| # taz.de -- Umstrittenes Steuerdatenverfahren: Elena ist nicht mehr da | |
| > Das elektronische Verfahren zum Einkommensnachweis, Elena, wird | |
| > eingestellt. Datenschutzbeauftragte, FDP, Grüne und Piratenpartei | |
| > begrüßen das, warnen aber vor anderen Datensammlungen. | |
| Bild: Von allen Arbeitnehmern sollten diverse Daten gespeichert werden – ohne… | |
| BERLIN afp/taz | Grund für die Einstellung von Elena sei die fehlende | |
| Verbreitung der qualifizierten elektronischen Signatur, teilten das | |
| Bundeswirtschafts- und Bundesarbeitsministerium am Montag in Berlin mit. | |
| Trotz aller Bemühungen könne dieser Sicherheitsstandard in absehbarer Zeit | |
| nicht flächendeckend verbreitet werden. | |
| Beide Ministerien hätten sich deshalb darauf verständigt, das elektronische | |
| Verfahren zum Einkommensnachweis "schnellstmöglich" einzustellen. Die | |
| Bundesregierung werde dafür sorgen, dass die bereits gespeicherten Daten | |
| "unverzüglich" gelöscht und die Arbeitgeber von der elektronischen | |
| Meldepflicht befreit werden, hieß es. | |
| Ein entsprechender Gesetzentwurf werde in Kürze vorgelegt. Zudem solle ein | |
| Konzept erarbeitet werden, wie das mit dem "Elena"-Verfahren erworbene | |
| Wissen für ein einfacheres und unbürokratisches Meldeverfahren in der | |
| Sozialversicherung genutzt werden könne. | |
| ## "Mit Kanonen auf Spatzen geschossen" | |
| ## | |
| Der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix hat sich zufrieden mit | |
| dem Aus für das Elektronische Entgeltnachweisverfahren (Elena) gezeigt. Bei | |
| dem Projekt sei "von Anfang an mit Kanonen auf Spatzen geschossen worden", | |
| sagte Dix am Dienstag dem RBB-Inforadio. Der Nutzen habe in keinem | |
| Verhältnis zu den entstehenden Kosten gestanden. | |
| Die FDP-Politikerin Gisela Piltz sagte, die Entscheidung der | |
| Bundesregierung, an Elena nicht mehr festzuhalten, sei ein richtiger | |
| Schritt. Die Anhäufung von Datenbergen sei von Anfang an der falsche Weg | |
| gewesen, die Infrastruktur "nicht zu Ende gedacht". Vor allem aber wurde | |
| mit Elena der Datenschutz, dessen Grundprinzip die Datensparsamkeit ist, | |
| missachtet. Die Bürgerinnen und Bürger, deren Daten millionenfach monatlich | |
| zentral gespeichert wurden, können nun aufatmen. Notwendig sei es jetzt, | |
| zügig Konzepte zu erarbeiten, wie im Bedarfsfall anlassbezogen Daten | |
| elektronisch übermittelt werden können, um Unternehmen, Behörden und vor | |
| allem die Bürgerinnen und Bürger von unnötigem Papierkram zu entlasten. Der | |
| Stopp für das Elena-Verfahren sei "kein Rückschritt in die | |
| Bürokratie-Steinzeit, sondern richtig". | |
| Grünen-Bundesvorstandsmitglied Malte Spitz sagte der Neuen Osnabrücker | |
| Zeitung: "Elenas Ende ist ein überfälliger Schritt. Zu einer solchen | |
| Datenkrake, die massiv in die Privatsphäre aller Arbeitnehmer eingreift, | |
| hätte es nie kommen dürfen". Völlig unverhältnismäßig sei die zentrale | |
| Speicherung von Informationen zu Gesundheit oder der Teilnahme an Streiks | |
| gewesen. "Wir Grüne haben dieses Vorgehen und den Speicherwahn immer | |
| abgelehnt", sagte der Grünen-Politiker. | |
| ## Piratenpartei warnt vor Überwachungsinfrastruktur | |
| Sebastian Nerz, Bundesvorsitzender der Piratenpartei, sagte, man sei "froh, | |
| dass diese Massendatenspeicherung endlich gestoppt wird", so Nach Ansicht | |
| der Piratenpartei hätte Elena gar nicht erst beschlossen werden dürfen. Die | |
| elektronische Massenspeicherung sei unverhältnismäßig, risikoreich und | |
| unnötig. Die Elena-Sachkundige der Piratenpartei, Manuela Schauerhammer , | |
| sprach davon, dass "für Elena geschaffene Infrastruktur" weiterhin genutzt | |
| werde. | |
| "Elena" sollte ursprünglich Anfang 2012 starten, wurde dann aber um zwei | |
| Jahre verschoben. Anfang 2010 war jedoch eine erste Stufe des Verfahrens in | |
| Kraft getreten, mit der Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet wurden, | |
| monatlich die Entgeltdaten von Beschäftigten an eine zentrale | |
| Speicherstelle zu übermitteln, die bei der Deutschen Rentenversicherung | |
| angesiedelt ist. Behörden nutzten diese bei der Bearbeitung von Anträgen | |
| auf staatliche Leistungen wie Arbeitslosen-, Wohn- oder Elterngeld. Das | |
| System sollte der Entbürokratisierung dienen und die früher üblichen | |
| Papier-Bescheinigungen von Arbeitgebern für Ämter und Behörden überflüssig | |
| machen. Vor allem bei Datenschützern war das Projekt auf Kritik gestoßen. | |
| 19 Jul 2011 | |
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