| # taz.de -- Paul Rusesabagina in Ruanda vor Gericht: Bewaffneter Kampf bestäti… | |
| > Der als Filmheld berühmt gewordene „Mille-Collines“-Chef Paul | |
| > Rusesabagina bestätigt vor Gericht die Mitgründung einer bewaffneten | |
| > Gruppe. | |
| Bild: Paul Rusesabagina auf dem Weg zurück in die Haftanstalt nach der Gericht… | |
| Berlin taz | In rosaroter Gefängniskluft samt pinkfarbener Gesichtsmaske | |
| saß Paul Rusesabagina am Freitag vor den Richtern in Ruandas Hauptstadt | |
| Kigali. Gemeinsam mit seinen Anwälten wollte der Oppositionelle, berühmt | |
| geworden durch seine Darstellung als Held im Film „Hotel Rwanda“ über den | |
| Völkermord an Ruandas Tutsi, den Beschluss anfechten, ihn 30 Tage in | |
| Untersuchungshaft zu behalten. | |
| Der 66-Jährige sei krank und benötige medizinische Versorgung, so die | |
| Begründung. Seit seiner Verhaftung Ende August sei Rusesabagina bereits | |
| drei Mal ins Krankenhaus eingeliefert worden. Hinter seiner Gesichtsmaske | |
| machte Rusesabagina einen gebrechlichen Eindruck. Die Richter verschoben | |
| die Entscheidung über eine mögliche Entlassung auf Kaution auf Freitag | |
| dieser Woche. | |
| [1][Paul Rusesabagina] wurde 2004 im oscarprämierten Hollywoodfilm „Hotel | |
| Ruanda“ als Held porträtiert: Er habe während des Völkermords in Ruanda | |
| 1994 im Hotel „Mille Collines“ in Kigali über 1.200 Tutsi vor den | |
| marodierenden Hutu-Milizen geschützt. Zeitzeugen geben jedoch an, der | |
| Hotelmanager habe mit den Milizen draußen paktiert. Er ging während des | |
| Völkermords ins Exil und schloss sich später der Opposition gegen Ruandas | |
| heutige Regierung an – bis zu seiner Festnahme Ende August in Kigali. | |
| In einem Vorverfahren wurde Rusesabagina 13 schwerer Verbrechen angeklagt, | |
| darunter Terrorismus sowie Gründung und Finanzierung einer „gewalttätigen | |
| extremistischen Terroreinheit“, Komplizenschaft zum Mord sowie Rekrutierung | |
| von Kindersoldaten – Beschuldigungen, die ihm bei Verurteilung 25 Jahre | |
| Haft einbringen könnten. | |
| ## „Wir haben die FLN gegründet“ | |
| Rusesabagina gibt vor Gericht zu, die Exilorganisation MRCD (Ruandische | |
| Bewegung für demokratischen Wandel) mitgegründet zu haben – weist jedoch | |
| Verantwortung für die Gewalttaten des bewaffneten MRCD-Flügels FLN | |
| (Nationale Befreiungsfront) von sich. „Die MRCD war eine Koalition von vier | |
| Oppositionsparteien“, so Rusesabagina in seiner Einlassung. Seine eigene | |
| Partei PDR-Ihumure (Partei für Demokratie) sei als Mitglied dieser | |
| Koalition für die weltweiten diplomatischen Beziehungen zuständig gewesen. | |
| „Wir haben die FLN (Nationale Befreiungsfront) als bewaffneten Flügel, | |
| nicht als Terrorgruppe gegründet, wie das die Staatsanwaltschaft uns | |
| vorwirft“, so Rusesabagina: „Ich bestreite nicht, dass die FLN Verbrechen | |
| begangen hat, aber meine Arbeit war unter dem politischen Flügel und ich | |
| war für die Diplomatie zuständig.“ Für die Taten der FNL seien allein | |
| deren Anführer verantwortlich. | |
| Die FNL hatte sich im Jahr 2018 zu einem [2][Überfall auf einen Reisebus im | |
| Nyungwe-Wald] im Süden Ruandas nahe der Grenze zu Burundi bekannt. Dabei | |
| wurden neun Fahrgäste getötet. FNL-Kommandeur Callixte Nsabimana steht | |
| derzeit in Ruanda vor Gericht. Rusesabagina gibt zu, ihm 20.000 Euro | |
| überwiesen zu haben, jedoch als „persönliche Unterstützung eines Freundes, | |
| nicht für Rebellentätigkeiten“. | |
| Rusesabaginas Familie, die im Exil in Belgien lebt, bezweifelt, dass ihm in | |
| Ruanda ein faires Verfahren gemacht werde: „Wir sind besorgt, dass sie ihn | |
| umbringen“, so dessen Tochter Carine Kanimba. Ihr Vater sei „entführt“ | |
| worden. | |
| ## Auf dem Weg nach Burundi umgeleitet | |
| Tatsächlich sind die Umstände, unter welchen Rusesabagina in Haft geriet, | |
| seltsam. In einem [3][Interview aus der Haft] erklärte er: Er sei aus den | |
| USA nach Dubai geflogen. Von dort wollte er mit einem angemieteten | |
| Privatjet nach Burundi, Ruandas Nachbarland. Ein burundischer Pfarrer hatte | |
| ihn eingeladen, dort einen Vortrag zu halten. Stattdessen landete er in | |
| Kigali, wo Soldaten ihn auf der Landebahn aus dem Jet zerrten. | |
| „Ich war irgendwohin gebracht worden, doch ich weiß nicht, wohin“, | |
| berichtete er. „Ich war gefesselt: meine Beine, meine Hände. Mein Gesicht | |
| war verhüllt, ich konnte nichts sehen.“ | |
| Als er sich dann in Untersuchungshaft wiederfand, sei er jedoch „sehr gut | |
| behandelt worden“, sagt er. „Ich kann mich über nichts beschweren.“ | |
| 27 Sep 2020 | |
| ## LINKS | |
| [1] /Ruandas-beruehmter-Regimekritiker-in-Haft/!5706783/ | |
| [2] /Ruanda-und-Burundi-im-Clinch/!5559045/ | |
| [3] https://www.nytimes.com/2020/09/17/world/africa/paul-rusesabagina-rwanda-in… | |
| ## AUTOREN | |
| Simone Schlindwein | |
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