| # taz.de -- Gerhard Schick über die Eurorettung: "Wir brauchen Eurobonds" | |
| > Nach dem EU-Gipfel hat Griechenland wieder eine Chance. Das Land braucht | |
| > aber ein wirtschaftspolitisches Programm, sagt Grünen-Finanzpolitiker | |
| > Gerhard Schick. | |
| Bild: Sind die Eurobonds ein Schritt raus aus dem Krisenkeller? Bestreikte U-Ba… | |
| taz: Herr Schick, wie bewerten Sie die Ergebnisse des Gipfels? | |
| Gerhard Schick: Es wurden wichtige Maßnahmen zur Stabilisierung getroffen. | |
| Positiv ist, dass man sich auf die Hebelung verständigt hat. Damit wurde | |
| für einen Schuldenschnitt in Griechenland der Rahmen geschaffen. Zugleich | |
| begegnet man damit der Gefahr der Ansteckung in Richtung Italien und | |
| Spanien. | |
| Sie haben keinerlei Éinwände? | |
| Kritisch sehe ich, dass bei dem Hebel bislang vage geblieben ist, wie er | |
| genau ausgestaltet werden soll. Man wird dann bewerten müssen, ob und wie | |
| diese Variante des Hebels funktioniert. | |
| Was bedeuten die Entscheidungen für die Banken? | |
| Für sie sind die Ergebnisse tragbar. Ein wichtiger Punkt ist aber, dass | |
| nicht nur private Banken beteiligt werden. Der Großteil liegt bei den | |
| sogenannten Bad Banks der WestLB und HRE. Da wird es hohe Kosten zulasten | |
| der deutschen Steuerzahler geben. Und von dem vorgesehenen Weg der | |
| Bankenrekapitalisierung bin ich nicht überzeugt. | |
| Warum nicht? | |
| Die Banken bekommen bis Juni 2012 Zeit, eine Kernkapitalquote von 9 Prozent | |
| zu erreichen. Das sind weitere Monate der Unsicherheit. Außerdem macht man | |
| den Fehler, die Nationalstaaten ihre eigenen Banken retten zu lassen. Das | |
| kann die Staatsschuldenkrise verschärfen. Sinnvoller wäre es gewesen, mit | |
| einem europäischen Bankenrettungsfonds eine Stabilisierung zu erzwingen. | |
| Kommt Griechenland nun aus der Krise? | |
| Die Chancen sind deutlich besser geworden. Der Schuldenerlass ist ein | |
| wichtiger Schritt, um wieder ein tragfähiges Schuldenniveau zu erreichen. | |
| Die Griechen brauchen aber auch ein klares wirtschaftspolitisches Programm. | |
| Das ist nach wie vor nicht in Sicht. Außerdem haben die harten | |
| Sparmaßnahmen eine soziale Schieflage, die die Menschen vor Ort zu Recht | |
| kritisieren. | |
| Was müssen die Eurostaaten jetzt tun? | |
| Die Hebelung und auch die Bankenkapitalisierung werden die Krise nicht | |
| beenden. Die instabile Struktur des EFSF mit seinem Hebel muss man durch | |
| eine langfristige Struktur ersetzen. Da halte ich nach wie vor Eurobonds | |
| für richtig. Beim Thema Vertragsänderung brauchen wir einen transparenten | |
| Änderungsprozess. Ich bin für einen Konvent, um die neue finanz- und | |
| wirtschaftspolitische Ordnung in Europa voranzubringen. | |
| 28 Oct 2011 | |
| ## AUTOREN | |
| Jakob Schulz | |
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