# taz.de -- Kommentar zur Flüchtlingspolitik: Politik muss Spielräume nutzen | |
> Der Vorstoß der märkischen Landesregierung ist gut. Nun kommt es darauf | |
> an, was umgesetzt wird. | |
Bild: Asylbewerber und Geduldete dürfen nun ohne Erlaubnis in die Nachbarlandk… | |
Gute Politik ist die, die aus den vorhandenen Möglichkeiten das Beste | |
macht. Insofern ist die rot-rote Koalition in Brandenburg in ihren | |
Vorstößen zur Flüchtlingspolitik vorerst zu loben. Auch wenn der Umgang mit | |
Asylbewerbern vom Bund geregelt wird, zeigen SPD und Linke, dass sich | |
Spielräume durchaus erfolgreich nutzen lassen. Medizinische Betreuung für | |
in diesem Lande Hilfesuchende, ein privater Rückzugsraum, bar ausgezahlte | |
Sozialhilfen - all dies ist nicht nur humanitär sinnvoll. Es stellt auch | |
den Bund bloß, der diese Hilfen nur in Ausnahmen vorsieht. | |
Gleichzeitig muss sich die märkische Regierung nun an ihren Ankündigungen | |
messen lassen. Es jetzt bei Appellen zu belassen, mit dem Verweis nach oben | |
- "Wir habens ja versucht, aber der Bund macht nicht mit" - wäre so einfach | |
wie schäbig. Zusammen mit den Landkreisen sollte Angekündigtes auch | |
eingelöst werden. Bei der Lockerung der Residenzpflicht vor einem Jahr - | |
diese untersagte Asylbewerbern, ihren Landkreis zu verlassen - hat | |
Brandenburg gezeigt, dass es geht. Daran muss angeknüpft werden. | |
## Verstecken gilt nicht | |
Schlechte Politik ist hingegen die, die sich hinter anderen versteckt, und | |
seien es Paragrafen. So wie die letzten Beton-Landräte, die weiter die | |
bevormundenden Wertgutscheine an Flüchtlinge verteilen - obwohl längst die | |
Mehrheit ihrer Landkreis-Kollegen zeigt, dass es sehr wohl ohne geht. Und | |
obwohl die Landesspitze ankündigte, eine Umstellung nicht zu sanktionieren. | |
Politik, die so handelt, zeigt nicht nur eine bedenkliche soziale Kälte. | |
Sie entmündigt auch das eigene Handeln. | |
5 Jul 2011 | |
## AUTOREN | |
Konrad Litschko | |
## ARTIKEL ZUM THEMA | |
Residenzpflicht in Thüringen: Bis zur Kreisstadt und dann stopp! | |
Thüringen hat die Bestimmungen für Asylbewerber verändert. Mehr | |
Bewegungsfreiheit gibt es aber kaum: Die große Koalition hob die schikanöse | |
Regelung nicht auf. | |
Asylpolitik der CDU: Ausgrenzung als Sozialtherapie | |
Die CDU in Mecklenburg-Vorpommern unterstellt Asylsuchenden per se soziale | |
Inkompetenz. Ihr Lösungsvorschlag: enge Gemeinschaftsunterkünfte. | |
Flüchtlingspolitik soll liberaler werden: Brandenburg entdeckt sein Herz für … | |
Es weht ein liberaler Wind durch Berlins Nachbarland: Landkreise prüfen | |
Gutscheinsystem. Rot-rote Landesregierung will mehr Wohnungen, Deutschkurse | |
und bessere medizinische Versorgung für Asylbewerber. |