| # taz.de -- Gasstreit: Russland dreht Weißrussen Pipeline zu | |
| > Erneut eskaliert der Streit um Gaspreise zwischen Russland und | |
| > Weißrussland. Ab Freitag will die staatliche Gazprom die Lieferungen an | |
| > das Nachbarland halbieren. | |
| Bild: Steht am kürzeren Hahn: Weißrussischer Gaswerker an einer Kompressorsta… | |
| MOSKAU reuters Russland droht im Zahlungsstreit mit Weißrussland, erneut | |
| den Gashahn zuzudrehen. Wegen unbeglichener Gasrechnungen in Höhe von | |
| umgerechnet 340 Millionen Euro würden die Lieferungen von Freitag an um | |
| knapp die Hälfte gedrosselt, teilte der staatliche Gasmonopolist Gazprom am | |
| Mittwoch mit. Die Exporte ins übrige Europa würden aber beibehalten. Eine | |
| Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte, es gebe derzeit keine Anzeichen für | |
| eine Beeinträchtigung der Versorgungssicherheit. Die EU bezeichnete die | |
| Entwicklung als sehr ernst. Ein Kommissionssprecher forderte beide Seiten | |
| auf, den Konflikt zeitnah beizulegen. | |
| "Weißrussland hat bislang nichts angeboten, um den Schuldenstreit zu lösen, | |
| was wir als Verstoß gegen frühere Vereinbarungen ansehen", sagte | |
| Gazprom-Sprecher Sergej Kuprijanow in Moskau. "Sie haben das Geld, wir | |
| verstehen nicht, warum sie die Schulden nicht zurückzuzahlen." Die | |
| Gaslieferungen nach Weißrussland würden daher um 45 Prozent verringert. Das | |
| Gas für die Kunden im übrigen Europa würden aber weiter über die | |
| Transitpipeline durch Weißrussland gepumpt. Sollte das Land daraus Gas | |
| abzapfen, werde Gazprom alternative Pipelines nutzen und Weißrussland | |
| verklagen. Darüber habe das Unternehmen Kunden in mehr als 20 europäischen | |
| Ländern informiert. | |
| Gazprom hatte bereits im vergangenen Jahr wegen eines Streits über | |
| Preiserhöhungen die Gaslieferungen für seinen eigentlich engen Verbündeten | |
| Weißrussland gestoppt. Zuvor gab es einen ähnlichen Konflikt mit der | |
| Ukraine. Dies führte jeweils auch zu Unterbrechungen der Lieferungen ins | |
| übrige Europa. Seitdem gibt es in der EU eine verstärkte Debatte, um die | |
| Abhängigkeit von russischer Energie abzubauen. Europa bezieht rund ein | |
| Viertel seines Erdgases aus Russland. In Deutschland liegt der Anteil sogar | |
| bei einem Drittel. Allerdings liefert Gazprom nur etwa 20 Prozent seiner | |
| europäischen Gas-Exporte über Weißrussland. | |
| Ob es zu einer raschen Lösung des Streits kommen könne, sei unklar, | |
| erklärte Weißrussland. "Die Gespräche gehen weiter", sagte ein Sprecher des | |
| Energieministeriums in Minsk. Bis zum Freitag sei aber wohl kein Ende der | |
| Gaskrise in Sicht. Weißrussland hatte Russland um mehr Zeit zum Begleichen | |
| der Schulden gebeten und um einen Kredit ersucht. Experten zufolge verfügt | |
| Weißrussland aber über genügend Geld, um die höheren Preise zu bezahlen. | |
| Das Vorgehen der Regierung in Minsk bezeichnen sie deshalb als Taktik, um | |
| günstigere Konditionen auszuhandeln. | |
| Gazprom hatte nach langem Streit Anfang des Jahres den Gaspreis für | |
| Weißrussland mehr als verdoppelt, der Regierung aber einen Aufschub von | |
| sechs Monaten gegeben, innerhalb denen nur der halbe Preis fällig wird. | |
| Mitte Juli hatte Weißrussland die Zahlungsfrist für seine seit Jahresbeginn | |
| aufgelaufenen Erdgas-Rechnungen verstreichen lassen. | |
| 1 Aug 2007 | |
| ## TAGS | |
| BASF | |
| ## ARTIKEL ZUM THEMA | |
| Gas aus Sibirien: Wintershall hält Russland die Treue | |
| Für die BASF-Tochter Wintershall bleibt Gazprom der wichtigste | |
| Handelspartner. Trotz der Ukraine-Krise soll das Geschäft noch ausgeweitet | |
| werden. | |
| Gasstreit: Russland gewährt Gnadenfrist | |
| Weißrussland zahlt einen Teil seiner Energierechnung an Gazprom - und | |
| bekommt eine neue Drohfrist. Bis 10. August soll der Rest beglichen werden, | |
| sonst will Russland die Gaslieferung drosseln. | |
| Kommentar: Bankrott eines Diktators | |
| Billige Energie vom Bruderland, das war lange das Erfolgsrezept | |
| Lukaschenkos. So finanzierte der Weißrusse sein Regime. Nun macht Moskau | |
| Druck - aber nicht zugunsten der Demokratie |