| # taz.de -- Gaddafi verdankt seine Macht EU-Waffen: Die Zeit arbeitet für Gadd… | |
| > Die Niederschlagung des Aufstands in Libyen wird den historischen | |
| > Umbruchsprozess in Nordafrika und im Mittleren Osten vielleicht | |
| > verlangsamen, aber nicht stoppen. | |
| Bild: Rüstungsausgaben: Friedensforscher ermitteln geringste Rate seit 2001. | |
| Nachdem die Arabische Liga bei ihrem Treffen in Kairo am Wochenende den | |
| UN-Sicherheitsrat dazu aufgefordert hatte, eine Flugverbotszone über Libyen | |
| zu verhängen, nahm dieser am Montagnachmittag seine Beratungen zu dieser | |
| Frage auf. Eine Entscheidung für die Einrichtung einer Flugverbotszone galt | |
| allerdings schon zuvor als höchst unwahrscheinlich: Nicht nur wegen | |
| grundsätzlicher völkerrechtlicher Einwände der beiden ständigen Vetomächte | |
| China und Russland sowie des sehr gewichtigen, nichtständigen Ratsmitglieds | |
| Indien. Sondern auch wegen anhaltender Bedenken seitens der USA und des | |
| nichtständigen Mitglieds Deutschland. | |
| Tatsächlich bleiben auch nach dem - keineswegs einstimmig gefassten - | |
| Beschluss der Arabischen Liga "noch viele Fragen offen", wie | |
| Bundesaußenminister Guido Westerwelle und Vertreter der | |
| Obama-Administration unisono feststellten. Die Resolution der Liga ist | |
| widersprüchlich, da sie zugleich mit der Forderung nach einer | |
| Flugverbotszone "jegliche ausländische Intervention" in Libyen ablehnt. | |
| Doch "eine Flugverbotszone ist eine militärische Intervention" - da hat | |
| Westerwelle nun mal recht. | |
| Offen ist bislang auch noch, wie sich die drei afrikanischen Ratsmitglieder | |
| Nigeria, Gabun und Südafrika verhalten werden, nachdem sich die | |
| Afrikanische Union letzte Woche gegen eine Flugverbotszone ausgesprochen | |
| hatte. Mit Aufmerksamkeit registriert wird bei der UNO auch, dass das | |
| Nato-Mitglied Türkei gestern einen Einsatz der Allianz in Libyen abgelehnt | |
| hat. | |
| Doch selbst wenn der Sicherheitsrat wider Erwarten eine Flugverbotszone | |
| verhängen würde, hätte dies wahrscheinlich keinen Einfluss auf den Ausgang | |
| des Bürgerkriegs in Libyen. Denn um die Durchsetzung eines Flugverbotes | |
| vorzubereiten, brauchen die Militärs von USA und Nato zwei bis drei Wochen. | |
| Und bis dahin - vielleicht sogar bereits bis Ende dieser Woche - könnten | |
| die hoch überlegenen Streitkräfte des Gaddafi-Regimes das ganze Land längst | |
| wieder unter ihre Kontrolle gebracht haben. Das verdanken sie ihren Waffen | |
| und ihrer Ausrüstung, die vor allem aus Staaten der EU und aus Russland | |
| stammen. | |
| Dann kann die "Erkundungsmission", deren Entsendung nach Libyen die | |
| EU-Außenminister am Wochenende beschlossen haben, ihren Aufenthalt in | |
| Tripolis schon wieder dazu nutzen, eine erneute Normalisierung der | |
| Beziehungen zu Gaddafi in die Wege zu leiten. Besser wäre es gewesen, mit | |
| einer Öffnung der europäischen Grenzen für Flüchtlinge aus Libyen auf die | |
| allgemein bekannte humanitäre Notlage dort zu reagieren. | |
| Die Niederschlagung dieses Aufstands in Libyen wird den historischen | |
| Umbruchsprozess in Nordafrika und im Nahen und Mittleren Osten vielleicht | |
| verlangsamen, aber nicht stoppen. Die Dynamik der Bestrebungen für | |
| Freiheit, Menschenrechte und Demokratie wird ausnahmslos alle Länder der | |
| Region erreichen und deren despotische Regime überwinden. Die westlichen | |
| Demokratien können bestenfalls Einfluss darauf nehmen, wie viel Blut in | |
| diesem Umbruchsprozess noch fließen muss - und wie viel ihrer | |
| Glaubwürdigkeit sie noch verlieren wollen. | |
| 15 Mar 2011 | |
| ## AUTOREN | |
| Andreas Zumach | |
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