# taz.de -- Neonazis in Berlin: DVU stellt sich quer | |
> Der Landeschef der DVU will nicht mit der NPD fusionieren und lässt | |
> BVV-Fraktion platzen. Die NPD plant derweil ihre Landesliste für die | |
> Abgeordnetenhauswahl 2011 ohne die DVU. | |
Bild: Die ewig Gestrigen.. | |
Trotz Fusionsbeschluss im Bund sträubt sich die Berliner DVU gegen einen | |
Zusammenschluss mit der NPD. DVU-Landeschef Torsten Meyer erklärte am | |
Donnerstagabend seinen Austritt aus der dreiköpfigen NPD-Fraktion in | |
Lichtenberg. Der 54-Jährige begründete den Schritt mit dem Versuch der NPD, | |
die DVU zu "zerstören". | |
Nachdem die NPD bereits Anfang November eine Verschmelzung mit der arg | |
kriselnden DVU beschlossen hatte, plädierte am Wochenende auch ein | |
DVU-Parteitag für eine Parteiauflösung und Fusion bis Mitte Januar. Der | |
Berliner Landesverband unter Meyer hatte sich vehement dagegen | |
ausgesprochen - und verließ noch vor dem Votum den Saal. Die NPD wolle den | |
Staat abwickeln, lehne Grundgesetz und Demokratie ab, so Meyer. Zudem hätte | |
die NPD die Abstimmungen auf dem letzten DVU-Parteitag "manipuliert". Sein | |
Mandat in der Lichtenberger BVV werde er behalten, so Meyer. Ob er 2011 mit | |
einer neugegründeten Partei oder für einen anderen Verband antreten werde, | |
sei noch offen. | |
Die Lichtenberger NPD verliert mit Meyers Austritt ihren Fraktionsstatus - | |
und Steuergelder. Bisher galt Lichtenberg als aktivste BVV-Gruppe der NPD, | |
geriet aber in die Schlagzeilen, als ihr Fraktionsmitglied Jörg Hähnel | |
wegen Volksverhetzung verurteilt wurde. Nachdem bereits im Sommer 2008 die | |
NPD-Fraktion Marzahn-Hellersdorf zerfiel, bleibt der Partei einzig ihre | |
Fraktion in Treptow-Köpenick. Als "unmögliches Benehmen" bezeichnete | |
NPD-Landeschef Uwe Meenen den Austritt Meyers. Die Fusion mit der DVU werde | |
aber auch in Berlin fortgesetzt. "Wer nicht zu uns will, der muss ja | |
nicht", so Meenen. | |
Für die Linkspartei in Lichtenberg zeigt das NPD-Fraktionsende die | |
"Politikunfähigkeit und Zerstrittenheit der Partei". Die SPD sprach von | |
einem Akt, den "alle Demokraten nur von Herzen begrüßen" könnten. Die NPD | |
müsse weiterhin offensiv entlarvt werden. | |
Seit Jahren entfaltet der Landesverband der DVU keine Aktivitäten. Der | |
Verfassungsschutz rechnet ihr noch 250 Mitglieder zu - die meisten nur auf | |
dem Papier. Eine fusionierte NPD und DVU, so die Behörde, würde in Berlin | |
deshalb "weder einen größeren Aktionsradius noch eine stärkere öffentliche | |
Wahrnehmung erreichen". Aufgrund des stark neonazistischen Berliner | |
NPD-Verbands dürften die meisten der wenigen aktiven DVUler einen Übertritt | |
ablehnen. | |
Ohnehin plant die Berliner NPD ihre Zukunft ohne die DVU. Auf ihrem | |
Landesparteitag Mitte November nominierte sie ihre Landesliste zur | |
Abgeordnetenhauswahl 2011 - ohne ein einziges DVU-Mitglied. Spitzenkandidat | |
wird NPD-Bundeschef Udo Voigt. | |
17 Dec 2010 | |
## AUTOREN | |
Konrad Litschko | |
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