| # taz.de -- Streubomben-Konferenz: Bundesregierung gegen Verbot | |
| > Konferenz im neuseeländischen Wellington endet wegen Ausnahmewünschen | |
| > Deutschlands und weniger weiterer Staaten ohne greifbare Ergebnisse. | |
| Bild: Israelische Streubombe mit rund 600 explosiven Einheiten. | |
| GENF taz Die Bemühungen von über zwei Drittel aller 192 UNO-Mitglieder um | |
| ein vollständiges Verbot von Streubomben bis spätestens Ende 2008 drohen am | |
| Widerstand Deutschlands und weniger anderer Länder zu scheitern. Eine von | |
| der neuseeländischen Regierung anberaumte Verhandlungskonferenz in | |
| Wellington, an der Regierungsdelegationen aus 122 Staaten sowie rund 50 | |
| Nichtregierungsorganisationen (NRO) der "Internationalen Koalition gegen | |
| Streubomben" (Cluster Munition Coalition/CMC) teilnahmen, endete am Freitag | |
| ohne greifbare Ergebnisse. | |
| Der für diese Konferenz angestrebte Konsens über den Entwurf für ein | |
| lückenloses Verbot scheiterte an der Forderung der deutschen und anderer | |
| Regierungsdelegationen nach technischen sowie politischen Ausnahmen. Die | |
| Bundesregierung will fünf verschiedene Streubombentypen, die wegen der | |
| Ausstattung mit einem Selbstzerstörungsmechanismus oder wegen vier anderer | |
| technischer Spezifikationen nach ihrer Darstellung angeblich keine | |
| Gefährdung für Zivilisten darstellen, für eine Übergangsphase von | |
| mindestens zehn Jahren von einem Verbot ausnehmen. | |
| Auch über diese Übergangsphase hinaus dauerhaft erlaubt bleiben sollen | |
| Streubomben, wenn sie alle diese fünf technischen Spezifikationen | |
| gleichzeitig erfüllen. Ein solcher Streubombentyp wird von deutschen | |
| Rüstungsunternehmen derzeit angeblich entwickelt. | |
| Der in Wellington gemeinsam von Norwegen, Österreich, Neuseeland und | |
| weiteren Staaten vorgelegte Vertragsentwurf für ein vollständiges Verbot | |
| von Streubomben verbietet künftigen Unterzeichnerstaaten jegliche | |
| Unterstützung von Nichtunterzeichnern beim Einsatz dieser Waffen. Die | |
| Bundesregierung fordert eine Aufweichung dieser Bestimmung, weil sie darin | |
| eine Gefahr sieht für die "Interoperationalität" und Kooperationsfähigkeit | |
| verbündeter Streitkräfte zum Beispiel in der Nato oder bei gemeinsamen | |
| Militärmissionen. | |
| Ein Teil der deutschen Forderungen wird auch von Großbritannien, | |
| Frankreich, der Schweiz, Australien, Japan, Kanada, Dänemark und den | |
| Niederlanden mitgetragen. Mit Blick auf die für Mai in Dublin geplante | |
| Fortsetzung der Verhandlungen erklärte Rae McGrath, Sprecher der | |
| federführend an der internationalen NRO-Koalition beteiligten Organisation | |
| "Handicap International" , es sei "entscheidend", dass sich in Deutschland | |
| und den anderen Blockadestaaten "die gewählten Regierungen und Parlamente | |
| bewusst werden über die Positionen ihrer Delegationen bei den | |
| Verhandlungen". | |
| 22 Feb 2008 | |
| ## AUTOREN | |
| Andreas Zumach | |
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