# taz.de -- Italienischer Linksterrorist: Cesare Battisti in Bolivien gefasst | |
> Der italienische Terrorist lebte lange in Brasilien. Nach der Wahl | |
> Bolsonaros ist er geflohen und wurde nun von Interpol in Bolivien | |
> aufgespürt. | |
Bild: Ein Mann mit vielen Leben und vielen Freunden: Cesare Battisti (Archivbil… | |
Rom taz | Er war nur 26 Jahre alt, als er unter abenteuerlichen Umständen | |
aus dem Gefängnis Frosinone in Mittelitalien entkam, hinausbegleitet von | |
zwei Komplizen, die sich als Carabinieri verkleidet hatten. Das war 1981. | |
Seitdem ist Cesare Battisti [1][auf der Flucht vor der italienischen | |
Justiz], die in ihm nichts anderes sieht als einen Terroristen, der an vier | |
Morden Ende der 70er Jahre beteiligt gewesen sein soll. | |
Bereits als Jugendlicher kommt Battisti immer wieder mit dem Gesetz in | |
Konflikt. Mehrfach wird er in seiner Heimatstadt Latina, südlich von Rom, | |
festgenommen, unter anderem wegen Raubtaten. 1977 muss er dann ins | |
Gefängnis, weil er während seines Wehrdienstes einen Unteroffizier | |
verprügelt hat. Im Knast beginnt dann sein zweites Leben, das des linken | |
Terroristen. Damals haben in Italien Hunderte Linksradikale zu den Waffen | |
gegriffen. Die Anschläge der Brigate Rosse (BR) erschüttern das Land. | |
Höhepunkt der Gewaltserie ist die Entführung und Ermordung Aldo Moros im | |
Frühjahr 1978. | |
Dutzende Vereinigungen eifern dem großen Vorbild der BR nach. Unter ihnen | |
sind die PAC (Proletari armati per il comunismo), denen Battisti sich im | |
Gefängnis anschließt. Von 1978 bis 1979 begeht die Gruppe vier Morde, zwei | |
an Polizisten, zwei an Händlern, einem Juwelier und einem Metzger, die | |
beide in den Monaten zuvor Kriminelle beim Versuch, ihre Läden auszurauben, | |
erschossen hatten. Kurz darauf wird Battisti verhaftet. | |
Mit seiner Flucht 1981 beginnt sein drittes Leben. Neun Jahre verbringt er | |
im mexikanischen Puerto Escondido, 1990 geht er dann nach Paris. Dort hält | |
Präsident François Mitterrand seine schützende Hand über zahlreiche aus | |
Italien geflohene linke Terroristen und gewährt ihnen Exil. Battisti wird | |
Romanautor, sichert sich so seine Existenz und gewinnt intellektuelle | |
Freunde. | |
## Ein Geschenk von Bolsonaro | |
Freunde, die sich mit ihm solidarisieren, als Frankreich ihn 2004, nun | |
unter Präsident Jacques Chirac, an Italien ausliefern will. Sie stört es | |
nicht, dass Battisti bis 2006 seine Rolle in den PAC nicht kommentieren | |
will. Später wird er lediglich erklären: „Ich kann Dinge nicht bereuen, die | |
ich nicht getan habe.“ | |
Wieder kommt Battisti davon, [2][flieht Richtung Brasilien] und wieder hält | |
ein Präsident schützend die Hand über ihn. Dieses Mal ist es Lula da Silva. | |
Vier Jahre sitzt Battisti zwar im Gefängnis, weil die brasilianische Justiz | |
ihn an Italien ausliefern will, doch am Ende setzt Lula sich durch und dem | |
Italiener wird eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis erteilt. | |
Zum Verhängnis wurde ihm nun die Wahl des rechtsextremen Jair Bolsonaro zum | |
brasilianischen Präsidenten. Der hatte bereits während des Wahlkampfs | |
wissen lassen, er wolle „Italien ein Geschenk machen“. Battisti tauchte | |
umgehend unter. Jetzt aber spürte ein Interpol-Kommando den 64-Jährigen in | |
Santa Cruz del al Sierra in Bolivien auf. Mit seiner Auslieferung nach | |
Italien rechnen Experten innerhalb der nächsten Tage. Dort müsste er dann | |
eine lebenslange Freiheitsstrafe absitzen. | |
13 Jan 2019 | |
## LINKS | |
[1] /Ex-Terrorist-Battisti-wird-ausgewiesen/!5017936 | |
[2] /Aerger-zwischen-Brasilien-und-Italien/!5118960 | |
## AUTOREN | |
Michael Braun | |
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