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# taz.de -- Datenschutz: Warum Whatsapp wie ein offenes Telefonbuch mit Fotos i…
> Forscher fanden für eine Studie rund 3,5 Milliarden bei Whatsapp
> registrierte Telefonnummern heraus – zum Teil mit Bild und persönlichen
> Informationen.
Bild: Whatsapp ist quasi ein großes Telefonbuch, und vielen der Nummern in die…
Signal oder Threema? Telegram oder Whatsapp? Wire oder KakaoTalk? Oder
gleich mehrere Apps für verschiedene Freundeskreise? [1][Die Welt der
Messenger ist groß] und unübersichtlich, am Ende entscheiden sich viele für
den Platzhirsch und laden Whatsapp herunter. Dazu trägt der Netzwerkeffekt
bei: Alle gehen dahin, wo alle sind. Doch bei Whatsapp sind die
Nutzer:innen ziemlich transparent.
## Die Studie
Auch wenn Whatsapp die Inhalte der versendeten Nachrichten verschlüsselt –
jenseits dessen sind persönliche Nutzer:innendaten ziemlich leicht
verfügbar. Das zeigt nun eine Gruppe von Wiener Forscher:innen in einem
[2][auf der Entwicklerplattform Github veröffentlichten Paper]. Denn
Whatsapp ist quasi ein großes Telefonbuch, und vielen der Nummern in diesem
Telefonbuch sind Profilfotos zugeordnet sowie weitere persönliche
Informationen, etwa zum Wohnort, zum Arbeitgeber, zur sexuellen
Orientierung oder zu politischen Überzeugungen.
Die Forscher:innen zeigen, welche Konsequenzen das hat. Sie überlegten
sich Bereiche von Telefonnummern, zum Beispiel beginnend bei 0049150 für
Deutschland, mit denen Whatsapp-Accounts verknüpft sein könnten, und
definierten schließlich 63 Milliarden Nummern für 245 Länder und
Territorien. Diese ausgedachten Nummern glichen sie dann über
Whatsapp-Konten mit den Servern des Dienstes ab.
Am Ende erhielten sie so rund 3,5 Milliarden bei Whatsapp registrierte
Telefonnummern – gut die Hälfte davon samt Bild und etwa ein Drittel samt
persönlichem Infotext. Anhand einer Stichprobe von einer halben Million der
Konten fanden die Forscher:innen heraus, dass etwa zwei Drittel der
Profilfotos ein menschliches Gesicht zeigen. Ihre Ergebnisse stellen sie im
Februar auf einer Fachkonferenz in Kalifornien vor.
## Was bringt’s?
Wenn Kriminelle Zugriff auf solche Daten erhalten, könnten diese „für
Spam-Kampagnen, Phishing-Angriffe oder Robocalls missbraucht werden, was
ernsthafte Risiken für die Privatsphäre und Sicherheit mit sich bringt“,
schreiben die Forscher:innen. Persönliche Angaben wie der Arbeitsplatz oder
die sexuelle Orientierung können, je nach politischer Situation, auch
Menschen in Gefahr bringen.
Die Forscher:innen haben vor der Veröffentlichung mehrfach den
Whatsapp-Mutterkonzern [3][Meta] kontaktiert und auf die Gefahr
hingewiesen, schließlich sogar ihre Veröffentlichung verschoben, um Meta
mehr Zeit für die Umsetzung der technischen Gegenmaßnahmen zu geben. Doch
mal ein paar Telefonnummern durchprobieren, das bleibt möglich.
Solange also nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, dass Plattformen wie
Whatsapp sämtliche Standardeinstellungen auf möglichst privat zu setzen
haben, müssen sich die Nutzer:innen selbst darum kümmern – und um
Datenminimierung. Denn Meta kann die persönlichen Informationen natürlich
trotzdem auswerten.
11 Jan 2026
## LINKS
[1] /Digitalexpertin-ueber-Soziale-Medien/!6071133
[2] https://github.com/sbaresearch/whatsapp-census/blob/main/Hey_there_You_are_…
[3] /Meta-vor-Gericht/!6119188
## AUTOREN
Svenja Bergt
## TAGS
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