| # taz.de -- Israel, die USA und das China-Problem: „Entweder die Chinesen ode… | |
| > Chinesische Unternehmen investieren in israelische Infrastrukturprojekte | |
| > wie den Hafen von Haifa. Das alarmiert die USA. | |
| Bild: Auch der Hafen in Ashdod wird mit chinesischer Hilfe gebaut | |
| Jerusalem taz | Israel Katz, Minister für Transport und Nachrichtendienste, | |
| steht vor einer der vielleicht schwierigsten Hürden seiner Karriere. Seit | |
| acht Jahren schon hält der Likud-Politiker die Zügel beim Ausbau des | |
| Straßen- und Schienennetzes, beim Flugverkehr und beim Management der Häfen | |
| in den Händen. | |
| In dieser Zeit verfolgte Katz eine „enthusiastische Pro-China-Politik“, wie | |
| die Wirtschaftszeitung Globes schreibt. Als Höhepunkt der Zusammenarbeit | |
| mit Peking gilt die Einigung mit der staatlichen Shanghai International | |
| Port Group (SIPG), die in den kommenden 25 Jahren den Hafen von Haifa | |
| betreiben soll. Problematisch für Katz ist, dass US-Präsident Donald Trump | |
| sein Vertrag mit den Chinesen nicht gefällt. | |
| Aus Sicherheitsbedenken warnt das Pentagon Israel vor der Zusammenarbeit am | |
| Hafen und anderen Infrastrukturprojekten. Das Thema stand ganz oben auf der | |
| Agenda des Nationalen Sicherheitsberaters John Bolton, als er Anfang Januar | |
| nach Jerusalem reiste, um die Dringlichkeit des US-amerikanischen Anliegens | |
| deutlich zu machen. Die Marine der USA legt regelmäßig in Haifa an. Laut | |
| Haaretz ist die Forderung des Weißen Hauses ultimativ: „Entweder die | |
| Chinesen oder wir“, so berichtet das liberale Blatt unter Berufung auf | |
| „hohe Regierungsbeamte“. | |
| Nach Ansicht von Dan Galai, Dozent für Bank- und Finanzwesen an der | |
| Hebräischen Universität Jerusalem, sind die Sicherheitsbedenken der USA | |
| ernst zu nehmen. „Wirtschaftlich ist Israel mit seinen nur acht Millionen | |
| Einwohnern für die USA nicht von Interesse.“ Strategisch hingegen sei | |
| „Aufmerksamkeit angebracht“, wenn chinesische Unternehmen in Israel | |
| investieren und „beim Kauf von Cyber-Technologie in den Besitz geheimer | |
| Informationen geraten“. | |
| Die Investitionen Chinas in den Hafen von Haifa müssten zudem in Verbindung | |
| mit dem Obor-Programm gesehen werden – „One Belt, One Road“–, mit dem C… | |
| ein über mehr als 60 Staaten umfassendes Netz von Straßen und Seewegen | |
| aufbaut. Diese „neue Seidenstraße“, wie das Projekt auch heißt, „macht … | |
| Amerikanern Angst“, meint der israelische Finanzexperte. | |
| Auch in Israel häufen sich die kritischen Stimmen gegenüber Katz und dessen | |
| Liaison mit den Chinesen. So forderte Nadav Argaman, Chef des inländischen | |
| Geheimdienstes Shin Beth, jüngst gesetzliche Kontrollmechanismen für | |
| ausländische Investitionen. Vorläufig gibt es nur für die Rüstungsindustrie | |
| und für Bezeq, Israels wichtigstes Telekommunikationsunternehmen, | |
| gesonderte Sicherheitsvorschriften. | |
| Bereits vor fünf Jahren ging Tnuva, das Unternehmen, das über 70 Jahre lang | |
| die landwirtschaftlichen Produkte der Kibuzzim vermarktete, in chinesischen | |
| Besitz über. Außer am Hafen von Haifa sind chinesische Firmen noch an der | |
| im Bau befindlichen Stadtbahn von Tel Aviv und vielen anderen | |
| Infrastruktur-Projekten beteiligt. Laut Bericht der Haaretz wurde hingegen | |
| der Verkauf zweier Versicherungsunternehmen „aus Sorge vor ausländischer | |
| Kontrolle über israelisches Kapital“ von staatlicher Seite unterbunden. | |
| ## Netanjahu darf es sich nicht mit Trump verderben | |
| Nicht nur Transportminister Katz bringt die Kritik an seinem | |
| China-Enthusiasmus in eine missliche Lage, auch Regierungschef Benjamin | |
| Netanjahu kommen die Forderungen aus dem Weißen Haus bezüglich der | |
| China-Geschäfte nicht gerade gelegen. Netanjahu ist sehr an guten | |
| Beziehungen zu dem finanzstarken Partner und dem stetig steigenden | |
| Handelsvolumen interessiert. Auf der anderen Seite darf er es nicht mit | |
| seinem Freund Trump verderben. | |
| Es wäre nicht das erste Mal, dass Israel infolge US-amerikanischen Drucks | |
| einen mit einem chinesischen Unternehmen getroffenen Vertrag nicht einhält. | |
| Einen schweren Dämpfer für die israelisch-chinesischen Handelsbeziehungen | |
| bedeutete die Phalcon-Affäre, die 2002 mit der Zahlung Israels von 350 | |
| Millionen US-Dollar Kompensation an China endete, „mehr als der Wert des | |
| Handels selbst“, wie Globes später berichtete. | |
| Die USA hatten mit einer Einstellung der Militärhilfe an Israel gedroht, | |
| sollten die Israel Aerospace Industries nicht den Verkauf eines eigens für | |
| China entwickelten Frühwarn- und Aufklärungsflugzeugs stoppen. | |
| Eine Aufkündigung des Vertrags über den Haifaer Hafen könnte „weitreichende | |
| Schockwellen auslösen“, kommentiert nun Dubi Ben-Gedalyahu in Globes. Viele | |
| andere Handelsbereiche, „darunter Investitionen in die Autotechnik und | |
| israelische Firmen, die in China tätig sind“, drohten davon in | |
| Mitleidenschaft gezogen zu werden. | |
| 31 Jan 2019 | |
| ## AUTOREN | |
| Susanne Knaul | |
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