| # taz.de -- Mehr Kontrolle für Banken: Kapitalismuskritik von oben | |
| > Selbst konservativen Regierungen ist das Eigentumsrecht der Großbanken | |
| > längst nicht mehr heilig. Auf unterschiedlichen Wegen versuchen sie deren | |
| > Macht einzuschränken. | |
| Bild: Nicht nur Demonstranten, auch Regierungen protestieren gegen die Macht de… | |
| Nun dringt der Ruf des sozialen Protests gegen die Finanzkrise auch nach | |
| Deutschland. Zwar unterscheidet sich die neue Kapitalismuskritik von unten | |
| durch ihren radikalen Gestus von den Argumenten bürgerlicher Politiker; | |
| doch selbst die Bundesregierung hat die einst unbestrittene Basis der | |
| Marktwirtschaft verlassen. Auch aktuell werden wieder Eingriffe in die | |
| Geschäfte der Banken diskutiert, die vor fünf Jahren unvorstellbar gewesen | |
| wären. | |
| Dabei scheuen sich die Kapitalismuskritiker in den Regierungen nicht, die | |
| teilweise oder komplette Verstaatlichung von Finanzinstituten zu erwägen. | |
| Hat doch der Präsident der EU-Kommission, José Manuel Barroso, gerade dafür | |
| plädiert, den Banken zusätzliches Kapital aufzuzwingen. Sinn der Sache: Das | |
| Geld würde verhindern, dass Banken im Zuge der Staatsschuldenkrise | |
| zusammenbrechen. Falls nötig, sollen die Finanzspritzen von den Regierungen | |
| kommen. Dies würde allerdings auch bedeuten, dass die Regierungen | |
| Miteigentümer mancher Banken würden. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann | |
| lehnt dies ab, weil er nicht gegenüber der Politik rechenschaftspflichtig | |
| werden will. | |
| Damit hängt die zweite Variante der Kapitalismuskritik von oben zusammen. | |
| Sie besteht darin, die Banken zu verpflichten, mehr eigenes Geld in Reserve | |
| zu halten. Dies führt dazu, die Finanzkraft der Institute zu verringern, | |
| und drückt ihre Gewinne. Als eine Konsequenz aus der Bankenkrise von 2008 | |
| haben sich die internationalen Aufseher darauf verständigt, dass die | |
| Institute ihre Geschäfte mit 6 Prozent Kernkapital absichern müssen. Jetzt | |
| spricht man bei der EU-Kommission bereits von 9 Prozent. Die Wirkung: Wenn | |
| Banken mehr eigenes Kapital in Reserve halten, reduziert das ihre | |
| Verschuldung, mithin das Verlustrisiko. | |
| Dass die Politik, wenn sie denn will, die Autonomie der Banken beschränken | |
| kann, beweisen auch die jüngsten Reformen in den USA, die auf die Zerlegung | |
| von Großbanken hinauslaufen: Der eine Teil würde die vergleichsweise | |
| risikoarmen Privatkunden- und Kreditgeschäfte tätigen, der andere Ableger | |
| die riskantere Spekulation. Letzteren könnte man pleitegehen lassen. | |
| Schließlich greifen die Regierungen mitunter zu einer ganz einfachen | |
| Methode: Sie untersagen Banken einfach, bestimmte Geschäfte zu betreiben, | |
| die die Politik für schädlich hält - so geschehen beim Verbot sogenannter | |
| Leerverkäufe von Staatsanleihen in mehreren europäischen Staaten. Das | |
| schränkte die Spekulation etwa mit Staatspapieren Griechenlands ein. | |
| 16 Oct 2011 | |
| ## AUTOREN | |
| Hannes Koch | |
| ## TAGS | |
| Schwerpunkt Occupy-Bewegung | |
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