| # taz.de -- Kommentar AKW-Stresstests: Fakten schaffen gegen den Wahnsinn | |
| > Ausgerechnet beim Thema Atomsicherheit darf jedes EU-Land allein | |
| > entscheiden, was es tut. Jetzt braucht es Menschen, die die Atomenergie | |
| > mit Alternativen wegdrücken. | |
| Eine Banane, die in der EU verkauft wird, muss mindestens 14 Zentimeter | |
| lang und 27 Millimeter dick sein. So steht es in der Europäischen | |
| Bananenverordnung. Für Atomkraftwerke hingegen, die in der Union betrieben | |
| werden, gibt es keine einheitlichen Sicherheitsstandards. Da macht jedes | |
| Land gerade, was es will, und der bestenfalls urkomisch auf | |
| Vereinheitlichung fixierte EU-Apparat präsentiert sich plötzlich bar jeder | |
| formalen Kompetenzen. | |
| Absurder geht es nicht. Wenn irgendwo in der EU ein Atommeiler außer | |
| Kontrolle gerät, ist der gesamte Kontinent betroffen. Aber ausgerechnet bei | |
| diesem Thema kann jedes Mitgliedsland alleine entscheiden, was es tut und | |
| was es lässt. Eine solche Konzeption der EU, die nur bei unwichtigen Themen | |
| Standards setzt, ist untragbar. Nach Fukushima mehr denn je. Sonst mutiert | |
| die Gemeinschaft am Ende zur - Bananenrepublik. | |
| Apropos Entscheidungskompetenzen: Auch in der Innenpolitik ist beim Thema | |
| Atom längst nicht mehr klar, wer hier am Drücker sitzt. Welche Macht hat | |
| die Bundesregierung noch in der Energiepolitik - beziehungsweise: In | |
| welchem Maße hat sie sich diese bereits von der Nuklearlobby abnehmen | |
| lassen? | |
| Wir erinnern uns, wie im letzten Herbst in einer Geheimsitzung die Konzerne | |
| der Regierung die Laufzeitverlängerung ins Atomgesetz diktierten. Nach | |
| Fukushima wollten Merkel & Co., unter dem Eindruck der Demoskopie scheinbar | |
| reumütig gewandelt, beim wieder beschleunigten Ausstieg jeglichen Eindruck | |
| der Lobbyhörigkeit vermeiden. Doch gerade dieser fatale Verdacht drängt | |
| sich nun erneut auf: Plötzlich steht die gerade erst eingeführte | |
| Brennelementesteuer auf der Kippe - womit die schwarz-gelbe Regierung sich | |
| anschickt, ihre einzige relevante energiepolitische Errungenschaft in die | |
| Tonne zu treten. Auch wieder ein Armutszeugnis. | |
| Damit wird deutlicher denn je, dass die Energiewende nun vor allem Menschen | |
| braucht, die tatkräftig daran arbeiten, die Atomkraft durch Alternativen | |
| schlicht wegzudrücken. Gestern zum Beispiel erzeugten die | |
| Fotovoltaikanlagen in Deutschland 120 Millionen Kilowattstunden Solarstrom | |
| - und ersetzten damit die Tagesproduktion von vier Atomkraftwerken. | |
| Fakten zu schaffen, das ist vermutlich zurzeit der beste Weg, die Epoche | |
| des atomaren Wahnsinns für alle Zeiten zu beenden. In Deutschland wie in | |
| Europa. | |
| 25 May 2011 | |
| ## AUTOREN | |
| Bernward Janzing | |
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