine derartige Faszination
auf sie ausgeübt haben, konnte sie nicht. Den Antrieb zu beschreiben, der
Menschen dazu bringt, durch menschenfeindliches Gelände im Gebirge immer
weiter nach oben zu streben, ist vielleicht nicht wirklich möglich. Sie
hatte ihn jedenfalls.
## Nie in die Jagd auf 8.000er eingestiegen
Und auch wenn Laura Dahlmeier sich entschieden hat, zu den großen Bergen im
Himalaja, dem Pamir oder dem Karakorum aufzubrechen, so gehörte sie nicht
zu jenen von Sponsoren und einem sensationslustigen Publikum angetriebenen
Rekordjägerinnen, die für ein bisschen Ruhm ihr Leben aufs Spiel setzen. In
die Jagd nach den 8.000ern ist sie nie eingestiegen, hat das Spektakel
darum immer abgelehnt. Einer schweren Klettertour durch die Felswände der
Marmolata in den Dolomiten konnte sie ebenso viel abgewinnen wie ihrer
Expedition zu den 7.000ern in Tadschikistan.
Sicher wäre sie 2023, als sie dort mit ihrem fünf Jahre jüngeren Bruder im
Pamir-Gebrige unterwegs war, gerne auf den Gipfel des knapp 7.500 Meter
hohen Pik Korschenewskaja gelangt. Doch ihre Füße waren kalt. Statt den
Gipfel mitzunehmen, entschied sie sich umzukehren. Sie wollte ihre Zehen
nicht für ein Foto bei Instagram opfern. Auch das gehört zur Geschichte der
Extrembergsteigerin Dahlmeier. Ja, sie ist bis an ihre Grenzen gegangen,
überschreiten wollte sie diese nicht.
## Austesten der Leistungsgrenze
An die Grenzen zu gehen, das gehörte für sie nicht erst, seit sie mit 19
Jahren in den Weltcup eingestiegen ist, zum Alltag. Andere an ihre Grenzen
heranzuführen, das war ihr Job als Bergführerin. Oft hat sie davon erzählt,
wie stolz die Bergfreunde waren, wenn sie nach einer von Dahlmeier
geführten Tour etwas geschafft hatten, was sie sich zuvor nicht zugetraut
hatten. Das Austesten der eigenen Leistungsgrenze ist etwas zutiefst
Menschliches.
Eine Athletin wie Dahlmeier musste weit und hoch klettern, um an ihre
Grenzen zu kommen. Weiter und höher als fast alle anderen Menschen. Das hat
sie am Ende das Leben gekostet.
1 Aug 2025
## LINKS
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## AUTOREN
Andreas Rüttenauer
## TAGS
Nachruf
Extremsport
Bergsteigen
Biathlon
Alpinismus
Unglück
Mount Everest
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