Introduction
Introduction Statistics Contact Development Disclaimer Help
# taz.de -- Europameisterschaft im Hockey: Krasser Genuss
> Die runderneuerte deutsche Auswahl lässt Frankreich im Auftaktspiel der
> Hockey-EM keine Chance. Wie weit das Team schon ist, wird sich erst
> zeigen.
Bild: Zielstrebig: Lilly Stoffelsma zieht an Gegenspielerin Marie-Alice Pelleti…
Mönchengladbach taz | Sie wolle versuchen, das Ganze jetzt erst mal zu
begreifen und „krass zu genießen“, sagte eine von den Eindrücken
überwältigte Sophia Schwabe nach Schlusspfiff. Die 22-Jährige hatte gerade
ihr erstes Spiel bei einer Feldhockey-Europameisterschaft bestritten. Statt
ein schüchternes EM-Debüt im Kreis der deutschen Frauen-Nationalmannschaft
hinzulegen, schwang sich die Stürmerin [1][vom deutschen Vizemeister
Düsseldorfer HC] vor über 5.000 Zuschauern ungeahnt zur Hauptdarstellerin
auf. Und stand dann voll im Fokus von Fans und Medien.
Mit 4:1 gegen Frankreich hatte die deutsche Mannschaft ihr Auftaktspiel der
Heim-EM in Mönchengladbach gewonnen. Zwei Tore zum 2:0 und 4:0 schoss
Schwabe selber, und für die anderen beiden durch Sara Strauss (1:0) und
Lena Micheel (3:0) gab sie die Vorlage. Den bei solchen Sportevents
mittlerweile üblichen Sonderpreis als „Player of the Match“ konnte gar
niemand anderes bekommen als Schwabe.
Nach den Olympischen Spielen 2024, die mit Platz sechs eher ernüchternd für
die Frauenauswahl des Deutschen Hockey-Bundes endeten, hatte es einen
großen Umbruch gegeben. Neben einem halben Dutzend Führungsfiguren und
langjährigen Leistungsträgerinnen verabschiedete sich [2][auch der damalige
Bundestrainer Valentin Altenburg].
Spielerinnen wie Sophia Schwabe und viele andere rückten schneller, als sie
das vielleicht selber erhoffen konnten, in die erste Reihe auf. Und [3][mit
der Niederländerin Janneke Schopman] bekam die runderneuerte Truppe auch
eine neue Chefin an der Seitenlinie. Letztlich standen gegen Frankreich
sieben deutsche Spielerinnen auf dem Platz, die ihr EM-Debüt gaben, für
sechs davon war es das erste Meisterschaftsturnier überhaupt. Und so
mischte sich in die Vorfreude auch ein ordentliches Maß an Ungewissheit, ob
die neue Formation schon für den Ernstfall gewappnet ist.
## Der Mix macht's
„Wir sind ein bisschen nervös gestartet“, hatte Schopman Verständnis, sah
ihre Truppe aber schnell auf Kurs kommen. „Die Spielerinnen mit größerer
Erfahrung bringen die Ruhe, und dann sieht man, dass die jungen
Spielerinnen Gas geben können und die Energie ins Spiel bringen“, erlebte
die Bundestrainerin bald den von ihr erhofften „perfekten Mix“. Routiniers
wie Selin Oruz (28), die schon ihre sechste EM bestreitet und die letzte
Verbliebene aus dem olympischen Bronzemedaillenteam von Rio 2016 ist, gaben
Halt und Ordnung, die in eine starke erste Halbzeit mit vier Toren mündete.
Freilich ist jedem im deutschen Lager bewusst, dass der Weltranglisten-19.
aus Frankreich noch nicht der wahre Gradmesser für die Leistungsfähigkeit
der neuen DHB-Auswahl war. Der ultimative Reifetest steht am Montag (20.30
Uhr) bevor, wenn Deutschland in seinem zweiten Gruppenspiel auf die
Niederlande treffen wird. Die Holländerinnen sind nicht nur
EM-Titelverteidiger, sondern spielen als amtierender Weltmeister und
Olympiasieger seit Jahren wie in einer eigenen Liga. Es gibt in der
Hockeyszene kaum jemand, der davon ausgeht, dass die Niederlande in
Mönchengladbach bei der 17. EM der Frauen ihren 13. Kontinentaltitel
verpassen werden.
Gehört ausgerechnet die Niederländerin Schopman zu den wenigen, die ein
anderes Szenario für möglich halten? „Nein, sie sind nicht unbesiegbar“,
entgegnete die Bundestrainerin am Samstag auf die entsprechenden Fragen der
Journalisten. „Ich glaube, dass wir jeden schlagen können, dass wir jedes
Spiel gewinnen können“, hält die 48-Jährige ihre Truppe für fähig, sogar
die Nummer eins der Hockeywelt zu stürzen.
„Sie weiß natürlich, wie Holland tickt“, erhofft sich Torfrau Julia
Sonntag, mit 33 Jahren die Älteste im deutschen EM-Kader, die
entscheidenden Tipps von Schopman, die in ihrer Spielerinnenkarriere
ausgerechnet im olympischen Endspiel 2004 selber mal eine der ganz wenigen
Niederlagen gegen Deutschland einstecken musste. „Sie ist sehr fordernd,
aber auch sehr akribisch in ihrer Analyse“, beschreibt Co-Kapitänin Linnea
Weidemann die neue Bundestrainerin, die dem Team „sehr genau sagen kann,
was wir zu tun haben“.
Selbst bei einer Niederlage gegen die Niederlande hätte die deutsche
Mannschaft weiterhin alles in eigener Hand und könnte mit einem Sieg über
Irland im letzten Gruppenspiel (Mittwoch, 20 Uhr) den Einzug ins Halbfinale
am Freitag klarmachen. „Am Ende kommt es auf die K.o.-Spiele an“, weiß auch
der Neuling Sophia Schwabe. Im Idealfall am kommenden Sonntag um eine
Medaille zu spielen, würde sie in jedem Fall gewiss wieder krass genießen.
10 Aug 2025
## LINKS
[1] https://duesseldorferhc.de/
[2] /Umgangston-im-Spitzensport/!6024238
[3] https://magazin.hockey.de/articles/janneke-schopman-verstaerkt-den-trainers…
## AUTOREN
Ulrich Meyer
## TAGS
Hockey
Frauensport
Olympischer Sport
Schwerpunkt Olympische Spiele 2024
Schwerpunkt Olympische Spiele 2024
Schwerpunkt Olympische Spiele 2024
## ARTIKEL ZUM THEMA
Deutsche Hockey-Männer kämpfen um Gold: Mit vielen Fehlern ins Finale
Trotz ihres schlechtesten Olympiaauftritts bezwingen die deutschen
Hockeymänner Indien. Mental stark findet das Bundestrainer André Henning.
Umgangston im Spitzensport: „Jetzt halt die Fresse!“
Hockeybundestrainer Valentin Altenburg blafft in einer Auszeit eine
Spielerin an. War das eine Grenzüberschreitung?
Hockey-EM der Männer: Lahore links liegen lassen
Das Hockeynationalteam der Männer will unbedingt Europameister werden. So
könnte es ein leidiges Olympia-Qualifikationsturnier umschiffen.
You are viewing proxied material from taz.de. The copyright of proxied material belongs to its original authors. Any comments or complaints in relation to proxied material should be directed to the original authors of the content concerned. Please see the disclaimer for more details.