| # taz.de -- Kommentar AfD und Meinungsfreiheit: Die eigenen Regeln beachten | |
| > Studenten, die AfD-Veranstaltungen blockieren, gehört unsere Sympathie. | |
| > Dennoch ist es falsch, diese Veranstaltungen zu verhindern. | |
| Bild: Den öffentlichen Raum nicht preisgeben – aber muss das so sein? Bespr�… | |
| Die rechten Populisten der AfD ziehen nicht nur in die Parlamente ein. Ihre | |
| Protagonisten haben längst damit begonnen, den öffentlichen Raum zu | |
| besetzten, sei es bei Demonstrationen, bei Veranstaltungen – [1][und eben | |
| durch Studenten an den Universitäten]. Hochschulen sollten Orte des | |
| Diskurses sein. Aber darf das bedeuten, dass die große Mehrheit der Gegner | |
| dieser Partei solche Veranstaltungen verhindern sollte, nicht nur mit | |
| Rechtsmitteln, sondern auch mit gellenden Trillerpfeifen, möglicherweise | |
| gar mittels einfacher körperlicher Gewalt? | |
| Das ist eine grundsätzliche Frage. Die AfD ist eine zugelassene Partei. | |
| Anders als bei der NPD handelt es sich nicht um Neonazis, wiewohl immer | |
| wieder rechtsextreme Versatzstücke in der Argumentation führender | |
| Mitglieder auftauchen. Deshalb gilt die Freiheit der Meinungsäußerung, wie | |
| sie das Grundgesetz garantiert, auch für sie – so schwer das bisweilen auch | |
| zu ertragen ist. Punkt. | |
| Und doch: Wollen wir die Studenten, die gegen die Okkupation ihrer Uni auf | |
| die Barrikaden gehen, etwa verurteilen? Ist es nicht im Gegenteil | |
| ausgesprochen beruhigend, dass diese Jungen es eben nicht widerspruchslos | |
| hinnehmen, wenn sich rechtes Gesülze über ihren Campus verbreitet? Ja, so | |
| ist es. Den Studenten gehört unsere volle Sympathie. Und dennoch ist es | |
| falsch, AfD-Veranstaltungen mit Gewalt verhindern zu wollen. | |
| Dafür sprechen nicht nur grundsätzliche, sondern auch taktische Argumente. | |
| Es ist jetzt schon so, dass sich die AfD über eine Publizität ohne Ende | |
| freuen kann. Mit jeder Provokation schafft sie es in die Schlagzeilen, noch | |
| das dümmste Geblöke findet seinen Widerschein. Das Blockieren von | |
| Veranstaltungen aber wird für die Rechten zur Krönungsmesse, dank der sie | |
| sich als verfolgte Unschuld gerieren können – um dann noch mehr | |
| Wählerstimmen einzufangen. | |
| Ob Menschen gegen diese Partei protestieren sollten? Natürlich! Ob | |
| Studenten ihrem Protest gegen rechte Kommilitonen Ausdruck verleihen | |
| dürfen? Unbedingt! Die Zivilgesellschaft darf den öffentlichen Raum nicht | |
| denen preisgeben, die ins letzte Jahrhundert zurückdrängen. Aber sie muss | |
| peinlich darauf bedacht sein, die selbst gesetzten Regeln auch für diese | |
| Feinde der modernen Gesellschaft zu beachten. Und sie darf den Rechten | |
| nicht die Chance bieten, von den Protesten sogar zu profitieren. | |
| 3 Feb 2017 | |
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| ## AUTOREN | |
| Klaus Hillenbrand | |
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