| # taz.de -- Iren wählen die Regierung ab: Machtwechsel, kein Richtungswechsel | |
| > Die rechtskonservative Fine Gael wird stärkste Kraft in Irland und wohl | |
| > mit Labour koalieren. Enda Kenny wird Premierminister. Und es gibt einen | |
| > nennenswerten linken Block. | |
| Bild: Gratulationen von allen Seiten: Premierminister in spe Enda Kenny genieß… | |
| DUBLIN taz | Die Iren haben sich angesichts der schweren Finanzkrise für | |
| einen Machtwechsel, aber gegen einen Richtungswechsel entschieden. Stärkste | |
| Partei im neuen Dáil, wie das irische Parlament heißt, wird die | |
| rechtskonservative Fine Gael, die 36,1 Prozent der Erststimmen erhielt und | |
| mit Enda Kenny den nächsten Premierminister stellen wird. Sie löst die | |
| ebenfalls konservative Fianna Fáil ab, die mit 17,4 Prozent ihr | |
| schlechtestes Ergebnis seit der Parteigründung einfuhr. Die Labour Party | |
| hingegen war mit 19,4 Prozent erfolgreicher denn je. Sinn Féin kam auf 9,9, | |
| die unabhängigen Kandidaten auf 15,2 Prozent. | |
| Das sagt wenig über die Sitzverteilung aus. Die Iren machen kein Kreuzchen, | |
| sondern nummerieren die Kandidaten in der Reihenfolge ihrer Präferenz. | |
| Scheidet der an eins gesetzte Kandidat aus, weil er zu wenig Stimmen hat, | |
| werden diese Stimmen auf die Nummer zwei, dann auf die drei usw. | |
| übertragen. | |
| Sonntagabend wurde noch gezählt. Die Prognosen deuteten auf 76 Sitze für | |
| Fine Gael. Das reicht nicht, um allein im 166-köpfigen Parlament zu | |
| regieren. So wird man wohl eine Koalition mit Labour eingehen, die 36 Sitze | |
| erhält. Damit hätte die Regierung eine stattliche Mehrheit und wäre nicht | |
| auf unabhängige konservative Kandidaten angewiesen, die sich ihre | |
| Unterstützung durch Zuwendungen an ihre Wahlkreise bezahlen ließen. | |
| Die United Left Alliance, ein Bündnis linker Organisationen, stellt fünf | |
| Abgeordnete, darunter den EU-Ageordneten Joe Higgins sowie Joan Collins. | |
| Hinzu kommen einige unabhängige Linke sowie 12 Sinn-Féin-Abgeordnete um | |
| Parteipräsident Gerry Adams, so dass zum ersten Mal ein nennenswerter | |
| linker Block im Parlament vertreten sein wird. | |
| Fianna Fáil ist für ihre katastrophalen Fehlentscheidungen bei der | |
| Bankenrettung abgestraft worden. Die Partei hat rund ein Drittel ihrer | |
| Abgeordneten verloren und kommt nur noch auf 25 Sitze. In Dublin ist von | |
| den 13 Abgeordneten nur einer übrig geblieben - der bisherige | |
| Finanzminister Brian Lenihan. Die bisherige Vize-Premierministerin Mary | |
| Coughlan sowie die Vize-Parteichefin Mary Hanafin sind die prominentesten | |
| Opfer. Die Grünen, der bisherige Koalitionspartner von Fianna Fáil, spielen | |
| in der irischen Politik vorerst keine Rolle mehr. | |
| Die Regierung erbt ein Land, dass aufgrund der hohen Bankenschulden, die | |
| von den Steuerzahlern übernommen werden sollen, vor dem Staatsbankrott | |
| steht. An dem Sparkurs ihrer Vorgänger will sie deshalb nichts ändern. Das | |
| hat EU-Währungskommissar Olli Rehn schon am Tag vor der Wahl verlangt: Der | |
| Vertrag über die Finanzhilfen und das Sparbudget sei mit der Republik | |
| Irland geschlossen worden, nicht mit der alten Regierung. | |
| 27 Feb 2011 | |
| ## AUTOREN | |
| Ralf Sotscheck | |
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