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# taz.de -- Unruhen in Syrien: Rätsel um verschwundene Bloggerin
> Die Geschichte von Amina Arraf berührte Menschen überall auf der Welt.
> Nun sind Zweifel aufgekommen, ob die junge Frau überhaupt existiert.
Bild: Frauen in Jordanien demonstrieren gegen das syrische Regime.
BERLIN taz | Es ist eine Geschichte, die sich ideal eignet, um zu
illustrieren, was derzeit in Syrien geschieht: Eine unerschrockene junge
Frau mit doppelter Staatsbürgerschaft, die offen lesbisch in Damaskus lebt,
und den Repressionen der Sicherheitsdienste ihre offenen, eindringlichen
Worte entgegenstellt. Mit ihrem Blog [1][Damascus Gay Girl] hat Amina
Abdallah Arraf Menschen überall auf der Welt berührt.
Am Montag Abend gab eine Frau, die sich Rania Ismail nannte und als Aminas
Cousine bezeichnete, bekannt, Arraf sei auf offener Straße verschleppt
worden, vermutlich vom syrischen Geheimdienst. Umgehend formierten sich auf
Facebook Gruppen, die sich für ihre Freilassung einsetzten. Medien in aller
Welt, darunter der Guardian, CNN, Al Jazeera, und auch die taz, berichteten
über ihr Schicksal.
Doch unterdessen mehren sich die Ungereimtheiten. Zunächst meldete sich
eine junge Kroatin in London zu Wort: Die Bilder, die auf Facebook
verbreitet wurden, zeigten nicht Amina Arraf, sondern sie selbst. Die Fotos
seien von ihrem Profil gestohlen worden. Eine Kanadierin namens Sandra
Bagaria, die sich bislang als ihre Partnerin ausgegeben hatte, räumte nun
ein, sie habe immer nur über E-Mail mit Arraf kommuniziert.
Niemandem ist es bisher gelungen, mit ihrer Familie in Kontakt zu treten.
Zudem gibt es einen [2][weiteren Blog unter ihrem Namen]. Der Blog mische
reale und fiktive Texte, schreibt die Autorin. Darin waren schon vor Jahren
Einträge zu lesen, die nun erneut auf "Damascus Gay Girl" erschienen.
Da Arraf auch einen amerikanischen Pass haben soll, versucht die
US-Botschaft in Syrien, Näheres über sie zu erfahren – bislang ohne Erfolg.
All dies bedeutet noch nicht, dass Amina Arraf nicht existiert. Aktivisten
in Syrien weisen darauf hin, dass viele Blogger ihre Identität
verschleiern, um sich zu schützen. So zeigt die Geschichte, wie schwer es
derzeit ist, gesicherte Informationen aus Syrien zu bekommen.
9 Jun 2011
## LINKS
[1] http://damascusgaygirl.blogspot.com/
[2] http://aminaarraf.blogspot.com/
## AUTOREN
Gabriela M. Keller
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