| # taz.de -- Tauschbörse Limewire abgeschaltet: Keine Daten, keine Viren mehr | |
| > Vier Jahre lang tobte ein Rechtsstreit zwischen dem Filesharing-Pionier | |
| > Limewire und der US-Musikindustrie. Eine Richterin verordnete der | |
| > Tauschbörse nun das endgültige Aus. | |
| Bild: Stempel drauf, Schnee von gestern: So sieht die Startseite von Limewire h… | |
| "Limewire? Die gab's noch?" Selbst so mancher Internet-Veteran dürfte nach | |
| der Nachricht vom Dienstag überrascht gewesen sein, dass eine der ältesten | |
| Dateitauschbörsen im Internet nun offiziell am Ende ist. Das Portal, das im | |
| Mai 2000 erstmals das Licht der Netzwelt erblickte, basierte hauptsächlich | |
| auf der Uralt-Filesharing-Technik Gnutella sowie, in den letzten Versionen, | |
| auf dem neueren Bittorrent-Protokoll. Damit ließ sich jedes gewünschte | |
| Dokument von Nutzer zu Nutzer übertragen, besonders gerne Musikstücke und | |
| Filme und häufig an der Legalität vorbei. | |
| Folgerichtig leitete nicht die mittlerweile stark abflauende Nutzerschar | |
| das Aus von Limewire ein, sondern eine gerichtliche Anordnung. Schon seit | |
| 2006 versuchte die Recording Industry Association of America (RIAA), der | |
| Hauptverband der US-Schallplattenindustrie, die Dateitauschbörse zum | |
| Aufgeben zu bewegen. Am Dienstag hatten die Bemühungen endlich Erfolg. | |
| Richterin Kimba Wood vom US-Distriktsgericht in Manhattan verdonnerte | |
| Limewire dazu, seine Suchfunktion, das Hochladen und Herunterladen von | |
| Dateien sowie "jede Form von File-Austausch" einzustellen. Webseite und | |
| Client-Programm wurden daraufhin gesperrt. "Das Herunterladen oder Teilen | |
| urheberrechtlich geschützter Inhalte ohne Genehmigung ist illegal", | |
| [1][heißt es dort nun.] | |
| Das Ende von Limewire hatte sich über mehrere Monate angekündigt. Im Mai | |
| urteilte Woods, die Tauschbörse habe Urheberrechte verletzt und seine | |
| Nutzer dazu angeleitet, Urheberrechte zu brechen - auf "massive" Art und | |
| Weise. In der Begründung hieß es ungewöhnlich hart, die Klageführerin habe | |
| "irreparable Schäden" durch Limewire erlitten und erleide sie weiterhin. | |
| Limewire hatte argumentiert, man habe keinen Einfluss auf die Daten, die | |
| über den eigenen Dienst geleitet würden, man sei vor allem Dienstleister. | |
| Wie viel Geld Limewire das Urteil kosten wird, ist bislang unklar. Wood | |
| will den zu zahlenden Schadenersatz erst im Januar festlegen. Klar ist | |
| bereits, dass das Gericht auch den Limewire-Gründer Mark Gorton belangen | |
| wird. Der New Yorker Unternehmer und Hedgefonds-Betreiber sei "persönlich | |
| haftbar" | |
| George Searle, der für Gorton als Chef von Limewire das Tagesgeschäft | |
| führt, zeigte sich [2][schwer enttäuscht.] "Wir sind extrem stolz auf | |
| unsere Geschichte als Pionier." Sein Unternehmen habe "seit Jahren" | |
| versucht, "den Spalt zwischen der Technologie und den Rechteinhabern von | |
| Inhalten zu überbrücken". Limewire hatte zuletzt für Ende des Jahres 2010 | |
| einen eigenen Musikbezahldienst angekündigt, der statt Dateitausch bezahlte | |
| Abos anbieten wollte. In den USA war er bereits in ersten Stufen gestartet. | |
| Bei der RIAA erhofft man sich nun einen hohen Schadenersatz. Der sei "nur | |
| folgerichtig", so der Verband. Aus der Entscheidung werde klar, dass es | |
| viele Beweise für ein "willentliches Vorgehen" gegeben habe. Limewire | |
| finanzierte sich mit dem Verkauf einer "Pro"-Version seiner | |
| Dateitauschsoftware, für die im Jahr 35 Dollar (25 Euro) fällig wurden. | |
| Damit waren schnellere Downloads und bessere Suchergebnisse verbunden. | |
| Außerdem wurden andere Programme mit Limewire "gebundelt", was sowohl den | |
| Programmherstellern als auch Limewire Geld einbrachte. | |
| Unter Nutzern verlor der Dienst in den letzten Jahren auch deshalb Freunde, | |
| weil er als Hort von Malware galt. In unabhängigen Untersuchungen fanden | |
| Sicherheitsexperten einen Anteil von Schadcode in bis zu jeder dritten | |
| angebotenen Datei. | |
| Nach dem Urteil im Mai hatte Limewire im letzten Update der Software | |
| bereits eine Deaktivierungsfunktion integriert, um die Tauschbörse | |
| abschalten zu können. Einmal ausgelöst, fuhr das Netzwerk automatisch | |
| runter, auch der direkte Tausch zwischen Nutzern wurde unterbunden. | |
| RIAA gegen Limewire ist der dritte große Fall, in dem Rechteinhaber direkt | |
| gegen eine große Dateitauschbörse vorgegangen sind. Urahn all dieser Fälle | |
| ist die Klage gegen den Filesharingpionier Napster. 2005 traf es dann | |
| Grokster, einen Dienst der zweiten Generation. | |
| 28 Oct 2010 | |
| ## LINKS | |
| [1] http://www.limewire.com/de | |
| [2] http://www.limecompany.com/ | |
| ## AUTOREN | |
| Ben Schwan | |
| ## ARTIKEL ZUM THEMA | |
| Interview mit Urheberrechtsexpertin: "Wieso soll Musik gar nichts kosten?" | |
| Die Berliner Rechtsanwältin Angelika Strittmatter über den Wert | |
| künstlerischer Arbeit und eine angemessene Vergütung für Musiker und | |
| Rechteinhaber. | |
| Debatte um geistiges Eigentum im Netz: 12-Punkte-Papier gegen Downloads | |
| Mit einem System von Warnhinweisen will Kulturstaatsminister Bernd Neumann | |
| (CDU) gegen illegale Downloads vorgehen. Ein 12-Punkte-Papier soll's | |
| richten. Widerspruch bleibt nicht aus. | |
| Video der Woche: Pirat rappt gegen Copyright | |
| Dan Bull schafft es, mit seinem Track "Death of Acta" in dreieinhalb | |
| Minuten das internationale Anti-Piraterie-Abkommen zu erklären und zu | |
| dissen – und gibt dabei den Klischeeseeräuber. | |
| Frankreich subventioniert Musik-Downloads: Hiebe und Liebe | |
| Frankreich versucht es im Kampf gegen Dateitauscher mit Zuckerbrot und | |
| Peitsche: Die kürzlich eingeführte "Three Strikes"-Regelung wird durch | |
| verbilligte Downloads ergänzt. | |
| Gegen Verfolgung illegaler Downloads: Cyberangriff auf Kultusministerium | |
| Die Cybergruppe Anonymous hat in Spanien mehrere Webseiten lahm gelegt. | |
| Damit gehen sie gegen die Verfolgung illegaler Downloads vor. |