| # taz.de -- Exilsyrerin über Anti-IS-Koalition: „Mit Assad funktioniert das … | |
| > Frankreich will den IS bekämpfen, zusammen mit dem syrischen Machthaber. | |
| > Joumana Seif über Alternativen, die Rolle Deutschlands und Optimismus. | |
| Bild: Menschen laufen durch zerstörte Straßen in Damaskus | |
| taz: Frankreich zieht in den Krieg gegen den IS – an der Seite von Assad. | |
| Was halten Sie davon? | |
| Joumana Seif: Das ist nicht logisch – mit Assad zusammen zu arbeiten, der | |
| die Ursache für den Terror in Syrien ist. Am Anfang des Aufstands hat er | |
| Hunderte von Kriminellen und radikalen Islamisten aus seinem Gefängnissen | |
| entlassen, aber friedliche Demonstranten eingesperrt. Nach internationalem | |
| Recht ist er ein Kriegsverbrecher, der Zivilisten bombardiert und Städte | |
| zerstört. Wenn der Westen jetzt Assad zur Seite springt, stärkt das seine | |
| Position und seine Behauptung, dass es keine Alternative zu ihm gibt. | |
| Was wäre die Alternative? | |
| Es muss eine politische Lösung geben, ohne Assad. Dann würden die syrische | |
| Armee und Rebellen gemeinsam gegen den IS kämpfen. Aber so lange Assad an | |
| der Macht bleibt, werden sie das nicht tun. | |
| Hängt das nur von seiner Person oder seiner Familie ab? | |
| Es geht um die Hauptverantwortlichen für das Morden – für die 50 bis 100 | |
| Leute, welche die Befehle dafür erteilt haben. Syrien muss sich von einer | |
| Diktatur zu einem demokratischen Land wandeln, das ein gutes Verhältnis zu | |
| all seinen Nachbarstaaten pflegt. Das sollte im Interesse der Welt liegen. | |
| Auch Russland sollte einsehen, dass Assad nicht seinen Interessen dient – | |
| und dass der Kreml keinen Interessenkonflikt mit dem syrischen Volk hat. | |
| Was kann Deutschland tun? | |
| Wir sind Deutschland sehr dankbar. Auf der humanitären Ebene hat es ein | |
| gutes Engagement gezeigt. Aber es hat auch die Macht, sich stärker für eine | |
| politische Lösung und einen fairen Frieden einzusetzen, es hat Einfluss auf | |
| Russland und Europa. | |
| Und was kann die syrische Opposition im Exil tun? | |
| Die Hälfte der syrischen Bevölkerung ist ins Ausland geflohen. Hier setzen | |
| wir uns für politische Lösung ein, um Syriens Übergang von einer Diktatur | |
| zu einem Rechtsstaat vorzubereiten. Diese Bemühungen sind wichtig. Wir | |
| haben den Willen und die Kraft, ein neues Syrien aufzubauen. | |
| Haben Sie noch Optimismus? | |
| Natürlich. Aber die internationale Gemeinschaft muss jetzt handeln. Niemand | |
| in Syrien wird gegen den IS kämpfen, so lange Assad an der Macht bleibt. | |
| Das ist nicht akzeptabel. Aber wenn es eine politische Lösung gäbe, wäre | |
| das anders. Dann würde sich der IS nicht in Syrien halten können. | |
| 27 Nov 2015 | |
| ## AUTOREN | |
| Daniel Bax | |
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