| # taz.de -- Kommentar Elfenbeinküste: Stürzt Gbagbo jetzt! | |
| > Je länger sich Laurent Gbagbo an der Macht halten kann, desto fester | |
| > sitzt er im Sattel. Die internationale Gemeinschaft darf das nicht | |
| > zulassen. | |
| Die Uhr in der Elfenbeinküste tickt für Laurent Gbagbo. Je länger sich der | |
| Verlierer der Präsidentschaftswahl an der Macht halten kann, desto fester | |
| sitzt er im Sattel. Wie viele Tote sein Beharren kostet, ist ihm dabei | |
| egal. Genau deswegen ist nun die internationale Gemeinschaft gefragt. Alle | |
| relevanten internationalen Zusammenschlüsse - die UNO, die EU, die AU, die | |
| Westafrikaner -, sie alle haben den Wahlsieger Alassane Ouattara als | |
| gewählten Präsidenten anerkannt. Sie stehen in der Pflicht, nicht zuletzt | |
| in den Augen der Mehrheit der Ivorer. Und was unternehmen sie? | |
| Die Afrikanische Union (AU) versucht Druck auf Gbagbo auszuüben, indem ihr | |
| Kommissionspräsident Jean Ping dem Widersacher einen Brief überreicht, der | |
| diesen zum Rücktritt auffordert. Die Europäische Union will Gbagbos Konten | |
| sperren, als ob der ivorische Machthaber nicht längst parallele | |
| Finanzstrukturen aufgebaut hätte. | |
| UN-Generalsekretär Ban Ki Moon weist Gbagbos Forderung nach Abzug der | |
| UN-Blauhelme aus der Elfenbeinküste zurück und bekräftigt gleichzeitig, die | |
| UN-Soldaten würden nur ihr Mandat zur "Beobachtung" erfüllen. Frankreich | |
| hält seine 900 Soldaten in der Elfenbeinküste Gewehr bei Fuß, aber sie | |
| sollen höchstens als schnelle Eingreiftruppe der UNO agieren oder Franzosen | |
| evakuieren. | |
| Natürlich kann ein Sturz Gbagbos nur funktionieren, wenn entsprechende | |
| Pläne nicht vorher bekannt werden. Insofern zu hoffen ist, dass das Fehlen | |
| jeglicher Indizien für seine Existenz tatsächlich ein Zeichen für seine | |
| Existenz ist. | |
| Die kommende Woche wird entscheidend sein. Sollte Gbagbo Weihnachten als | |
| faktischer Präsident feiern, wird es Ouattara sein und nicht Gbagbo, der | |
| sich einen sicheren Weg ins Exil suchen muss. Lässt die internationale | |
| Gemeinschaft das zu, wird der Kampf um Demokratie in Afrika nachhaltig | |
| geschwächt. Die internationalen Truppen in Abidjan sollten daher | |
| afrikanische Eingreiftruppen ins Land holen, um Gbagbo zu stürzen. | |
| 20 Dec 2010 | |
| ## AUTOREN | |
| Dominic Johnson | |
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