# taz.de -- Krise in Elfenbeinküste: Es kann nur einen geben | |
> Ein Vermittlungsversuch zwischen den Kontrahenten der ivorischen Wahl ist | |
> gescheitert. Mit steigendem außenpolitischen Druck wächst die Gefahr | |
> eines militärischen Umsturzes. | |
Bild: Die Proteste nach dem unklaren Wahlausgang in Elfenbeinküste halten vor … | |
Selten schien eine Krise so unlösbar wie die in der Elfenbeinküste. Es kann | |
nur einer das Land führen: Alassane Ouattara oder Laurent Gbagbo. Laut dem | |
offiziellen Ergebnis der Stichwahl vom 28. November erreichte Ouattara 54 | |
Prozent gegenüber 46 für Gbagbo, aber Amtsinhaber Gbagbo ließ dieses | |
Ergebnis vom Verfassungsgericht annullieren. Seitdem halten sich beide für | |
den rechtmäßigen Präsidenten der Elfenbeinküste. | |
Am Montag scheiterte ein Versuch des südafrikanischen Expräsidenten Thabo | |
Mbeki, im Auftrag der Afrikanischen Union (AU) zwischen Gbagbo und Ouattara | |
zu vermitteln. Am gestrigen Dienstag sollte nun die Westafrikanische | |
Wirtschaftsorganisation (Ecowas) auf einem Sondergipfel in Nigerias | |
Hauptstadt Abuja beraten: Das ivorische Friedensabkommen von 2007, das die | |
Wahlen dieses Jahres möglich machte, hatte Burkina Faso ausgehandelt. | |
Auch die EU will am Donnerstag über gezielte personengebundene Sanktionen | |
gegen Gbagbo beraten, und die Bundesregierung entsandte gestern den | |
Afrikabeauftragten des Auswärtigen Amtes, Walter Lindner, in die | |
Elfenbeinküste. | |
Auf internationalen Druck reagieren beide Lager in der Elfenbeinküste | |
empfindlich. Sowohl Gbagbo als auch Ouattara wiesen Mbeki in die Schranken, | |
als sie seinen Aufenthalt dazu nutzten, um jeweils eine Regierung zu bilden | |
und damit ihren Machtanspruch zu bekräftigen. | |
Informierte Kreise berichten, Mbeki habe Gbagbo angeboten, ihn im Falle | |
eines Eingeständnisses seiner Wahlniederlage von einer Verfolgung durch den | |
Internationalen Strafgerichtshof zu verschonen und ihm auch einen Posten in | |
einer Regierung Ouattara zu geben. Dies habe Gbagbo abgelehnt. | |
Der Wahlsieger Ouattara lehnte den Vorschlag ab, ähnlich wie bei früheren | |
Wahlstreitfällen in Simbabwe und Kenia, den Posten des Premierministers in | |
einer Regierung der Nationalen Einheit unter Präsident Gbagbo zu | |
akzeptieren. | |
Wenn das Ausland nichts bewegt, sind die Ivorer am Zug, und zur | |
Durchsetzung des Wahlergebnisses ist dann nur die Option des Umsturzes | |
durch Rebellen oder Militärs in Sicht. In diesem Fall dürften die rund | |
9.000 UN-Soldaten in der Elfenbeinküste sowie die rund 900 französischen | |
Soldaten stillhalten. | |
Die UN-Mission in der Elfenbeinküste (Unoci) kann nur zum unmittelbaren | |
Schutz gefährdeter Zivilisten militärisch aktiv werden, nicht zur Trennung | |
kämpfender Kriegsparteien. Die Franzosen, die in der Elfenbeinküste weithin | |
verhasst sind, werden sich hüten, erneut zu den Waffen zu greifen. Das | |
taten sie zuletzt 2004, als sie in Abidjan Gbagbo-treue Demonstranten | |
erschossen und danach tausende der in der Elfenbeinküste lebenden Franzosen | |
außer Landes schaffen mussten. | |
Doch als neutral gilt die UN-Mission in der Elfenbeinküste nicht. Sie hat | |
Ouattaras Sieg anerkannt, ihre Soldaten schützen das Hotel du Golfe, den | |
faktischen Regierungssitz von Präsident Ouattara und Premierminister | |
Guillaume Soro in Abidjan. Auch der UN-Sicherheitsrat verhielt sich am | |
Mittwochabend entsprechend: "Die Mitglieder des Sicherheitsrats fordern | |
alle Beteiligten auf, den Wahlausgang anzuerkennen", erklärte das Gremium | |
in New York. Zugleich werde "jeder Versuch, den Willen des Volkes zu | |
untergraben" oder "die freien und fairen Wahlen in Elfenbeinküste zu | |
unterlaufen" aufs Schärfste verurteilt. | |
Gbagbo-treue ivorische Medien machen heftig Stimmung gegen die UNO und | |
gegen die internationale Gemeinschaft insgesamt. Die ivorischen Rebellen | |
der FN (Forces Nouvelles) im Norden des Landes wiederum organisieren | |
Solidaritätsdemonstrationen für die UNO. | |
Zum Selbstschutz hat die Unoci bereits begonnen, Personal außer Landes zu | |
bringen. 460 "nichtessenzielle" UN-Mitarbeiter werden seit gestern in den | |
Kleinstaat Gambia ausgeflogen. Angaben der ivorischen Opposition zufolge | |
sind seit der Stichwahl 59 Menschen durch politische Gewalt getötet worden. | |
7 Dec 2010 | |
## AUTOREN | |
Dominic Johnson | |
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